13.02.2020 16:07 |

Lage ist angespannt

Proteste in Athen gegen neue Flüchtlingslager

In Griechenlands Hauptstadt Athen haben am Donnerstag Hunderte Inselbewohner gegen den Bau von neuen Flüchtlingslagern auf den Inseln im Osten der Ägäis demonstriert. „Die Inseln dürfen nicht mehr Lager verlorener Seelen sein“, hieß es auf Transparenten. Die Bewohner fühlen sich von der Regierung in Athen zunehmend im Stich gelassen, NGOs fürchten unterdessen eine baldige Eskalation der angespannten Lage.

Die Regierung der bürgerlichen Partei Nea Dimokratia (ND) unter Regierungschef Kyriakos Mitsotakis hat angesichts der überfüllten Lager die Asylverfahren beschleunigt und stellt 1200 neue Grenzpolizisten ein. Außerdem lässt sie geschlossene Registrier- und Abschiebelager auf den Ägäisinseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos bauen.

Zahl der Flüchtlinge steigt wieder stark an
„Wir werden uns mit allen legalen Mitteln gegen den Bau von neuen Lagern wehren“, sagte der Gouverneur der Region Nordägäis, Kostas Moutzouris, der Deutschen Presse-Agentur. Laut dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) stieg die Zahl der Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland kamen im Vorjahr stark an. Waren es 2018 noch etwa 50.500, kamen im vergangenen Jahr bereits 74.600 Flüchtlinge an.

Ärzte ohne Grenzen prangert die Zustände in den Lagern schon länger an. „Die Situation auf Lesbos hat sich noch einmal massiv verschlechtert“, sagte Marie von Manteuffel von der privaten Hilfsorganisation. Es fehle an Essen, medizinischer Versorgung und Schutz. Das Leid der Menschen müsse sofort beendet werden. 

Die Proteste richteten sich auch gegen angeblich geplante Enteignungen von Grundstücken durch die Regierung, um darauf neue Flüchtlingslager bauen zu können.

Bürgermeister der betroffenen Städte bei Protest
Auch die Bürgermeister der betroffenen Inseln nahmen an der Demonstration teil. „Wir, die Einwohner der Inseln, haben auch Menschenrechte“, sagte Georgios Stantzos, Bürgermeister der Hauptortschaft von Samos, Vathy, der dpa. In und um das Lager von Vathy leben mittlerweile mehr Migranten als Einwohner.

Stantzos forderte die Solidarität der anderen EU-Staaten ein. „Allen voran des stärksten Landes, Deutschland“, sagte er. Die Regierung in Athen solle dafür sorgen, dass die Migranten, die aus der Türkei täglich übersetzen, nach ihrer Registrierung auf den Inseln zum Festland gebracht werden.

In und um die Registrierlager auf den Inseln der Ostägäis harren mehr als 42.000 Menschen unter großteils verheerenden Bedingungen aus. Alleine im Camp Moria aus Lesbos sind es 20.000. Das Lager war ursprünglich nur für 3.000 Menschen vorgesehen. Täglich setzen neue Migranten aus der Türkei über.

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