03.03.2020 12:27 |

Falt-Handy ausprobiert

Huawei Mate XS wirkt stabiler als der erste Anlauf

Rund ein Jahr nach seinem ersten faltbaren Smartphone, dem hierzulande nie erschienenen Mate X, bringt Huawei Ende März die zweite Auflage namens Mate XS nun auch nach Österreich. Mit einem Preis von rund 2600 Euro ist es mehr Technologiedemo für Betuchte denn alltagstaugliches Smartphone, trotzdem macht das Handy, das zum Tablet wird, einiges her. Wir hatten bei einem Huawei-Event in Wien Gelegenheit, kurz Hand ans - durch die US-Sanktionen derzeit Google-freie - Mate XS zu legen.

Vom Konzept her ist man dem ersten Mate X treu geblieben, lediglich im Detail - besserer Prozessor, stabileres Scharnier - hat man nachgebessert. Doch die kleinen Verbesserungen haben eine große Wirkung: Tönten aus dem Mate X vergangenes Jahr beim Faltvorgang noch unschöne Geräusche aus dem Scharnier, ließ sich das Mate XS, das uns Huawei nun gezeigt hat, fast geräuschlos und ohne größeren Widerstand auf- und zufalten.

Beeindruckendes flexibles Display
Das flexible OLED-Display mit 2480 mal 2200 Pixeln, das - geschützt von zwei Kunststofffolien - außen ums Gerät „gewickelt“ ist und es beim Aufklappen vom Smartphone in ein Tablet verwandelt, spiegelt stark, ist aber nach wie vor eine eindrucksvolle Erscheinung. Die Faltstelle ist im Gegensatz zu Geräten mit innen liegendem Display im aufgeklappten Zustand ebener und nicht so leicht erkennbar. Die Bildqualität allgemein - hohe Schärfe und Helligkeit, satte Farben, viel Kontrast - braucht sich vor starren Displays nicht zu verstecken.

Tolle Kamera, mehr als genug Rechenkraft
Die übrige Ausstattung ist auf der Höhe der Zeit: Es gibt eine Dreifach-Kamera mit lichtstarker Haupt- (F/1.8), Weitwinkel- (F/2.2) und Zoomkamera (F/2.4, OIS). Die Hauptkamera liefert eine Auflösung von 40, die Weitwinkel- 16 und die Zoomkamera acht Megapixel. Beim Huawei-Event, das bei guter Beleuchtung stattfand, lieferte das Gespann naturgemäß sehr schöne Fotos - und zwar durch die ungewöhnliche Bauform mit Display vorne und hinten sowohl als Haupt- als auch als Selfie-Kamera.

In puncto Rechenkraft macht das Gerät mit seinem Kirin-990-Chip ebenfalls einen guten ersten Eindruck: Android läuft jederzeit flüssig, die vorhandenen Reserven sollten auch für komplexere Smartphone-Spiele genügen. Multi-Tasking macht ebenfalls keine Probleme, im Gegenteil: Am aufgeklappten Bildschirm mit seinem fast quadratischen Formfaktor kann man zwei Android-Apps bequem simultan nutzen. Nicht unpraktisch!

Normalverbraucher vermissen den Play Store
Sehr wohl unpraktisch: Weil Google aufgrund der Sanktionen der US-Regierung gegen den chinesischen Netzwerkriesen derzeit seine Play-Services - also den Play Store und Apps wie Google Maps, YouTube, Google Drive oder Google Home - nicht an Huawei liefern darf, fehlen auf dem Gerät für viele Smartphone-Nutzer alltägliche Anwendungen. Ebenso wie manche tiefer ins System integrierten Google-Dienste, um beispielsweise Videos auf den nächsten Chromecast zu streamen.

Und die Huawei App Gallery, die Googles Play Store ersetzen soll, ist aktuell noch nicht allzu prall gefüllt und lässt viele verbreitete Anwendungen missen. Sicher können ausgefuchste Android-Bastler die Google-Dienste mit ein paar Tricks nachinstallieren und natürlich gibt es die Installationsdateien für viele Android-Anwendungen in Form von APK-Dateien online zum Download. Einer breiten Nutzermasse, die App-Installationen aus dem Play Store bzw. vorinstallierte Google-Anwendungen gewöhnt ist, ist das aber wohl nicht zumutbar - schon gar nicht in diesem Preissegment.

Überall Display - ist das robust?
Und dann wäre da natürlich noch die Frage der Haltbarkeit: Huaweis Konzept für faltbare Smartphones mit dem außenliegenden Display ist futuristisch und macht optisch einiges her, keine Frage. Aber ist ein Smartphone, das an allen Seiten mit einem lediglich durch Kunststofffolien geschützten Display überzogen ist, auch langlebig? Wir haben da zumindest Zweifel …

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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