Schon wieder weg

Hertha-Erdbeben! Klinsmann hört als Trainer auf

Aus die Maus! Nach gerade einmal zehn Wochen ist das Trainer-Abenteuer für Jürgen Klinsmann bei Hertha BSC auch schon wieder vorbei! Der frühere Bayern-Coach und Deutschland- sowie USA-Teamchef sorgte am Dienstagmorgen mit seinem Rückzug von der Trainerbank des Hauptstadt-Klubs für den ganz großen Knalleffekt im deutschen Fußball.

Klinsmann, der 1990 mit Deutschland Weltmeister und 1996 Europameister geworden war, hatte die Hertha Ende November 2019 vom glücklosen Ante Covic übernommen, dem ein 0:4 beim FC Augsburg zum Verhängnis wurde. „Klinsi“, im Sommer in den Aufsichtsrat der Berliner eingezogen, erklärte sich bereit, beim schwer in Abstiegsnot geratenen Klub einzuspringen und schaffte denn auch tatsächlich die Trendwende: In den abschließenden Partien der Herbstsaison kassierte die Hertha bei zwei Siegen und zwei Remis nur mehr eine einzige Niederlage. Nach dem Jahreswechsel wendete sich das Blatt aber wieder: Zuletzt kassierte die Elf von Klinsmann daheim ein 1:3 gegen den FSV Mainz, die bereits zweite Pleite im vierten Frühjahrsspiel.

Offenbar sorgte nicht zuletzt der jüngst ergebnistechnisch ins Hertha-Getriebe geratene Sand dafür, dass die sportliche Führung in die Kritik geriet - was der „Lichtgestalt“ Klinsmann wenig überraschend wenig schmeckte. „Gerade im Abstiegskampf sind Einheit, Zusammenhalt und Konzentration auf das Wesentliche die wichtigsten Elemente. Sind die nicht garantiert, kann ich mein Potenzial als Trainer nicht ausschöpfen und kann meiner Verantwortung somit auch nicht gerecht werden“, schreibt „Klinsi“ nun auf Facebook. Deshalb sei er nach langer Überlegung zum Schluss gekommen, sein Amt als Trainer [...] zur Verfügung zu stellen und sich wieder auf seine ursprüngliche und langfristig angelegte Aufgabe als Aufsichtsratsmitglied zurückzuziehen.

Letztlich, so deutet Klinsmann an, habe das Vertrauen der handelnden Personen gefehlt, um als Cheftrainer die „Mission Klassenerhalt“ zu einem erfolgreichen Ende zu führen - wer diese handelnden Personen sind, führt der 55-Jährige nicht näher aus. Es ist allerdings seit Monaten bekannt, dass es eine gewisse Kluft zwischen dem Lager des milliardenschweren Investors Lars Windhorst, einem Vertrauten Klinsmanns, und den alteingesessenen Hertha-Machern um Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz gibt. Kurios: Klinsmann gab seinen Rücktritt einzig und allein via Facebook bekannt, ohne sich zuvor mit anderen Verantwortlichen bei der Hertha abzusprechen. Umso überraschter zeigte man sich denn auch nach dem Paukenschlag beim Klub - mehr Infos dazu finden Sie HIER!

Noch am Montagabend hatte Klinsmann in einem Facebook-Videochat mit Fans für sein Projekt bei der Hertha geworben und später im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur mindestens Platz 15, also den sicheren Klassenverbleib, am Saisonende versprochen. In der Winterpause hatte Hertha dank Geldgeber Windhorst kräftig auf dem Transfermarkt investiert. Für die vier Profis Santiago Ascacibar, Krzysztof Piatek, Matheus Cunha und Lucas Tousart, der jedoch auf Leihbasis noch ein halbes Jahr bei Olympique Lyon bleibt, blätterte der Hauptstadt-Klub fast 80 Millionen Euro hin.

Über die Zusammenarbeit mit Windhorst schwärmte Klinsmann noch am Montag bei der dpa-Chefredaktionskonferenz in Berlin. „Ich habe ihn im Oktober zehn Minuten getroffen auf dem Ku‘damm in einer Bank auf dem Weg zum Tegeler Flughafen, wir kannten uns vorher nicht. Er hat mir gesagt: Ich brauche dich an meiner Seite, weil ich mich im Fußball nicht auskenne. Du sagst mir, ob ich es richtig oder falsch mache“, erzählte Klinsmann. Mit seinem Rücktritt als Trainer hat Klinsmann nun Windhorst und die Hertha in die nächste Notlage gestürzt.

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Donnerstag, 24. September 2020
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