Mo, 12. November 2018

„Wahre Königin“

01.09.2018 11:18

Rührender Abschied von Aretha Franklin in Detroit

Feministin, Bürgerrechtlerin und eine gewaltige Stimme, die sie um die Welt führte: Beim Gottesdienst für Aretha Franklin wurde die verstorbene Musikerin als überlebensgroße Figur gefeiert. Auf der Bühne vermischen sich Soul, Glaube und das schwarze Herz von Detroit.

All der Respekt, all die Liebe war bis weit auf die Straße vor der Kirche zu sehen. Mehr als 100 Fahrer rosafarbener Cadillacs hatten ihre Autos vor dem Greater Grace Temple in Detroit aufgereiht - eine von so vielen Gesten des Gedenkens an die verstorbene Aretha Franklin, die davon sang, in dem pinken Wagen auf dem „Freeway of Love“ zu fahren. Tausende strömten zum Gottesdienst in den gewaltigen Saal. Sie nahmen Abschied von einer Sängerin, die in der einstigen Autometropole als Königin gefeiert wird.

Rührender Abschied von der „Queen“
„Dies wird ein langer Gottesdienst“, sagte Pfarrer Charles Ellis voraus. Es war tatsächlich ein sattes Programm, das am Freitag in den zunächst angesetzten fünf Stunden kaum zu schaffen war: Auftritte von Stevie Wonder, Ariana Grande, Faith Hill, Chaka Khan und 15 weiteren Künstlern und Gruppen. Dazu Reden vom früheren Präsidenten Bill Clinton, Ex-Justizminister Eric Holder, Bürgerrechtler Jesse Jackson und Pfarrer Al Sharpton sowie von Familienangehörigen, Freunden und Weggefährten Franklins. TV-Sender übertrugen live, ein Radiosender hatte sich für ein einwöchiges Sonderprogramm umbenannt in den „Aretha Franklin Tribute Channel“.

Als „unsere königliche Hoheit“, „unsere Königin“, „eine wahre Königin“ wurde Franklin in Reden bezeichnet. Für diesen letzten Tribut hatten die Bestatter ihr ein goldfarben glitzerndes Pailletten-Kleid angelegt, dazu goldfarbene Schuhe des Designers Christian Louboutin. Es war ihr inzwischen drittes Outfit in den fünf Tagen, in denen Detroit von der Musikerin Abschied nimmt.

„Sie hat einen guten Kampf gekämpft“
„Sie hat einen guten Kampf gekämpft. Nun ist es Zeit, die Königin zu krönen“, sagte Sharpton. Sänger Smokey Robinson, der sie schon als kleiner Junge singen hörte, war sicher: „Im Engelschor wirst Du eine führende Stimme sein.“ Ihr Sarg aus polierter Bronze mit goldenen Verschlägen ist das gleiche Modell, in dem Michael Jackson bestattet wurde. Vorgefahren wurde sie im selben Leichenwagen (ein LaSalle von 1940), der auch ihren verstorbenen Vater und Bürgerrechtlerin Rosa Parks an dessen letzte Ruhestätten brachte.

Franklin blieb bei diesem Gottesdienst als überlebensgroße Figur in Erinnerung, die nicht nur Soulmusik prägte, sondern auch den Kampf der Frauen- und Bürgerrechtsbewegung vorantrieb. „Durch ihre eigene Stimme hob sie die von Millionen empor“, fasste der frühere Präsident Barack Obama zusammen, von dem ein Brief vorgelesen wird. Franklins Gesang führte sie um die Welt, doch ihre Wurzeln in der Kirche und im schwarzen Detroit, wo sie schon als kleines Mädchen in der Gemeinde ihres Vaters sang, vergaß sie nie.

Nicht nur Familienangehörige Franklins wischten sich in diesen Stunden Tränen aus dem Gesicht. Aber an passender Stelle gelang es Pfarrer Ellis, die Trauernden im Saal - rund 4000 Menschen haben hier Platz - zum Tanzen und Klatschen zu bewegen. „Wir sind hier, um diese Familie emporzuheben“, sagte er in Richtung der Hinterbliebenen, als Band und Chor ihren kraftvollen Gospel aufleben ließen. „Wir sind hier, um auf diese Gesichter inmitten des Todes ein Lächeln zu setzen.“

Gegen Ende blieb, wie in den Köpfen so vieler Fans, vor allem Franklins Musik hängen. Die 25 Jahre alte Ariana Grande hat die Single „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“ mit einem starken Auftritt in die nächste Generation transportiert. Und Bill Clinton, der sich und Ehefrau Hillary als frühe „Aretha-Groupies“ bezeichnet, zückte zum Ende seiner Rede nur noch sein Handy. Er hielt das Mikrofon an den Lautsprecher, ließ darauf Franklins Hit „Think“ spielen und sagte: „Dies ist der Schlüssel zur Freiheit.“

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