29.05.2019 11:33 |

Weidmann skeptisch

Bundesbank warnt vor digitalem Zentralbank-Geld

Der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, steht Überlegungen zur Einführung von digitalem Zentralbank-Geld eher skeptisch gegenüber. Die Bedenken sollten nicht leichtfertig weggewischt werden, sagte Weidmann in Frankfurt. „Digitales Zentralbankgeld für einen breiten Nutzerkreis hätte - je nach Ausgestaltung - möglicherweise gravierende Auswirkungen.“

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Ein solches Cybergeld für jedermann könne die Geschäftsmodelle von Banken grundlegend verändern. Die Nachfrage danach sei dann womöglich größer und schwankungsreicher als jene nach Bargeld. Aus Weidmanns Sicht wäre die Finanzstabilität mit der Einführung von digitalem Zentralbank-Geld im Krisenfall womöglich stärker gefährdet. Denn dann gebe es eine zusätzliche, sehr sichere Alternative für Anleger, die dann womöglich viel schneller und massiver eine „Flucht in Sicherheit“ und einen Ansturm auf Banken auslösen könnten als in der Vergangenheit.

Auch andere Experten warnen vor Gefahren
Mit seinen Warnungen steht Weidmann nicht alleine da. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hatte 2018 in einer Studie auf solche Gefahren hingewiesen und Notenbanken zur Vorsicht geraten. Haushalte könnten dann etwa im Krisenfall in großem Stil versuchen, Ersparnisse von ihren Konten abzuziehen und als Digital-Geld in Sicherheit zu bringen.

In Europa sind Überlegungen zur Einführung einer eigenen Cyberwährung in Schweden weit fortgeschritten. Dort prüft die Riksbank schon seit einiger Zeit mit der sogenannten e-Krona eine Alternative zum Bargeld. In Schweden ist das bargeldlose Zahlen generell schon deutlich weiterverbreitet als in anderen europäischen Ländern. Einer Erhebung zufolge bezahlten dort 2018 nur noch 13 Prozent aller Befragten ihre Einkäufe bar verglichen mit 39 Prozent im Jahr 2010.

Bundesbank fordert mehr Zusammenarbeit
Die Bundesbank dringt auch auf mehr europäische Zusammenarbeit bei modernen Systemen zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Bei Instrumenten wie Echtzeitzahlungen („Instant Payments“) müsse es „auch darum gehen, einer Fragmentierung des Zahlungsverkehrs in Europa entgegenzuwirken“, so Weidmann zur Eröffnung einer Tagung zum Thema Zahlungsverkehr. Die Euro-Notenbanken hatten im November einen Service eingerichtet, mit dem sich europaweit besonders schnelle elektronische Zahlungen abwickeln lassen („Target Instant Payment Settlement“/TIPS). Dabei wird Geld auch über Landesgrenzen hinweg in maximal zehn Sekunden beim Empfänger gutgeschrieben.

„Bisher nutzen Banken Instant Payments eher verhalten. Das entspricht zwar der Erfahrung, dass solche Systeme Zeit brauchen, um sich durchzusetzen. Wünschenswert wäre jedoch, schneller die kritische Masse bei Instant Payments zu erreichen“, sagte Weidmann. „Auf mittlere Sicht dürften Systeme für Echtzeitzahlungen innerhalb Europas zum Standard werden. Potenzial sehe ich auch, wenn über Europa hinaus Brücken zu anderen internationalen Systemen geschlagen werden. Denn gerade diese Zahlungen sind noch vergleichsweise langsam und teuer.“

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