23.09.2019 17:28 |

Beruf so attraktiver?

Lkw-Fahren mit 16: Kritik an Wirtschaftskammer

Dieser Vorschlag der Wirtschaftskammer, wie man den Lehrberuf Lastwagenfahrer attraktiver gestalten und gleichzeitig den Fachkräftemangel in der Branche bekämpfen könnte, sorgt für große Aufregung. Am Wochenende wurde eine seit Längerem intern diskutierte Idee bekannt: Ein dem „L17“-Modell beim Führerschein ähnliches System soll mehr junge Menschen in den Lehrberuf holen. Dieses Modell sieht vor, dass nach erfolgter Ausbildung, Fahren von 30.000 Kilometern unter Aufsicht und einer Fahrprüfung bereits 17-Jährige Schwerfahrzeuge lenken dürfen sollen.

Alexander Klacska, der Bundesspartenobmann für Transport und Verkehr, erläuterte am Montag, wie das „L17“-Modell für Lkw-Fahrer aussieht: „Nach der theoretischen Fahrschulausbildung und praktischen Fahrstunden soll der angehende Lenker Praxiserfahrung im begleiteten Fahren mit einem Ausbildner sammeln. Danach wird die praktische Fahrprüfung abgelegt und der Lenker darf ab 17 Jahren in Österreich selbstständig das Fahrzeug lenken.“

Fachkräftemangel: Drei von zehn Firmen an Arbeit gehindert
Gleichzeitig werde durch Modernisierung und Priorisierung der Inhalte die Ausbildungszeit auf zwei Jahre verkürzt, was diese attraktiver für junge Menschen machen soll. In diesem Zusammenhang wies Klacska auf Ergebnisse des aktuellen Konjunkturtests der Wirtschaftskammer hin: Drei von zehn Unternehmen werden demzufolge aufgrund von Arbeitskräftemangel in ihrer Geschäftstätigkeit behindert. Im Eisenbahnbereich liegt dieser Wert bei 90 Prozent. Laut Klacska sind 40 Prozent der derzeitigen Mitarbeiter über 50 Jahre, in den nächsten zehn Jahren werden 25 Prozent der Angestellten in Pension gehen.

ARBÖ warnt: „Junge als Hauptunfallverursacher“
Auch wenn das „Ansinnen der Wirtschaftskammer“ verständlich sei, zeigt sich der Autofahrerklub ARBÖ äußerst vorsichtig und kritisch. Pressesprecher Sebastian Obrecht meint gegenüber krone.at: „Junge Fahrzeuglenker sind die Hauptunfallverursacher, wenn man sich die Altersgruppen ansieht.“ Man sollte sich also ganz genaue Gedanken darüber machen, wenn man 17-Jährigen erlaubt, „einen 30-Tonner zu lenken“, so Obrecht weiter. Schließlich sei das Gefahrenpotenzial eines Lkw um ein Vielfaches höher als von Mopeds oder Pkw.

Seitens des ÖAMTC wollte man aufgrund des noch nicht ganz ausgegorenen Wirtschaftskammer-Plans nichts Inhaltliches sagen. Gegenüber krone.at hieß es: „Zu dem Thema liegt noch nichts auf dem Tisch. Daher können wir auch nichts Konkretes sagen.“

Gabor Agardi
Gabor Agardi
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