04.10.2020 06:01 |

Multi-Room ohne Mikro

B&W Formation Flex: Der Unaufdringliche

Der britische Audioexperte Bowers & Wilkins hat mit seinem Formation Flex einen edlen kleinen WLAN-Lautsprecher im Sortiment, der auf den ersten Blick an die mit Mikros gespickten und per Sprache bedienten Assistenz-Speaker erinnert, die bei Internetkonzernen wie Amazon, Apple oder Google stetig Absatz finden. Aber er hat kein Mikro, konzentriert sich unaufdringlich rein auf die Multi-Room-Musikwiedergabe. Wir haben ihm gelauscht.

Und was Bowers & Wilkins da aus dem Hut in Form eines ein Zoll großen Hochtöners und eines 4-Zoll-Mittel- und Tieftöners zaubert, ist erstaunlich überzeugend. Immerhin wiegt der Formation Flex lediglich 2,3 Kilo und ist bei 13 mal 13 Zentimetern Grundfläche nur rund 20 Zentimeter hoch. Bei Zimmerlautstärke genügt das aber für viele musikalische Bedürfnisse.

Exquisiter Klang, zurückhaltender Bass
Dröhnende Bässe sollte man von einem so kleinen Speaker mangels Volumen nicht erwarten, höhere Töne trifft er aber ausgesprochen gut. Violinen und Soprangesänge kommen klar und ohne verzerrt oder gar blechern zu wirken aus dem WLAN-Speaker. Pop- und Gitarrenmusik wird im hohen und mittleren Frequenzspektrum warm und präzise dargeboten, Stimmen trifft man auch exzellent.

Fans bassbetonter Genres werden den gewissen „Wumms“ vermissen: Obwohl durchaus ausdifferenziert, fehlt es für harte und dröhnende Bässe etwa bei elektronischer Musik schlicht an Volumen. In seiner Gewichtsklasse liefert der B&W Formation Flex davon abgesehen aber ein sehr hohes und hochauflösendes Klangniveau. Der Ton kommt über WLAN oder Ethernet in den Lautsprecher - bei uns erst nach anfänglichem Fluchen.

Bedien-App mit Macken
Bedient wird der Formation Flex, der von Menschen mit den ökonomischen Mitteln für mehrere 450-Euro-Speaker auch in Gruppen, etwa als Stereo-Paar oder im Heimkino-Verbund bespielt werden kann, nämlich mit einer proprietären Handy-App. Und die wollte auf unserem Test-Smartphone, Marke Xiaomi, partout nicht den an sich in Bluetooth- und WLAN-Reichweite befindlichen Lautsprecher erkennen. Mit einem anderen Android-Handy ging es dann doch, offenbar gibt es hier vereinzelt Unverträglichkeiten.

Verbreitete Standards nicht unterstützt
Die Ersteinrichtung in der App ist unkompliziert, der Funktionsumfang aber spartanisch. Gut, dass die Formation Flex direkt aus Musikwiedergabe-Apps angesteuert werden kann - via Spotify Connect, Apple Airplay oder dem Multimedia-Tool Roon. Das verbreitete Google-Cast-Protokoll spricht die Box leider nicht, über das noch verbreitetere DLNA/UPNP erreichten wir sie im Test auch nicht. Schade, das schränkt die Kompatibilität doch empfindlich ein und bei der im Play Store mit 2,9 von fünf Sternen bewerteten App ist man letztlich dem Hersteller ausgeliefert.

Die Verarbeitung stimmt: Wertiges Gehäuse mit etwas dünnem Stoffüberzug, die nötigsten Bedien-Elemente oben in einer verspiegelten Touch-Platte, guter Stand, hinten eine Kabelführung: Der Formation Flex ist sauber umgesetzt und fügt sich mit seinem unaufdringlichen Äußeren schnell in ein Ambiente ein. Der eine oder andere hätte sich vielleicht noch zusätzlich einen Klinkenanschluss gewünscht. Bluetooth gibt es als Audio-Eingang zwar, allerdings kann es unverständlicherweise erst nach der Ersteinrichtung in der App aktiviert werden. Ein Knopf direkt am Gerät wäre sinnvoller.

Fazit: Das unaufdringliche Äußere, die saubere Verarbeitung und der, wenn es nicht zu tief in den Bassbereich geht, exzellente Ton sprechen für den Bowers & Wilkins Formation Flex als Multi-Room-Lautsprecher. Allerdings nur, wenn man von den vorhandenen Schnittstellen bedient wird, den hohen Preis nicht scheut und sich an den Hersteller binden will. Das proprietäre App-Umfeld funktioniert, macht aber wenig Freude - das können andere besser.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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