05.02.2020 06:00 |

Vergebliche Suche

Zu wenig Personal: Wirte müssen sonntags schließen

Traditionsbetriebe in der Gastronomie finden kein Personal mehr, einige Wirte müssen nun an den Wochenenden schließen. Für viele Arbeitnehmer ist mehr Freizeit wichtiger, als viel zu verdienen. Die Branche steht vor einer ungewissen Zukunft.

Mit ihren köstlichen Tortenkreationen hat sich die Konditorei Handl weit über die Gratkorner Ortsgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Und doch hat man Chef Erich Handl schon besser gelaunt erlebt als dieser Tage. „Für uns ist es einfach unmöglich, Personal zu finden, das auch am Wochenende arbeiten will. Trotz Überbezahlung und obwohl wir wirklich ein tolles Betriebsklima haben“, sagt der zerknirschte Unternehmer.

Sonntags bleibt künftig geschlossen
Eine Erkenntnis, die für alle Mehlspeisen-Tiger eine bittere Konsequenz hat - „wir werden ab März am Sonntag geschlossen haben. Obwohl dieser Tag für uns seit 28 Jahren der umsatzstärkste der Woche ist. Aber was soll ich machen, wenn ich keine Leute finde“, zuckt der Familienvater mit den Schultern.

Mitarbeiter nicht auspressen
Ähnlich ist die Stimmungslage ein paar Kilometer nördlich beim Traditionsgasthaus Thomahan in Friesach. Auch dort bleibt die Küche am Wochenende künftig kalt, das Lokal geschlossen. „Wir haben uns das wirklich nicht leicht gemacht“, sagt Chefin Elisabeth Hassler. „Der Sonntag ist ja auch wirtschaftlich unser stärkster Tag - wenn die Qualität passt, ist das quasi ein Selbstläufer. Aber wir bräuchten für acht Stunden zwölf Leute und die haben wir einfach nicht. “

Ein Jahr lang hat man beim Thomahan vergeblich Job-Annoncen geschalten. „Unsere Mitarbeiter sind wirklich einmalig und teilweise schon 30 Jahre im Betrieb - für sie ist ein Wochenenddienst auch kein Problem - aber wir können die, die wir haben, ja nicht endlos auspressen.“

Einstellung hat sich verändert
Die Gründe für den Personalmangel sehen die beiden Gastroprofis ähnlich. „Die Einstellung der Leute hat sich einfach verändert“, ist Handl überzeugt. Hassler: „Vielen ist die Gastro einfach zu stressig und dazu ist das Image nicht das beste - die Branche selbst hat in der Vergangenheit viel kaputt gemacht.“

Immer weniger Ausbildungsbetriebe
„Wir haben schon einen Arbeitskräftemangel und keinen Fachkräftemangel mehr“, stellt Klaus Friedl, Gastrospartenobmann bei der WKO Steiermark, klar. „Viele Betriebe müssen deswegen ihre Speisekarte und Öffnungszeiten reduzieren oder ganz zusperren.“ Ein Problem ist laut Friedl, dass es dadurch auch immer weniger Lehrlingsausbildungsbetriebe gibt. „Wenn Traditionsbetriebe aufhören, wird es schwierig. Wir sind eben einfach eine Freizeitgesellschaft geworden."

„Wir haben keine Probleme“
Es gibt sie aber noch, jene Betriebe, die bei der Mitarbeitersuche aus dem Vollen schöpfen können - so etwa Natalie Moscher-Tuscher vom Bauernwirt in Graz-Straßgang. “Ich darf mich wirklich nicht beschweren - wir haben keine Probleme, Personal zu finden - auch nicht fürs Wochenende. Da profitieren wir sicher auch von der guten Öffi-Anbindung in Graz.“

Ihr Erfolgsgeheimnis: „So banal das vielleicht klingt - aber der Mensch steht halt im Vordergrund. Es ist ein Geben und Nehmen. In der Vergangenheit ist in der Gastro schon auch viel passiert, wurden Mitarbeiter regelrecht vergrault.“ Moscher-Tuscher fördert ihre Mitarbeiter, bietet Fortbildungskurse an und setzt auf ein absolut positives Betriebsklima.

Marcus Stoimaier
Marcus Stoimaier
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