08.09.2019 19:04 |

Schlagfertig

Eine Sport-Legende geht zur Primetime

Percussion-Weltstar Martin Grubinger schreibt in seiner „Krone“-Kolumne „Schlagfertig“ über den Abschied von Ski-Superstar Marcel Hirscher.

Lieber Marcel Hirscher,

Pele, Roger Federer, Michael Schumacher, Tiger Woods, Michael Jordan, Lionel Messi, Michael Phelps und Marcel Hirscher. Obwohl wir uns noch nie persönlich begegnet sind, darf ich dich in dieser Kolumne hochleben lassen. Du verzeihst das formlose „Du“. Aber nachdem wir beide aus dem Salzburger Land kommen, mach ich da keine Umschweife. Denn für mich bist du in jeder Hinsicht ein ganz Großer.

In einer Liga mit den Größen des Weltsports - jenen, die ihre Sportart mit Ihrem Können, ihrem Talent, ihrem Fleiß und einer bewundernswerten Härte zu sich selbst revolutioniert haben. Jene, die über ihren Sport hinaus strahlten und völlig neue Maßstäbe gesetzt haben. Deine Rekorde wurden in den letzten Tagen alle aufgezählt - da muss ich in dieser Kolumne nicht ran.

Aber Vieles von deinen Erzählungen in der Rücktrittspressekonferenz und aus unzähligen Hirscher-Interviews, die ich mir für diese Kolumne reingezogen habe, kann ich vermutlich ganz gut nachvollziehen. Ich denke ja, wir Musiker haben mit euch Sportlern ziemlich viel gemein. Fleiß, Ausdauer, Talent, gute Trainer, Glück und eine gewisse Härte zu sich selbst habe ich schon aufgezählt. Will man aber die Maßstäbe dessen nochmals verschieben, braucht es mehr. Viel mehr! Und das hast du, gemeinsam mit deinem Team, bewiesen.

Wir sind uns auch noch in einer anderen Sache ähnlich. Wir wurden beide von unseren Vätern trainiert. Und ich kann mir - aus eigener Erfahrung - vermutlich ganz gut vorstellen, wie das bei euch Hirschers zuhause und im Training abgelaufen ist. Dieser Prozess beginnt ja schon im Kindesalter.

Während die meisten erst nach der Teenagerzeit darüber nachdenken, was sie beruflich eventuell machen wollen, haben Sportler und Musiker schon zehn Jahre hartes Training hinter sich. Der Vater, motiviert durch das offensichtliche Talent, entwickelt eine ganz eigene Art des Trainings. Dabei wird keine Zeit mit falschen Trainern und Methoden vergeudet. Die so wichtige Grundausstattung, die Basis des Könnens, wird in diesen Jahren gelegt. Viel früher als bei anderen.

Man hat jemanden an der Seite, dem man zu hundert Prozent vertraut. Der es einem aber auch schwer machen kann. Er kennt alle Details, mit einem Blick erkennt er, ob gut und ausreichend trainiert wurde. Anderen Trainern, Kollegen und Beobachtern kann man etwas vormachen. Dem Vater nicht.

Und dann flogen vermutlich auch bei euch regelmäßig die Fetzen. Im Moment der Auseinandersetzung ein hartes Gefecht. Trotzdem ein unschätzbarer Vorteil. Da ist jemand, der einem gnadenlos die Meinung geigt. Ohne Hintergedanken - sondern aus Zuneigung. Als du letztens sagtest, du würdest nicht mehr den maximalen Trainingsaufwand aufbringen können und wollen, konnte ich das verdammt gut verstehen. 25 Jahre hartes Training hinterlassen Spuren. Für uns Fans sind ja nur die letzten 10 Jahre sichtbar. Dein Kampf auf dem Weg zur Sport-Legende war ja viel länger.

Ein großer Sportler definiert sich aber für mich nicht nur über den eigenen Erfolg. Immer wieder hast du aufblitzen lassen, dass der Mensch Marcel Hirscher mehr ist als der Mann mit dem schnellsten Schwung im Skizirkus. Als Geflüchtete deine Hilfe brauchten, hast du ein Zeichen gesetzt, das so viele motiviert hat. In deinen Interviews konnte man spüren, dass sich hier jemand selbst reflektiert, jemand über den berühmten Tellerrand hinausblickt und bei allem Fokus für den Skisport auch weiß, dass es Menschen gibt, mit denen es das Schicksal nicht immer gut gemeint hat und die unserer Hilfe bedürfen. Und das macht letztlich einen Superstar für mich aus.

Der Rücktritt auf dem Höhepunkt - kaum ein Sportler schafft diesen Schritt. Eine Sport-Legende geht zur Primetime. Völlig zu Recht.

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