Die Anklageschrift nach dem 50-Millionen-Euro-Finanzdebakel des früheren Meisterklubs FC Tirol ist fertig. Sie umfasst nicht weniger als 48 Seiten. Die Staatsanwaltschaft hat auch Schuldige für die Riesenpleite gefunden: Die Ex-Präsidenten Martin Kerscher und Othmar Bruckmüller sollen vorsätzlich Gläubiger geschädigt haben. Ex-Manager Robert Hochstaffl wird darüber hinaus noch Untreue zur Last gelegt!
Im Juni 2002 brach die finanzielle Katastropheüber den sportlich erfolgreichen FC Tirol herein. Der Vereinging zum Entsetzten der Verantwortlichen und Fans pleite, dieSchadenssumme wurde in Folge mit rund 50 Millionen Euro beziffert.Danach kam eine Reihe von Zivilprozessen, die Staatsanwaltschaftbegann mit ihren strafrechtlichen Vorerhebungen.
Vorstand muss auf die Anklagebank Das Ergebnis dieser Untersuchung, sprich die Anklageschrift,hat Oberstaatsanwalt Eckhart Rainer nun in Innsbruck der Öffentlichkeitvorgestellt. Demnach müssen drei Mitglieder des ehemaligenVorstandes des FC Tirol auf die Anklagebank: Die Ex-PräsidentenMartin Kerscher (von 1997 bis Oktober 2001) und sein NachfolgerOthmar Bruckmüller, der 75 Millionen Schilling Privatgeldin den Klub investiert haben soll, sowie der Geschäftsführerund Manager des Klubs, Robert Hochstaffl.
Gewagte Geschäfte Kerscher und Bruckmüller wird "grob fahrlässigeBeeinträchtigung von Gläubigerinteressen" vorgeworfen.Sie sollen trotz bereits vorliegender Zahlungsunfähigkeitdurch übermäßigen Aufwand und gewagte Geschäfteden Verein in den finanziellen Ruin getrieben haben. Fürdiese Anschuldigungen droht eine Strafe von bis zu zwei JahrenHaft.
Hochstaffl droht Haftstrafe Gegen Robert Hochstaffl wird derselbe Vorwurf erhoben,aber bei ihm kommen noch weitere Delikte dazu: Untreue, Betrugund Urkundenfälschung. Am schwersten wiegt dabei die Untreue,die mit bis zu zehn Jahren Haft bedroht ist. Laut Staatsanwalthabe Hochstaffl eine ihm durch den Klub eingeräumte Befugniswissentlich missbraucht. Es geht dabei um Zahlungen an die Spieler,die der Manager nicht korrekt weitergeleitet habe. Dabei sollein Schaden von knapp 2,4 Millionen Euro entstanden sein.
Einspruch erhoben Ein ganze Reihe weiterer Vorwürfe, die Gegenstandder Ermittlungen waren, wurde entweder eingestellt oder bleibtzumindest vorläufig noch ohne weitere Folgen. BruckmüllersAnwalt Klaus Dorninger kündigte sofort einen Einspruch gegendie Anklageschrift an.
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