06.03.2020 05:00 |

Unfassbarer Viersitzer

Koenigsegg Gemera: Nur drei Zylinder, aber 1700 PS

Ein Sportwagen mit Dreizylindermotor und Hybridantrieb - sieben Jahre nach Präsentation des BMW i8 kommt ein solches Antriebskonzept nun auch in einem echten Hypersportwagen zum Einsatz: Koenigsegg, bekannt für extrem starke Fahrzeuge und teils ungewöhnliche Konzepte, versetzt die Autowelt wieder einmal in Staunen.

Das beginnt schon bei der Präsentation. Firmenboss Christian von Koenigsegg himself hat das neue Wahnsinns-Fahrzeug auf dem Genfer Autosalon vorgestellt, der ja eigentlich abgesagt wurde (siehe Video hier oben). Aber bei Koenigsegg-Produkten kann man sich grundsätzlich öfter mal fragen, ob hier andere Gesetze gelten als für den Rest der Automobilindustrie. Die Schweden bauen Dinge, die es anderswo nicht gibt. Und das ist höchst faszinierend.

Gemera: Vier Sitze, vier Motoren, Vierradlenkung, drei Zylinder
Der neue Superschwede mit Carbon-Chassis heißt Gemera und ist ein mehr als faszinierender Viersitzer. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein etwas überdimensionierter Mittelmotorsportwagen, knapp fünf Meter lang, 1,99 Meter breit, 1,30 Meter hoch, drei Meter Radstand. Doch schwingt eine der beiden Einzeltüren hoch, erblickt man einen riesigen Innenraum, in dem laut Christian von Koenigsegg vier Zweimeter-Hünen bequem Platz finden. Auf die Rücksitze gelangt man, ohne Extra-Tür und ohne den Vordersitz umzuklappen, es gibt keine B-Säulen. Insgesamt stehen 200 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung, die hinten für drei Trolleys, vorne für einen reichen.

Völlig abgefahren ist der Antrieb: Ein Dreizylinder-Mittelmotor sowie drei Elektromotoren liefern eine Systemleistung von 1700 PS und ein Systemdrehmoment von 3500 Nm. Wie im Schwestermodell Regera gibt es weder ein Automatik- noch ein Schaltgetriebe, sondern das Koenigsegg Direct Drive (KDD) genannten Einganggetriebe, das für drei bis fünf Prozent weniger Kraftverluste im Antriebsstrang sorgt.

Extremer Hightech-Antrieb
Allein der Verbrennermotor ist ein technisches Highlight: Das nur 70 kg schwere Triebwerk mit zwei Turboladern holt aus zwei Liter Hubraum 600 PS und ein maximales Drehmoment von 600 Nm. Es verzichtet auf eine Nockenwelle, stattdessen werden die Ventile direkt einzeln gesteuert. Das Prinzip, von Koenigsegg-Tochter FreeValve entwickelt, verspricht je 30 Prozent besseren Verbrauch, Leistung und Drehmoment und sogar 50 Prozent geringeren Schadstoffausstoß. Darüber hinaus ist es ein Flex-Fuel-Motor, der mit jeder Art Sprit zurechtkommen soll. Optimiert ist er für Biosprit, die sauberste Verbrennung ist mit Ethanol möglich. Für ein adäquates Motorgeräusch soll eine Titanauspuffanlage von Akrapovic sorgen.

Der Dreizylinder treibt die Vorderräder an, gemeinsam mit einem 400 PS und 500 Nm starken Elektromotor an der Kurbelwelle. Die Kraft wird über zwei hydraulische Kupplungen verteilt, die Torque Vectoring ermöglichen (zum Vergleich: Im BMW i8 treibt ein 131 PS starker Elektromotor mit Zweigangautomatik die Vorderräder an, ein 231-PS-Dreizylinder-Benziner im Heck wirkt über ein Sechsgang-Automatikgetriebe auf die Hinterräder). Hinter den Rücksitzen sind zwei weitere Elektromotoren platziert. Sie kommen auf jeweils 500 PS und 1000 Nm und ermöglichen Torque Vectoring auch an den Hinterrädern.

Sind alles Systeme in Volleinsatz, soll der Gemera mehr als 400 km/h erreichen, für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h verspricht Koenigsegg eine Zeit von 1,9 Sekunden. Als rein elektrische Reichweite gibt Koenigsegg 50 Kilometer an, der 75-Liter-Tank soll für weitere 950 Kilometer reichen. Die Batterie mit einer Kapazität von 16,6 kWh ist unter den Vordersitzen sowie im Carbon-Aramid-Tunnel untergebracht und kann mit bis zu 200 kW geladen werden. Die Spannung beträgt 800 Volt.

Die Bodenfreiheit ist elektronisch verstellbar, die Hinterräder haben Aktivlenkung. Gebremst wird Keramikscheiben, die vorne 415 Millimeter, hinten 390 Millimeter messen.

Dank Carbon-Chassis und -Karosserie soll der Koenigsegg Gemera vollgetankt unter 1,9 Tonnen auf die Waage bringen.

Im Innenraum geht es entsprechend weiter
Es geht offenbar immer noch mehr. Jeder der vier Insassen hat zwei Cupholder, jeweils einer gekühlt, der andere beheizt. Auf der Mittelkonsole thront ein großes zentrales Display, ein weiteres kleines ist hinter dem Lenkrad montiert. Zwei Bildschirme links und rechts außen übertragen die Bilder der Außenspiegel-Kameras. Alles ist in Leder und Carbon gehalten.

Auch in Sachen Assistenzsysteme lässt der Gemera nicht nach, es ist alles an Bord bis hin zu teilautonomem Fahren nach Level 2. Wer sich das Einparken nicht zutraut, kann das dem Auto überlassen.

Was so etwas kostet, wollen wir gar nicht wissen. Oder doch? Okay. Bei 1,7 Millionen Dollar (rund 1,5 Millionen Euro) fängt der Spaß an. Die gute Nachricht: Es wird nicht viel NoVA anfallen ...

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