„Krone“-Interview

Özil-Manager: „Für die Klubs sind wir die Bösen“

Vor zwei Jahren kam Erkut Sögüt auch in Österreich in die Schlagzeilen. Denn der promovierte Sportjurist, der viersprachig ist, in London lebt und in der FIFA-Kommission sitzt, ist auch der Berater von Mesut Özil. Und war somit in den unschönen Abgang, inklusive Rassismusvorwürfen gegen den DFB, des Arsenal-Superstars vom deutschen Nationalteam involviert. In der „Krone“ spricht der Harvard-Dozent über den Geld-Wahnsinn, den schlechten Ruf der Berater-Branche und wie er dagegen vorgehen will …

Herr Sögüt, Sie unterrichten in Harvard, wie man Spielerberater wird, haben auch gerade ihr zweites Buch „How to become a football agent herausgegeben“. Was braucht es dafür?Spielerberater zu werden, geht einfach. Man geht auf die Homepage, zahlt eine Gebühr, macht ein paar Klicks, darf strafrechtlich nicht aufscheinen - und schon ist man Spielerberater. Aber aktiv zu arbeiten, den Service zu geben, muss gelernt werden. Keine Institution auf der Welt ist da, um da einen Guide zu geben. Und viele Berater wollen nicht ausbilden, wer will schon den Kuchen aufteilen? Aber ich sehe das anders. Eine gute Ausbildung ist gut für die Spieler und für den Sport. Die Gefahr ist, dass sich viele als Berater registrieren und dann den Spielern schaden.

Das passiert ja oft?
Eben. Daher habe ich das Wissen vieler Berater in meinem Buch, etwa vom Bruder von Pep Guardiola. Oder von Kevin Trapp, Lukas Podolski. Medienarbeit, Inhalte von Verträgen, wie sieht ein Mandat aus - das muss man alles wissen. Ich will zeigen, woraus es ankommt.

Um den negativen Ruf der Berater aufzupolieren?
Es gibt gute und schlechte Berater, gierige und nicht gierige. Aber das Problem liegt bei den Vereinen, sie schalten Berater vereinsseitig ein. Weil sie mehrere Berater mit einem Mandat belegen. Sie wollen diese Berater bezahlen, so kommt das Geld wieder zurück. Das ist ein offenes Geheimnis.

Aber desto mehr Berater involviert sind, umso teurer wird es?
In der Regel beträgt die Berater-Provision in Europa zehn Prozent vom Jahres-Brutto-Gehalt des Spielers. Dazu gibt es ein „signing-fee“, weitere Prämien. Aber die Vereine und der Berater können sich das ausmachen, es gibt auch Berater, die 20 Prozent nehmen. Aber die Klubs zahlen auch Berater, die ihnen Spieler bringen. Da heißt es dann: Bring mir den Spieler und du bekommst 200.000 Euro. Die Öffentlichkeit glaubt, das Geld geht an den Berater des Spielers. Das stimmt nicht, es geht meist an die Berater der Vereine. Das sind Berater, die gar keine Spieler vertreten, die sind einfach nur da, damit Geld rein- und wieder rausgeht.

Kommen so die 41 Millionen Euro zustande, die Dortmund in der Saison 2017/18 an Beratungs-Honorare gezahlt hat?
Das weiß ich nicht, dazu kann ich mich nicht äußern. Man schiebt es immer gerne auf die bösen Berater. Für die Klubs sind wir die Bösen. Aber die Vereine müssen nicht so viel bezahlen, sie wollen so viel bezahlen.

Wenn ich einen Sportdirektor und eine Scoutingabteilung habe, brauch ich doch als Klub keinen eigene Berater.
Ich mache mir meine eigenen Möglichkeiten kaputt, wenn ich das sage. Aber ich sitze auch in der FIFA, da diskutieren wir oft, warum wir die Türen für vereinsseitige Berater so öffnen. Aber die Klubs wollen sie auch, um Spieler los zu werden, sagen: Verkauf mir um zwei Millionen den Spieler, dann bekommst du zehn Prozent. Hauptsache der Spieler ist weg. Dabei helfen sie, weil der Klub das nicht kann.

Wie groß ist Ihr Arbeitsaufwand außerhalb der Transferperiode?
Es sind 365 Tage im Jahr. Die Verhandlungen werden davor geführt, man fängt nicht erst im Juni an, da wird nur unterschrieben. Außerdem wollen viele Spieler eine Rundumbetreuung, die wollen nichts selber machen. Von Marketing bis hin zum Urlaub buchen. Ich sage immer, Spieler zu beraten ist wie eine Gehirnoperation, jeder Operation ist anders. Man kann das nicht pauschalisieren.

Wie läuft so ein Deadline-Day ab? Oft hat man den Eindruck, viele Vereine kaufen in der Not in letzter Sekunde, sind dann nicht gut vorbereitet. Da kommt dann ein Fax zu spät...
Die Top-Vereine sind Anfang Juni mit ihren Transfers fertig, lassen sich vielleicht noch eine Position offen. Aber natürlich muss man oft zuerst Spieler loswerden.

Aber Vereine aus kleineren Ligen, etwa aus Österreich, sind chancenlos, wenn erst im August die besten Spieler aus dem Ausland geködert werden. Darauf kann man nicht vorbereitet sein.
So ist das Geschäft. Das ist natürlich nicht einfach.

Was sagen sie zu Spielern, die einen Vereinswechsel trotz Vertrags erpressen. Wie einst Dembele in Dortmund oder Coutinho bei Liverpool
Da kenn ich nicht die Details. Aber kein Verein ist erpressbar.

Aber die Macht der Spieler hat zugenommen. Ich lasse keinen 80-Millionen-Mann auf der Tribüne sitzen.
Die Spieler steht mehr im Fokus als früher. Wegen Ronaldo werden jetzt in Asien Juventus-Trikots verkauft. Die Spieler haben ihre eigenen Medien, die sozialen Netzwerke. Das gab es früher nicht. Jetzt sind sie Marken, haben eine größere Reichweite als die Vereine. Das ist natürlich schon eine Macht.

Wann sagen Sie Hände weg, das ist nicht seriös?
Ich teile niemals mit jemandem im Verein Geld. Mit Trainer und Sportdirektoren sich etwas auszumachen, dann im Nachhinein Geld zurückzuzahlen, ist ein No-Go. Dann ist man ein Leben lang eine Geisel dieser Person. Ich bin schon von einigen Tischen aufgestanden, wo mir durch die Blume eine höhere Provision versprochen wurde. Da sage ich, Leute, viel Spaß, nicht mit mir. Da gibt es genug Berater, die sich ausnutzen lassen.

Worauf achten Sie bei einem Transfers?
Nicht nur der Verein muss den Spielern wollen, sondern der Trainer. Der Trainer muss dahinterstehen.

Auf was für Klauseln achten Sie im Vertrag?
Da gibt es viele. Etwa, wenn sich die Steuer in einem Land erhöht, wird auch das Gehalt angepasst. Jeder Vertrag ist individuell.

Gutes Stichwort: Viele Spieler, Ronaldo, Messi etc. wurden der Steuerhinterziehung überführt. Haben da die Berater versagt?
Ich würde nie einen Vertrag ohne nationale Anwälte und Steuerberater verhandeln. Auch wenn es mich 50.000 kostet. Das machen viele nicht, sie wollen sparen. Aber in diesen Fällen ging es meines Wissens um Persönlichkeitsrechte. Es war halt eine Grauzone. Irgendwann hat sich die Finanz in Spanien gedacht, die Gelder müssen auch noch versteuert werden. Es war eine Praxis, die Jahrzehnte lang üblich war, das war nichts neues.

Wann lehnen Sie einen Spieler ab?
Wenn sich Menschen nur bereichern wollen, wir nur Mittel zum Zwecke wären. Das gibt es immer wieder. Viele Strukturen gibt es halt seit Jahrzehnten. Das gilt aber nicht nur für den Fußball, dass Leute ihre Positionen nutzen, um sich zu bereichern. Das gibt’s in vielen Vorständen, nicht nur im Fußball. Viele Sportdirektoren arbeiten halt gerne mit befreundeten Beratern.

Sie haben zahlreichen Stars unter Vertrag, ihr Aushängeschild ist aber Mesut Özil. Er hat unter anderem viele karitative Projekte, aber sein Ruf in Deutschland ist größtenteils dahin - war er bei seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Erdogan schlecht beraten?
Vorab, es war nicht meine Entscheidung, er kennt Erdogan länger als mich. Ich kenne Mesut seit 2013. Zu der Zeit war es für Deutschland kein Problem, dass er den Präsidenten einmal im Jahr gesehen hat. Es war ein Zeichen des Respekts. Das gehört zur Kultur, zur Tradition. Das wäre mit dem deutschen Präsidenten nicht anders. Das war alles nie ein Problem. Aber dann haben sich anscheinend die politischen Verhältnisse zwischen den Ländern geändert. Und die Ansichten. Aber für Mesut war das kein Thema. Er hat auch die Queen und die Theresa May getroffen. Das war kein Politikum oder eine Wahlunterstützung, das wurde dann in diese Richtung gelenkt.

Dennoch hat Özil die Causa mit seinem Statement und den Rassismusvorwürfen dann noch weiter hochgeschaukelt. Bereuen Sie es, dass man nicht einfach hat Gras drüber wachsen lassen?
Hätte er alles gesagt, was passiert ist, dann hätten wir eine ganz andere Situation gehabt. Es war eine gutartige Schreibweise. Seine Familie wurde bedroht, terrorisiert. Ein Bürgermeister hat ihn Ziegenficker geschimpft. Der Theaterchef in München sagt, verpiss dich nach Anatolien. Die Attacken kamen aus der Mitte der Gesellschaft. Plötzlich haben Leute ihren Rassismus offen ausgelebt. Jedem ist es überlassen, ob er sein Treffen mit dem türkischen Präsidenten für richtig oder falsch hält. Aber dass er dann bei diesen Attacken nicht in Schutz genommen wurde, von keinem beim DFB, keiner hat etwas getan. Schade, dass Özil so seine Teamkarriere beenden musste. Er hat viel für das Land geleistet, er wurde mit dem Bambi für Integration ausgezeichnet, war Botschafter - auf einmal ist alles weg.

Aber Özil ist noch da. Sie haben für ihn bei Arsenal den besten Vertrag der Premier League ausverhandelt, er verdient 400.000 Euro pro Woche.
(lacht) Das ist meine Arbeit.

Aber ist die Verhältnismäßigkeit im Fußball noch gegeben?
Viele Sportler sind Werbefiguren geworden. Es ist nicht das Problem der Spieler, sondern der Vereine. Aber sie machen riesige Einnahmen, stimmt da noch die Verhältnismäßgikeit? Früher waren es 100 Millionen TV-Einnahmen, jetzt sind es sieben Milliarden. Hätten die Vereine nicht diese Einnahmen, gäbe es nicht diese Löhne. Aber das kann man nicht den Spielern anlasten, das ist alles für die nächsten Jahre berechnet.

Aber viele Fans wenden sich ab.
Das sehe ich nicht so. Nur ist es alles globaler geworden. Arsenal oder Manchester City haben auf der Welt mehr Fans als in England, die viel Geld für ihre Klubs ausgeben. Sind das keine Fans? Es wächst alles immer weiter.

Sie glauben also nicht, dass die Blase platzt?
Fußball wächst, andere Länder stoßen hinzu. China investiert, dazu Indien. Malaysia und Indonesien werden kommen. Die internationalen TV-Einnahmen wachsen jedes Jahr, auch das Merchandising. Das Geschäft überwiegt einfach mittlerweile.

Wie interressant ist der österreichische Markt? Sie haben gerade Florian Flecker von Hartberg zu Union Berlin transferiert.
Der Markt ist für Spieler interessant, gerade für junge Talente. Das sieht man bei Salzburg. Aber auch bei Rapid. Wien ist eine der lebenswertesten Städte der Welt. Aber der Verband ist gefordert, das ist eine Frage der Vermarktung, damit das Ansehen steigt. Das kann kein einzelner Verein. Aber für junge Spieler ist Österreich interessant.

Rainer Bortenschlager, Kronen Zeitung

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