05.07.2019 15:18 |

„Fassungslos, wütend“

Schwere Vorwürfe gegen heimischen Tierschutzverein

Ehemalige Mitarbeiter des Österreichischen Tierschutzvereins (ÖTV) und die Gewerkschaft GPA-djp haben am Freitag in Salzburg schwere Vorwürfe gegen die Vereinsführung erhoben. Die Rede war von„ untragbaren Arbeitsbedingungen“ zulasten von Beschäftigten und Tieren der Assisi-Höfe in Frankenburg (Oberösterreich) und St. Georgen an der Leys (Niederösterreich), die der Verein betreibt. Der ÖTV ortete hingegen eine „Rachekampagne“.

Überstunden seien nicht abgegolten worden und Urlaube hätten wegen Personalmangels nicht konsumiert werden können, hieß es bei der Pressekonferenz. Auch sei nicht immer genügend Futter für die Tiere geliefert worden. ÖTV-Geschäftsführer Erich Goschler bestritt die Vorwürfe. Er sagte, es handle sich um eine „böswillige Falschaussage“ mit dem Ziel, dem Österreichischen Tierschutzverein zu schaden.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Assisi-Hofes in St. Georgen, Manuel S., der im April 2019 seinen Dienstvertrag beendet hatte, schilderte, dass auf dem Gnadenhof eine Sieben-Tage-Arbeitswoche die Regel gewesen sei. Seit Mai 2017 sei ein mehrtägiger Urlaub nicht mehr möglich gewesen, weil sich der ÖTV nicht um eine Vertretung gekümmert hätte. Er habe aber die Tiere, die gefüttert werden mussten, nicht im Stich lassen können. Goschler entgegnete im APA-Gespräch, dass der Mann im vergangenen Winter auf Skiurlaub gewesen sei.

Eine Mitarbeiterin für 100 Tiere
Seit einem halben Jahr habe es immer wieder Probleme mit zeitgerechter und ausreichender Lieferung von Futter gegeben, warf S. dem Verein weiters vor. Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, habe man die finanziellen, physischen und psychischen Ressourcen der gesamten Familie freigesetzt. „Das war auf die Dauer für mich nicht mehr tragbar.“ Laut Gewerkschaft betreut dort derzeit eine Mitarbeiterin alleine über 100 Tiere.

Ins selbe Horn stießen die Schilderungen von Oliver H., der berichtete, dass er seit 2014 allein für die Betreuung der Tiere am Assisi-Hof in Frankenburg zuständig gewesen sei. H. kündigte ebenfalls im April 2019. Die Arbeit mit den Tieren sei für ihn zwar extrem bereichernd gewesen. Als es jedoch im Jahr 2018 zu Hausdurchsuchungen in den ÖTV-Büros in Salzburg und Wien gekommen war (in einer Anzeige wurde der Verdacht der Veruntreuung von Spendengeldern erhoben, ein Ermittlungsverfahren ist bei der Staatsanwaltschaft Salzburg anhängig, Anm.) „hat das uns zu denken gegeben, ob das Ganze seriös ist“. Als seine Frau schwanger geworden sei, habe er sich auch nicht mehr in der Lage gesehen, rund um die Uhr für den Verein erreichbar zu sein.

Zahlreiche Überstunden
Der ÖTV habe seinen Vorschlag aber abgelehnt, eine weitere Person zur Betreuung der Tiere zu beschäftigen, sagte H. Seine Überstunden hätten sich angehäuft, im Jahr 2018 seien nachweislich 270 Stunden zusammengekommen, die bisher nicht abgegolten worden seien. Jetzt werde er wahrscheinlich eine Klage beim Arbeits- und Sozialgericht einbringen. Er fordert 6000 Euro. „Man wollte mich mit 2000 Euro abspeisen. Das wollte ich nicht“, so der Ex-Mitarbeiter. Dass es im Land Salzburg keine Tierrettung mehr gebe, bezeichnete er als „mittelschwere Katastrophe“.

GPA „fassungslos und wütend“
„Es ist fragwürdig, wie ein spendenorientierter Verein mit seinen Mitarbeitern umgeht“, sagte Gerald Forcher, Geschäftsführer der GPA-djp Salzburg. Falls notwendig, werde man gerichtliche Interventionen einleiten. GPA-Vorsitzende Barbara Teiber zeigte sich „fassungslos und wütend“ über die „untragbaren“ Zustände „auf Kosten der Tiere und Mitarbeiter“. Die Gewerkschaft sicherte den Betroffenen ihre Unterstützung zu.

Rachekampagne ehemaliger Mitarbeiter?
ÖTV-Geschäftsführer Goschler sagte, die Vorwürfe seien eine Rachekampagne ehemaliger Mitarbeiter. „Es ist zu jeder Zeit mehr als genug Futter verfügbar.“ Die Tiere seien bestens versorgt, das habe ein Amtstierarzt schriftlich bestätigt. Seit 2018 sei er Geschäftsführer, und seither hätten die Mitarbeiter ihren Urlaub in Anspruch genommen. Was die Arbeitszeit betrifft, so gebe es auf den Gnadenhöfen eine freie Zeiteinteilung. Die Aufzeichnung darüber erfolge auf Vertrauensbasis. „Wir können das nicht kontrollieren“, sagte Goschler. „Die neuen Mitarbeiter kommen mit 40 Stunden in der Woche aus. Es funktioniert jetzt.“

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