12.02.2020 07:30 |

Riesendach abgedeckt

„Sabine“ wütete erst nach Geisterstunde

Tagsüber hatte sich das Sturmtief „Sabine“ handzahm gezeigt. Am Vormittag bliesen ein paar Windböen über Salzburg. Vom befürchteten Orkan gab es keine Spur: Zwischendurch schien sogar die Sonne. Alles nicht so schlimm? Ein Trugschluss. In der Nacht legte „Sabine“ richtig los. Die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) maß Windgeschwindigkeiten von bis zu 108 km/h in der Stadt. Ergebnis: abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, zerquetschte Autos.

„Der Sturm war für Montagmittag angekündigt. Dass es dann erst in der Nacht richtig losgeht, war absolut überraschend“, sagt Klaus Gogg von der Berufsfeuerwehr Salzburg. Besonders hart traf es die Bewohner eines Wohnblocks in der Fürstallergasse 8 im Salzburger Stadtteil Parsch.

Sturmtief riss Dach von Wohnblock in Parsch
„Sabine“ deckte ein 500 Quadratmeter Dach ab, als handelte es sich um ein Stück Papier. Das Riesenblech erstreckte sich vom Garten vor dem Haus bis auf einen Parkplatz.

23 Berufsfeuerwehrmänner und 14 von der Freiwilligen Feuerwehr Bruderhof trotzten beim Einsatz dem Sturm bis in die frühen Morgenstunden. Sie bauten dem Wohnblock ein vorläufiges Dach aus einer Plane. Dann zerschnitten sie das 500 Quadratmeter-Blech. Nur so war ein Abtransport überhaupt möglich.

Die Bewohner durften im Wohnblock bleiben
„Wenn jemand unten gestanden hätte, wäre das lebensbedrohlich geworden“, sagt Gogg. Dazu kam es nicht: verletzt wurde niemand. Und: Die Bewohner der 25 Wohnungen durften im Gebäude bleiben. „Die Hausverwaltung hat sich bei der Feuerwehr gemeldet und wird schnellstmöglich einen Dachdecker beauftragen“, erzählt Gogg. Er schiebt nach: „Das war sicherlich der Haupteinsatz in dieser Nacht. Ansonsten gab es nur kleinere Sachen: umgestürzte Bäume und Schilder auf Baustellen.“

Es soll erst am Donnerstag aufhören zu stürmen. Wie bereitet sich die Berufsfeuerwehr vor?

„Wir füllen unsere Vorräte an Holz und Planen auf. Ansonsten werden wir verschiedene Trupps bilden und diese auf kleinere Fahrzeuge verteilen“ sagt Gogg. Die könnten flexibel eine Vielzahl von Einsätzen fahren. Mit dabei das wohl Wichtigste in diesen Tagen: viele Motorsägen.

Feuerwehren im Land im Dauereinsatz
Im Bundesland waren 33 Feuerwehren mit 534 Mann im Dauereinsatz. Insgesamt rückten sie siebzigmal aus. Im Flachgau blies „Sabine“ das Dach einer Lagerhalle in die Nacht hinaus. Ein Baum stürzte auf die Fahrleitung der Salzburger Lokalbahn. „Ab Mitternacht wurden die Böen stärker. Richtig los ging es aber auch bei uns erst gegen 3 Uhr“, erzählt Thomas Lindner vom Landesfeuerwehrverband Salzburg. Ab 8 Uhr morgens habe sich die Lage endlich beruhigt.

Es bleibt auch heute noch stürmisch
Wieso schlug „Sabine“ so viel später zu, als es Metereologen vorausgesagt hattten? „Es ist schwierig, zu berechnen, wann die stärksten Böen da sind. Es gab schon am Montag um 11 Uhr Windböen. Die höchsten Windspitzen sind aber erst in der Nacht gekommen“, sagt Josef Haslhofer von der ZAMG. Trotzdem kam Salzburg im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Oberösterreich glimpflich davon. „Solange diese Weströmung über flaches Land fegt, hat sie wenig Widerstand und wird sehr schnell. In Salzburg gibt es die Berge und Unebenheiten. Und wie lange plagt „Sabine“ die Salzburger noch?

„Bis Mittwochabend. Auf den Bergen strümt es. In den Niederungen kann es Windgeschwindigkeiten von 70 km/h geben.

Christoph Laible
Christoph Laible
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