19.10.2019 06:02 |

Kritik am Pixel 4

Googles Gesichtserkennung klappt auch mit Toten

Der US-Internetkonzern Google hat diese Woche mit dem Pixel 4 (XL) sein neues Android-Vorzeigegerät enthüllt und bietet bei dem Gerät unter anderem die Entsperrung per Gesichts-Scan an, wie sie auch Apple beim iPhone einsetzt. Eine Facette der Gesichtserkennung sorgt nun allerdings für Kritik: Sie funktioniert auch, wenn die Augen des Nutzers geschlossen sind. Also auch, wenn er schläft, bewusstlos oder gar tot ist.

Aus Sicht von IT-Sicherheitsexperten ist das ein Problem, berichtet die britische BBC. Während beim Rivalen Apple nicht nur die Gesichtsparameter überprüft werden, bevor ein iPhone entsperrt wird, sondern eben auch, ob der Nutzer ins Gerät blickt, kann das neue Google-Smartphone auch entsperrt werden, wenn die Augen geschlossen sind. Eine Problematik, die Google offenbar bewusst ist. Auf der Hilfe-Seite zum neuen Pixel heißt es: „Ihr Telefon kann von jemand anderem entsperrt werden, wenn er es vor Ihr Gesicht hält - auch, wenn Ihre Augen zu sind.“ Wer das nicht wünsche, könne den „Lockdown“-Modus nutzen, in dem die Gesichtserkennung deaktiviert ist.

Der Sicherheitsexperte Graham Cluley zur BBC: „Jemand Unautorisierter - ein Kind oder der Partner - könnte das Telefon ohne Ihre Erlaubnis entsperren, indem er es vor Ihr Gesicht hält, wenn Sie schlafen. Ich würde nicht darauf vertrauen, dass das die privaten Unterhaltungen und Daten auf meinem Telefon sichert.“

Google sieht sich auf Augenhöhe mit Apple
Die Schwäche der Pixel-4-Gesichtserkennung ist auch bei „The Next Web“ Thema. Dort zitiert man Googles Produktmanagerin für das Pixel 4, die kurz zuvor noch erklärte: „Es gibt nur zwei Gesichtserkennungslösungen, welche die Schwelle überwinden, supersicher zu sein. Dabei geht es beispielsweise um Zahlungen, diese Stufe - und das ist unsere und die von Apple.“ Gerade im Zusammenhang mit dem digitalen Zahlen dürfte es aber nachteilig sein, wenn das Gerät auch ohne Blickkontakt entsperrt werden kann.

Problematisch kann die Gesichtserkennung mit geschlossenen Augen auch werden, wenn der Nutzer eines Smartphones Behördenkontakt hat - zumindest in autoritären Ländern. In Hongkong, wo seit Monaten Hunderttausende Menschen gegen die Annäherung an Festlandchina auf die Straße gehen, gab es in den letzten Monaten beispielsweise Fälle, in denen Polizisten Demonstranten unter Gewaltanwendung dazu nötigten, ihre Smartphones zu entsperren. Die Folge: Demonstranten schalten die biometrischen Entsperrmechanismen ihrer Handys immer öfter ab.

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