Lokalaugenschein

Nach Corona-Fall: Fusch will nichts dramatisieren

Salzburg
02.03.2020 07:00

Eine 36-Jährige steht wegen einer Infektion mit dem Coronavirus unter Hausquarantäne in Fusch im Pinzgau. Dort lassen sich die Bewohner jedoch nicht vom Alltag abhalten. Die Bürger wollen „nichts dramatisieren“.

Darf ich eine Runde ausgeben?“, fragt der Fuscher Bürgermeister Hannes Schernthaner am Sonntagmorgen in seinem Büro und reicht ein Fläschchen Desinfektionsmittel. Nach der Nachricht über den ersten Infektionsfall in Salzburg will der Ortschef dem Virus mit der gebotenen Ernsthaftigkeit begegnen. Eine Wienerin (36) und ihr Lebensgefährte (40) sowie dessen Familie stehen seit Samstag unter Hausquarantäne in der Pinzgauer Gemeinde.

Bürgermeister Hannes Schernthaner im Gespräch mit "Krone"-Redakteur Nikolaus Pichler (Bild: EXPA/ Stefanie Oberhauser)
Bürgermeister Hannes Schernthaner im Gespräch mit "Krone"-Redakteur Nikolaus Pichler

Der Ort hat seither die Versorgung der vier Österreicher übernommen. Dennoch herrscht dort ein „ganz normaler Alltag“, bekräftigt Schernthaner. Das Dorf sei trotz aller Umstände nach wie vor sicher. „Es können immer noch Touristen zu uns kommen. Es besteht keine Gefahr.“ Dem Coronavirus müsse man mit „dem nötigen Augenmaß begegnen“, findet er. Dann macht sich der 34-Jährige auf den Weg zur Sonntagsmesse. Gerade jetzt müsse man als Bürgermeister „Präsenz zeigen“.

Auch im Hotel von Rosemarie Wallner ist man vorbereitet (Bild: EXPA Pictures. Alle Rechte vorbehalten. // EXPA Pictures. All rigths reserved.)
Auch im Hotel von Rosemarie Wallner ist man vorbereitet

Statt in der Kirche, steht Josef Embacher (35) am Sonntag vor dem kleinen Schneehang neben dem Gemeindeamt. „Manche gehen in die Kirche, andere gehen Skifahren“, sagt der Einheimische. Dass gerade Fusch, ein Dorf mit 700 Einwohnern, Schauplatz der Salzburger Geschichte um das Virus wurde, wundert den Unternehmer nicht. „Wir sind auch globalisiert“, lacht der 35-Jährige, während die Messglocken läuten und er seine Kinder fertig für die Piste macht. Die unverhoffte Aufmerksamkeit für den Ort ist laut ihm unbegründet. Zwar habe man in Fusch Respekt, jedoch keine Angst vor dem Corona-Virus.

„Man darf alles nicht zu sehr dramatisieren“
Der „Zufall am Samstag“, wie es Rosemarie Wallner (58) nennt, ist dennoch das Gesprächsthema Nummer eins im Ort. Über das besonnene Verhalten der Wienerin nach dem positiven Corona-Test sind sich alle einig. „Es ist gut, dass sie so richtig reagiert hat und nicht zum Arzt gegangen ist“, meint Wallner. Auch darum findet die 58-Jährige: „Man darf das mit dem Coronavirus alles nicht zu sehr dramatisieren.“

Nikolaus Pichler
Nikolaus Pichler
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