18.08.2019 06:01 |

Filzmaier analysiert:

Die FPÖ und ihre Problemkinder Strache und Kickl

Am Montag ist FPÖ-Chef Norbert Hofer in den ORF-„Sommergesprächen“ zu Gast bei Tobias Pötzelsberger. Hauptthema wird ein unsichtbarer Dritter oder Vierter sein: Heinz-Christian Strache und Herbert Kickl. In der Serie zur Ausgangslage der Parteien für die Wahl von Peter Filzmaier geht es heute um die FPÖ.

Was halten Nachfolger Hofer und sein Vorgänger Strache voneinander? Letztgenannter hat in Ibiza Dinge gesagt, die seine moralische Bankrotterklärung waren. Norbert Hofer stellte klar, Straches Aussagen im Ibiza-Video seien unentschuldbar. Heinz-Christian Strache hat ja auch Medien in ordinärster Form beschimpft.

Die „Krone“ wollte Strache mit ausländischem Geld kapern, um Parteischreiberlinge statt Journalisten anzustellen. Ein sowohl auf die Russin geiler als auch machtgeiler Politiker wünschte sich, in einer unabhängigen Zeitung eigenhändig Leute rauszuwerfen. Einsicht zeigt Strache keine. Er schrieb vor Kurzem, dass er froh sei, „zack, zack, zack“ einen schönen Spruch geprägt zu haben. Das lehnt Hofer ab und bezeichnet es als zynisch.

Klimawandel entzweit Hofer und Strache
Hofer will mit seiner Partei gegen den Klimawandel kämpfen, an dem laut ihm der Mensch schuld ist. Strache behauptet das Gegenteil. Was Hofer als Privatmeinung bezeichnet, die der Parteilinie widerspricht. In einem Wahlkampf aber gibt es für jede Partei eine Grundregel: Man soll sich nie intern widersprechen. Chef und Ex-Chef schon gar nicht.

Hofer wäre vielleicht heilfroh, wenn Strache einfach mal still ist. Er wird sich jedoch weiterhin mit dessen Facebook-Seite auseinandersetzen müssen. Dort hat die FPÖ keine Kontrolle, was Strache von sich gibt. Soeben äußerte er sich zu einer polizeilichen Hausdurchsuchung bei ihm wegen unschuldsvermuteten FPÖ-Postenschachers.

Hofer will keinen Ibiza-Wahlkampf. Strache aber ignoriert Stillhalteabkommen, wurde am Freitag zum medialen Serientäter oder gibt gar Putins Propagandasender „Russia Today“ schräge Interviews.

Herbert Kickl wird zum Zankapfel
Kickl oder kein Kickl? Das ist die nächste Gretchenfrage der FPÖ. Der junge Altbundeskanzler Sebastian Kurz hat verkündet, dass er Ex-Innenminister Herbert Kickl nie mehr in einer Regierung haben will. Die FPÖ hat außer einer Koalition mit der Kurz’schen ÖVP null Regierungschancen. Obwohl zudem der Bundespräsident Kickl nicht nochmals als Minister angeloben würde, will Kickl das neuerlich werden.

Ein unauflösbarer Widerspruch? Nein. Nach der Wahl wird Kickl für die Freiheitlichen Klubobmann im Nationalrat. Diese Variante hat niemand ausgeschlossen. Da sitzt Kickl viel mehr an den Schalthebeln der Macht als in einem beliebigen Ministerium. Dass er vorher verlangt, wieder Innenminister zu sein, das soll einfach nur im Wahlkampf den Stammwählern der FPÖ gefallen.

Hofer und Kickl - die Zweimarkenstrategie der FPÖ
Norbert Hofer und Herbert Kickl verfolgen eine Zweimarkenstrategie. Hofer ist für die sanften Worte und Kickl für die starken Ansagen zuständig. Der eine tut für gemäßigte Wechselwähler auf kompromissbereit, der andere macht gegenüber hartgesottenen Fans auf knallhart. So lobte Hofer kürzlich den Bundespräsidenten in höchsten Tönen, und Kickl ließ kein gutes Haar an ihm. Dumm gelaufen, wenn die Sache auffällt.

Eine Gemeinsamkeit dürfte Hofer und Kickl verbinden: Sie sind viel zu intelligent, um nicht zu erkennen, was sie ohne den schrecklichen Auftritt des Ibizaheinis Strache wären. Sie könnten bis zum planmäßigen Wahltag im Herbst 2022 Minister sein und müssten sich um eine fortgesetzte Amtsführung bis 2027 wenig Sorgen machen. Daher werden sie miteinander heimlich Strache verfluchen und alles unternehmen, um die FPÖ um jeden Preis ein weiteres Mal in die Regierung zu bringen.

Niemand außer der ÖVP will mit den Blauen
Wird das gelingen? Vielleicht bis wahrscheinlich. Doch der Preis wird sauteuer. Niemand außer der ÖVP kann sich auf Bundesebene eine Zusammenarbeit mit der FPÖ vorstellen. Da machen sich Hofer, Kickl & Co. keine Illusionen. Umgekehrt hat Kurz mehrere Koalitionsvarianten zur Hand.

Er kann sich somit jenen Partner aussuchen, der es am billigsten gibt. Die FPÖ. Statt auf die harten Oppositionsbänke zurückzukehren, wollen die Freiheitlichen so sehr mitregieren, dass es ihnen wehtut. Sie können daher nur Wahlversprechen machen, die auch Kurz will. Oder gar keine. Oder Versprechungen, die man nachher bricht.

Totalabsturz trotz Ibiza unwahrscheinlich
Wie wird die Wahl für die Freiheitlichen ausgehen? Trotz Ibiza ist ein Totalabsturz unwahrscheinlich. Regelmäßige Wähler der FPÖ sind mehr Männer als Frauen, mit oft niedrigem Einkommen und Pessimismus, was die Zukunft betrifft. Viele von ihnen fühlen sich benachteiligt. Von der Politik, den Medien, den Gutverdienern und dem Rest der Welt. Andere Parteien lehnt man oft radikal ab.

Da wechseln trotz Ibiza nicht viele so schnell die Seite, sondern rufen stattdessen: „Jetzt erst recht!“ Im Vergleich zu den 26 Prozent der Stimmen für die FPÖ wird es wohl ein Minus geben. Das ist egal, weil sich auch mit rund 20 Prozent eine Mehrheit mit der ÖVP locker ausgeht. Wenn Sebastian Kurz das will.

Peter Filzmaier, Kronen Zeitung

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