10.03.2020 14:30 |

Lokalaugenschein

Am Brenner steht das Leben mittlerweile fast still

Der Brenner bietet ein Bild, das man bisher nicht kannte: In den Bars, im Outlet-Center und auf den Straßen herrscht fast gähnende Leere, eine bedrückende Stimmung macht sich breit ...

Montagvormittag, Lokalaugenschein an einem Ort bzw. Grenzübergang, wo das Leben üblicherweise heftig pulsiert. Aber schon während der Anfahrt von Innsbruck zeigt sich, dass der Verkehrsstrom speziell von Nord nach Süd dramatisch abgenommen hat. Wer nicht unbedingt muss, fährt derzeit nicht über den Brenner Richtung Süden.

„Die Politik hat das Virus wohl zu lange überschätzt“
Der Innsbrucker Willi Vogler gehört zu der Minderheit. „Ich habe heute noch ein spezielles Futtermittel aus Sterzing geholt, um nicht in den Stau zu geraten, sobald die Gesundheitskontrollen beginnen“, sagt der Landwirt. Er hat am Rückweg Halt am Würstelstand des Pustertalers Karl Hofer gemacht. „Die Politik hat das Virus wohl zu lange unterschätzt“, glaubt der Landwirt.

Vogler gehört zu den wenigen Kunden von Karl Hofer an diesem Tag. „Touristen gibt es beinahe keine mehr, es kommen nur noch hungrige Reisende, die keine Angst haben“, erzählt der Betreiber des Würstlstands. Panik sei jedoch keine angebracht. Hofer: „Wer hustet, soll einfach daheim bleiben.“

Gähnende Leere im sonst frequentierten Laden
Gegenüber steht sich Antonio aus Sterzing in seiner Bar, wo es auch Südtiroler Delikatessen zu kaufen gibt, die Beine in den Bauch. Seit vor rund 14 Tagen der Zug aus Verona wegen eines Verdachtsfalls am Brenner gestoppt wurde, kommt fast niemand mehr in den sonst stark frequentierten Laden. Er und seine Mitarbeiterin müssen mehrmals täglich die Bartheke reinigen und einen Meter Abstand zu den Gästen bzw. Kunden halten. „Ich selbst habe keine Angst, aber meine Mutter hat eine Vorerkrankung. Um sie sorge ich mich“, sagt die Mitarbeiterin. Sie glaubt, dass es besser wäre, den Laden für 14 Tage zu schließen.

Ein weiterer Gastronom, der nicht genannt werden möchte, hat eine solche Situation in den 40 Jahren, die er nun schon am Brenner ein Lokal führt, noch nie erlebt. Er macht ab Dienstag bis April dicht.

„Das Verkehrsaufkommen erinnert mich an die 1980er-Jahre“
Im EuroSpin-Supermarkt sind die Regale gefüllt wie immer. Lediglich der Kundenandrang lässt sehr zu wünschen übrig. Die Innsbruckerin Heidi Bodingbauer, eine Stammkundin, kaufte auch am Montag hier ein. Die Anreise verlief unproblematisch. „Das Verkehrsaufkommen erinnerte mich an die 1980er-Jahre“, schüttelt sie ungläubig den Kopf.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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