Di, 16. Juli 2019
09.07.2019 13:01

22 Tonnen Präparate

Wien als Drehscheibe der Doping-Mafia enttarnt

234 Personen verhaftet, 3,8 Millionen Dopingpräparate beschlagnahmt und 17 organisierten kriminellen Gruppen das Handwerk gelegt - die Anti-Doping-Razzia unter dem Namen „Operation Viribus“ war ein voller Erfolg für die Ermittler. Und Wien war dabei offenbar eine bedeutende Drehscheibe für das Doping-Netzwerk. Unter Einbindung des Bundeskriminalamtes (BK) konnte bei den länderübergreifenden Ermittlungen nachgewiesen werden, dass 22 Tonnen an Doping-Präparaten und illegalen Arzneimitteln nach Wien geschickt und von dort großteils quer durch Europa verteilt wurden.

Im Zuge der von Europol geleiteten Ermittlungen wurden zunächst im Juli 2018 am Flughafen Wien-Schwechat mehrere Pakete mit verbotenen Doping-Substanzen abgefangen, gab BK-Sprecher Vincenz Kriegs-Au am Dienstag bekannt. Statt der ausgewiesenen elektrischen Leitungs- und Lichtschalter enthielten die Pakete insgesamt 423 Kilogramm Tabletten und Ampullen mit einem Schwarzmarktwert von rund 480.000 Euro.

22 Lieferungen nachgewiesen
Im Zuge weiterer Erhebungen, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft Korneuburg vom Referat Wettbetrug, Doping und Arzneikriminalität des BK durchgeführt wurden und die in die „Operation Viribus“ eingebunden waren, konnten weitere 22 derartige Lieferungen nachgewiesen werden, die sich über einen Zeitraum von einem Jahr erstreckten. Die illegalen Präparate waren in Indien produziert worden und wurden falsch deklariert von Singapur nach Österreich geliefert. Ein - laut BK nicht eingeweihter - Wiener Paketservice-Dienstleister stellte die Ware dann zu, wobei die Empfänger in zumindest neun verschiedenen EU-Staaten residierten. Der Gesamtwert der verschickten 22 Tonnen machte 23 Millionen Euro aus.

600 Kilogramm Dopingpräparate
Neben der Sicherstellung im vergangenen Sommer gelang es den heimischen Ermittlern, im Herbst eine weitere Lieferung abzufangen. Bei dieser Amtshandlung wurden laut Kriegs-Au in der Bundeshauptstadt rund 600 Kilogramm Dopingpräparate aus dem Verkehr gezogen. Diese Präparate waren ebenfalls für die Versendung in mehrere EU Staaten bestimmt. Ein britischer Staatsbürger konnte als Drahtzieher dieser Lieferungen ausgeforscht und in Slowenien festgenommen werden. Insgesamt wurden damit in Österreich mehr als eine Tonne an verbotenen Präparaten beschlagnahmt.

Größter Schlag der Geschichte
Im Rahmen der „Operation Viribus“ - laut Europol der bisher größte internationale Schlag gegen die Doping-Szene - wurden bisher 234 Personen festgenommen und 3,8 Millionen Doping-Präparate sowie gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr gezogen. Die Operation umfasste 23 EU-Staaten sowie zehn andere Länder. Der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zufolge konnte man 17 organisierten kriminellen Gruppen das Handwerk legen. „Die Ermittlungen zu den Auftraggebern und Großabnehmern sind noch nicht abgeschlossen. Die Polizei geht von weiteren Festnahmen aus“, meinte BK-Sprecher Kriegs-Au.

1000 Person angezeigt
Im Rahmen der Razzia seien bei Sportveranstaltungen 1357 Urin- und Bluttests vorgenommen worden. Um welche Events es sich dabei handelte und welche Sportler getestet wurden, blieb jedoch offen. Fast 1000 Personen wurden den Angaben zufolge wegen der Produktion, Veräußerung oder Verwendung leistungssteigernder Substanzen angezeigt, 839 Strafverfahren wurden in ganz Europa eingeleitet, schreibt die „Welt“.

Die Razzia war vor allem dazu gedacht gewesen, ein System offenzulegen, in dem sich Hobbyathleten mit Prepaid-Kreditkarten und Kryptowährungen illegale Substanzen in kleinen Mengen kauften. Vieles davon wurde in Fitnessstudios und ungeregelten Online-Apotheken durchgereicht. Dealer nutzten soziale Medien, um ihre Produkte zu bewerben.

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