14.07.2019 08:34 |

Glaube im Jedermann

Falk Rockstroh war schon immer ein Spätzünder

Ursprünglich wollte der aus dem sächsischen Erzgebirge stammende Mime Lehrer werden. Im Interview verrät er, was ihn umstimmte, wie es ihn von der DDR ans deutsche Theater Berlin und die Burg führte, und wie er die allegorische Figur am Domplatz anlegt. Seine Freizeit verbringt er mit seiner Frau im Camper am See. 

Herr Rockstroh, Sie geben im „Jedermann“ als Glaube Ihr Festspieldebüt. Kaum zu glauben bei Ihrer bisherigen Laufbahn, die Sie vom deutschen Theater, über die Berliner Schaubühne bis hin zum Burgtheater führte.

Ich war immer schon ein Spätzünder. Ich landete, nachdem ich mein halbes Berufsleben in der Provinz verbrachte, erst mit Ende 30 am deutschen Theater. Mit 50 kam ich an die Burg – andere sind dort bereits mit Mitte 20 –, und jetzt mit über 60, bin ich nun in Salzburg .

Apropos Spätberufener: Bevor Sie sich für die Schauspielerei entschieden, studierten Sie zunächst fürs Lehramt Deutsch und Kunsterziehung.

Ich merkte aber schon während des Studiums damit wird’s nichts. Ich unterrichtete damals in der DDR, da ging es in der Klasse zu, wie in dem Film „Feuerzangenbowle“. Überall knallte es, Zettel flogen quer durchs Klassenzimmer, und von Respekt war gar nicht zu sprechen. An dieser Schule gab es allerdings ein kleines Kabarett, in dem ich als Klavierspieler auftrat, das erste Mal Bühnenluft schnupperte und für den Künstlerberuf Feuer fing.

In Michael Sturmingers Inszenierung sind neben Ihnen sieben weitere neue Darsteller ins Spiel gekommen. Wie ist die Stimmung?

Sehr gut, zudem mir viele Kollegen wie Tobias Moretti, Gregor Bloéb, Tino Hillebrand oder Michael Masula von anderen Produktionen bekannt sind. Auch mit Peter Lohmeyer hab ich schon gearbeitet. Das ist schon eine Weile her, da war ich noch blond (lacht) – der Film hieß „Am Tag als Bobby Ewing starb“. Und mit Valery Tscheplanowa gestaltete ich das Hörspiel „Die Friseuse“

Der Glaube bildet den Dreh-und Angelpunkt im „Spiel vom Sterben des reichen Mannes“. Er erscheint dem Jedermann, wie ein guter Freund, der ihn in seiner letzten Stunde begleitet. Welche Überlegungen haben Sie zu dieser allegorischen Figur?

Als ich das Drehbuch las, musste ich an die „Franz Schubert“-Verfilmung mit Udo Samel denken. Ich erinnere mich noch genau, wie der Pfarrer Schubert am Sterbebett das Kreuz auf den Mund drückt, dieser sich aber partout dagegen wehrt – er wollte in den letzten Minuten seines Lebens nicht das Kreuz, den Glauben küssen Meine Überlegungen waren, wie oder wer kann einen Jedermann, der in uns allen steckt, leise bzw. demütig machen. Vielleicht schafft es nur ein Kind, dass noch unschuldig und nicht „verformt“ ist, ihn zu entwaffnen.

Wie hat Sturminger die Figur angelegt?

Er ist eine Art Glaubenswächter, der es dem Jedermann nicht leicht macht. Er muss für seine Absolution schon was investieren und ehrlich Reue bekennen. Wenn man auf so ein Leben, wie der Jedermann zurückblickt, ist es mit ein paar Gebeten nicht getan – da gehört mehr dazu.

Der Glaube bringt auch das Publikum dazu innezuhalten und Bilanz zu ziehen. Hofmannsthals Stück hat demnach nach fast 100 Jahren nichts an Bedeutung verloren.

Ich hab das Stück zuvor noch nie live gesehen. Aber, als ich jetzt bei den Probe am Domplatz meinen Kollegen zusah, ging mir das Herz auf. Es ist Theater, das mit einer unglaublichen Magie, Schönheit und Feierlichkeit irrsinnig berührt. Einfach großartig!

Wie geht’s Ihnen mit dem mächtigen Domplatz?

Die Akustik ist eine Herausforderung, aber machbar. Der Platz ist etwas geschützt und nicht offen wie eine Fußballarena.

Zu Ihren Rollen zählen u.a. der Präparator in Horváths „Glaube Liebe Hoffnung“, oder der Baron von Trotta in Joseph Roths „Radetzkymarsch“. Figuren mit besonderer Authentizität. Auf was legen sie Wert?

Ich hab immer schon lieber den Diener als den Prinzen gespielt. Ich bin nicht der Typ, der einen Pflock in die Bühne rammt, und sagt: Hier bin ich! Vielmehr geht es mir um das Zusammenspiel der einzelnen Figuren und auch Schwächen zu zeigen. Was daraus entsteht, weiß man nie – das ist das Schöne an diesem Beruf.

Eitelkeit ist also kein Thema. Als Jedermann-Truppe steht man allerdings unweigerlich im Mittelpunkt.

Ich brauch das nicht. Leute, die rum laufen, als würden sie zum Weltkulturerbe gehören, gehen mir auf den Zünder.

Sie haben Ihr Handwerk an der renommierten Theaterschule „Hans Otto“ in Leipzig gelernt. Wie sehen Sie die heutigen Ausbildungsmöglichkeiten?

Es gibt großartige Schulen wie z.B. die Falckenberg Schule in München, oder das Mozarteum in Salzburg. Ich hab da im übrigen vor fünf Jahren unterrichtet. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit, damals hab ich am Mönchsberg in einer Jugendherberge gewohnt.

Das Handwerk von Grund auf zu lernen ist das Wichtigste, sonst kann man den Beruf nicht ausüben und sich auch nicht schützen vor Kränkungen und Kritiken.

Simon Stone – Sie spielten in seiner Tragödien-Version von „Medea“ an der Burg – inszeniert in Salzburg „Médée“.

Ich möchte seine Aufführung unbedingt sehen. Er ist ein unglaublicher Regisseur, mit 35 noch blutjung und schon in der Champions League. Außerdem stehen Thomas Ostermeiers „Jugend ohne Gott“ und die „Sommergäste“ auf der Pernerinsel auf meinem Plan.

Wie werden Sie ihre Freizeit in Salzburg verbringen.

Meine Frau kommt mit dem Camper, und wir werden uns irgendwo an einem See ein gemütliches Plätzchen zum Entspannen suchen.

Tina Laske
Tina Laske
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