Mi, 21. November 2018

Drogeriemarkt vor Aus

12.09.2018 10:38

Knebelverträge: Wie Innenstädte ausgeblutet werden

„Es macht mich wütend und traurig. Ich kann gar nicht sagen, wie weh uns diese Entwicklung tut.“ Diese deutlichen Worte fand der Wiener Neustädter Bürgermeister Klaus Schneeberger am Mittwoch, nur kurz nach einer Hiobsbotschaft. Aufgrund eines „Knebelvertrages“ ist das Aus der Filiale der Drogeriekette Müller in der Innenstadt nun beschlossene Sache - alle Bemühungen der Stadtpolitik, die Schließung zu verhindern, sind gescheitert. Die Wiener Neustädter Innenstadt droht damit langsam „auszubluten“, so die große Befürchtung.

Bis zuletzt gab es die Hoffnung, das Aus der Filiale in der Innenstadt noch abwenden zu können. So gab es seitens der Drogeriekette bereits die Zusage, auf Basis „einer ausverhandelten Mietpreisreduktion und einer in Aussicht gestellten Ausfallhaftung“ die Zweigstelle in der Wiener Neustädter Innenstadt zumindest bis Mitte des kommenden Jahres zu behalten - sogar noch mehr: Im Fall steigender Umsatzzahlen wäre auch langfristig ein Fortbestehen der Filiale im Bereich des Möglichen gewesen. Doch daraus wird nun offenbar nichts, wie der Bürgermeister am Mittwoch mitteilte.

Weniger Miete, dafür eine Filiale schließen
Grund dafür ist ein „Knebelvertrag“ mit dem Betreiber der Merkur City, hinter dem der deutsche Investmentfonds KGAL steht, heißt es weiter - und dieser soll es wahrlich in sich haben. Denn in dem Einkaufszentrum befindet sich ebenfalls eine Filiale der Drogeriekette, und um künftig einen günstigeren Mietpreis für diesen Standort zu bekommen, „musste sich Müller dazu verpflichten, bis Jahresende 2018 die Filiale in der Wiener Neustädter Innenstadt zu schließen“.

Dieses Vorgehen dürfte jedoch bereits System haben, so der Stadtchef weiter. „Damit erklären sich auch so manch andere Leerstände in der Innenstadt, wie zum Beispiel H&M, wo ebenfalls die Filialen von der Innenstadt weg in die Merkur City übersiedelt sind.“ Und weiter: „Es kann nicht sein, dass die Stadt Wiener Neustadt und das Land Niederösterreich Millionen-Steuerbeträge zur Attraktivierung in die Innenstadt pumpen, während ein deutscher Investmentfonds diese Maßnahmen konterkariert, damit die Innenstadt schädigt und Arbeitsplätze vernichtet“, zeigt sich der Bürgermeister bestürzt. Es mache ihn „wütend und traurig, dass aufgrund eines Knebelvertrages“, der die Innenstadt „ausbluten“ lasse, alle Bemühungen umsonst gewesen seien.

„Vorgangsweise muss bekämpft werden“
Noch allerdings will man sich in der Causa nicht geschlagen geben. „Diese Vorgangsweise ist für uns unlauter und muss auf allen Ebenen bekämpft werden“, kündigte Schneeberger weitere Schritte an. So würden alle Gemeinderatsfraktionen an einem Strang ziehen und in der kommenden Woche einen gemeinsamen Antrag bei der Gemeinderatssitzung stellen, wie angekündigt wurde. So werde etwa eine rechtliche Prüfung durch die Bundeswettbewerbsbehörde in Auftrag gegeben.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Niederösterreich
Aktuelle Schlagzeilen
Mit Oppositionsstimmen
Kindergartenausbau samt Kopftuchverbot beschlossen
Österreich
„Wichtiger Schritt“
Antisemitismus-Gipfel: Kurz pocht auf EU-Erklärung
Österreich
„Klarer Favorit“
Bayern-Boss gesucht: Kahn vor München-Rückkehr?
Fußball International
Ab 2021/22
Keine Montagsspiele mehr in deutscher Bundesliga
Fußball International
Nations-League-Abstieg
Irland setzt Teamchef Martin O‘Neill vor die Tür
Fußball International

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.