Knaller im Podcast

Crash mit Savicevic: „Dejan war ganz fertig“

Wolfgang Knaller ist der Hauptdarsteller dieser Podcast-Folge: Der Admira- und Austria-Kult-Goalie sinniert im Gespräch mit Michael Fally über Taktik-Training á la Gustl Starek, Didi Kühbauers Mundwerk, Olaf Marschalls Goalgetter-Qualitäten, gebrochene Nasen- und Kahnbeine, luxierte Finger, Zusammenstöße mit Roberto Baggio und Dejan Savicevic und Länderspiel-Einsätze direkt nach durchzechten Nächten.

Hier können Sie den Podcast in voller Länge hören - ebenso wie auf Spotify und iTunes:

Unter anderem spricht Knaller im Podcast über ...

... den 16-jährigen Didi Kühbauer als Mitspieler bei der Admira:
„Ich habe selten jemanden gesehen, der mit 16 Jahren schon so ein fertiger Spieler war. Didi hat den Älteren gegenüber keinen Respekt gehabt. Teilweise kannte er die Grenzen nicht. Je mehr er sich mit den Alten angelegt hat, desto mehr ist er zum der Jungen geworden. Fußballerisch war er ein absoluter Top-Mann, das hat ja seine weitere Karriere gezeigt.“

... seinen Ruf, nicht ausschließlich Wasser und Kaffee getrunken zu haben:
„Ich habe zu Hause nicht einmal Bier gehabt. Zum ersten Mal Alkohol getrunken habe ich mit 18 Jahren beim Bundesheer. Nur: Während die Kollegen vom Tisch gefallen sind, bin ich noch immer dagesessen und hab‘s schlicht vertragen. Anscheinend hatte ich die Gabe, es besser zu vertragen. Trotzdem: Mir kann keiner erzählen, dass er nach einem Spiel nicht einmal mit Freunden zusammensitzt und ein Bier trinkt. Du hast, gerade als Torhüter, ziemlich viel Druck. Ich bin meistens nach einem Spiel laufen gegangen, um alles zu verarbeiten. Manchmal halt nicht. Dann bin ich mit Freunden zusammengesessen und habe ein paar Bier getrunken. Manchmal sind‘s halt mehrere geworden. Und trotzdem war ich am nächsten Tag immer trainingstauglich.“

... sein wohl turbulentestes Länderspiel im Jahr 1996 gegen Tschechien:
„Österreich hat am Mittwochabend in Salzburg gegen Tschechien gespielt. Ich war damals bei der Admira und auf Abruf. Bei der Admira gab‘s mannschaftsintern Reiberein. Als Mannschaftssprecher habe ich dem Trainer vorgeschlagen, mit der Mannschaft etwas zu unternehmen - es war ja Länderspielpause -, um diverse Angelegenheiten zu regeln. Der Trainer goutierte das und meinte: „Schaut, dass ihr morgen am Vormittag pünktlich beim Training seid. Es steht nur Auslaufen auf dem Programm.“ Der Mannschaftsabend hat halt länger gedauert. Für manche hat sich‘s nicht mehr ausgezahlt, nach Haus zu fahren. Die haben dann im Stadion oder auf der Massagebank geschlafen, um nur ja nicht das Training zu versäumen. Dem Trainer war das aber doch zu viel. Als „Dank“ für unsere Zechtour hat er das Training kurzerhand geändert: Statt Auslaufen gab‘s Diagonalläufe. Eineinhalb Stunden Steigerungsläufe. Plus Kräftigungsübungen. Danach waren alle kaputt. Jeder freute sich aufs Schlafen. Ich auch. Aber während ich beim Massieren lag, kam der Sekretär und sagte: „Du, Wolfi, der ÖFB hat angerufen, du musst zum Ländermatch nach Salzburg, die brauchen dich.“ Ich dachte zunächst an einen Spaß. Aber es war kein Spaß. Ein Torhüter hatte sich beim Team-Abschluss-Training verletzt. Also bat ich einen Freund, mich nach Salzburg zu bringen. Dort endlich angekommen, dachte ich, ich müsste nur auf der Bank sitzen. Dem war nicht so. Herbert Prohaska sagte: „Wolfi, damit du nicht umsonst gekommen bist, spielst du die zweite Halbzeit.“ Ein Wahnsinn. Und trotzdem habe ich super gehalten - und von der Kronen Zeitung sogar die Note „Weltklasse“ erhalten.

... seine Bekanntschaft mit Juve-Superstar Roberto Baggio:
„1994 haben wir es mit der Admira bis ins UEFA-Cup-Achtelfinale gebracht. Dort wartete Juventus Turin mit Stars wie Ravanelli, Vialli, Del Piero und eben Baggio. Er lief alleine aufs Tor zu. Ich habe ihn abgedrängt, im richtigen Moment zugepackt und beide Hände auf den Ball bekommen. Baggio hat mir den Ball mit dem Knie aus den Händen gedrückt und im Fallen das Tor erzielt, das der Schiedsrichter auch noch gegeben hat. Ich war nur bös‘ auf Baggio und Schiri. In einer anderen Aktion hätte ich den Ball schon längst aufnehmen können. Ich habe aber noch gewartet, bis Baggio da war. Als er dann da war, habe ich den Ellbogen aufgestellt. Das - unbemerkt vom Schiedsrichter - die Retourkutsche. Er ist zwar gelegen, blieb aber unverletzt. Daraufhin hat er den Daumen nach oben gereckt und signalisiert: „Jetzt sind wir quitt.“ Ich habe also von ihm erst den Respekt bekommen, als er gemerkt hat, dass ich mich wehre.“

Ein ganz eigenes Kapitel in der Karriere des Wolfgang Knaller sind seine Verletzung: Zehn Fingerluxationen, zehn Nasenbeinbrüche, ein gebrochenes Kahnbeihn, Knieverletzungen - Knaller kennt jede Art von Schmerz. Und trotzdem kennt er irgendwie wiederum keinen Schmerz. Als er etwa im Wiener Derby mit Rapidler Dejan Savicevic zusammenkrachte, stand der Finger weg. Er spielte trotzdem weiter.

Den Podcast in voller Länge können Sie jetzt hier (oben), auf Spotify und auf iTunes anhören. Gute Unterhaltung!

Michael Fally
Michael Fally
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