Fr, 14. Dezember 2018

Urlaub wie früher

29.07.2018 08:00

Dolce Vita und Ferienglück an der Adria

Endlose Sandstrände, malerische Orte, geselliges Treiben: Die Küste der Emilia Romagna bietet echt italienische Ferienstimmung.

Urlaub an der Adria, an den langen Sandstränden der Emilia Romagna, zwischen Po-Delta und Cattolica? Das ist weder exotisch noch esoterisch, kein Geheimtipp, kein Abenteuer, keine Herausforderung. Einfach Urlaub, wie im Fotoalbum der Jugendzeit festgehalten. Am Strand liegen, sonnenbaden, ein bisschen schwimmen, plaudern, Leute schauen, abends flanieren, ausgiebig essen und trinken. Eventuell das Nachtleben genießen, ein paar Ausflüge in Hafenorte oder ins Hinterland.

„Die Menschen haben keine Muße mehr"
La Dolce Vita in Bella Italia - aber nicht mehr ganz wie früher. „Auch das Strandleben hat sich verändert, die Menschen haben keine Muße mehr“, erklärt uns Gabriele Pagliarani, und er muss es wissen: Der quirlige 55-Jährige trägt den stolzen Titel Bagnino d’Italia, „Bademeister Italiens“, er ist der berühmteste, der populärste des Landes. Mit seinem Cousin Fabrizio betreibt Gabriele seit 30 Jahren das Bagno 26 in Rimini und hat den Niedergang des Dolce far niente, des süßen Nichtstuns, miterlebt.

„Früher kamen die Gäste mindestens drei Wochen, lagen am Strand, immer in derselben Gesellschaft, genossen das Leben. Jetzt kommen sie höchstens eine Woche und müssen dauernd etwas erleben. Radfahren, Joggen, Nordic Walking. Keine Ruhe mehr.“ Gabriele hat deshalb ein Fitnesscenter an seinem Strandabschnitt eingerichtet, das hält die Gäste in seinem Bagno. Ruhe hat auch er selbst nicht viel. Mit 30 Mitarbeitern betreut der Super-Bagnino 290 Sonnenschirme, 1.200 Liegen und Liegestühle, kennt die Stammgäste, scherzt mit jedem, posiert bereitwilligst für Fotos. „Ich bin wie Honig für die Menschen“, sagt er stolz. „Sie bleiben an mir kleben, ich mache sie froh!“

Federico Fellini ganz nah
In Grenzen natürlich, betont der noch immer lockige, aber etwas rundlich gewordene Meister des Badestrandes verschmitzt. „Ich liebe die Frauen, aber wirklich kleben bleibt bei mir nur meine Familie, seit vielen Jahren. Ohne meine Ehefrau und meine Kinder wäre ich nichts!“ Ein klassischer Italiener also, wie aus einem Fellini-Film, auch darauf ist Gabriele stolz. „Francesca, Federicos Nichte, ist meine beste Freundin, und sie sagt immer, dass ihr Onkel mir sicher eine Filmrolle gegeben hätte, wenn er mich gekannt hätte.“

Der legendäre Regisseur und fünffache Oscar-Preisträger ist Riminis weltweit berühmtester Sohn. Erst kürzlich wurde das historische Fulgor-Kino, in dem Fellini als kleiner Bub seine ersten Filme gesehen hatte, um 6,6 Millionen Euro prächtig renoviert. Jede Woche wird dort jetzt „Amarcord“, der Streifen, in dem der Regisseur seine Kindheit in der Stadt fantasievoll verarbeitet hat, gezeigt. Im alten Fischerviertel San Giuliano, direkt hinter der Tiberiusbrücke, zeigen mehr als 50 Wandmalereien an pastellfarben gestrichenen Häuschen Szenen aus Fellini-Klassikern wie „La Strada“, „8 “ oder „La Dolce Vita“. 2020, zum 100. Geburtstag des Meisters, wird im ehemaligen Gefängnis Castel Sismondo ein eigenes Fellini-Museum eröffnet.

Bis dann müssen sich Fans mit einem Besuch im legendären Grand Hotel mit seiner weißen „Zuckerbäckerfassade“ begnügen. Dieses 1908 erbaute glamouröseste Hotel der Adria mit Privatstrand hatte Fellinis jugendliche Fantasie angeregt. Als Kind träumte er davon, die prunkvolle Lobby zu betreten, später mietete er so oft wie möglich die Suite 315 mit Brokatvorhängen und antikem Mobiliar, dort erlitt er auch den Schlaganfall, der zu seinem Tod im Jahr 1993 führte, zahlreiche Fotos erinnern an ihn.

So wie das Grand Hotel Nostalgie pur ausstrahlt und doch modernst ausgestattet ist, so bieten auch die Badeorte mittlerweile mehr als nur Strandurlaub wie in genügsameren Zeiten. Mehr als 150 Kilometer Strand, mehr als 2000 Hotels, mehr als drei Millionen Touristen im Jahr - davon 80 Prozent Italiener, die diesem Adriateil eine spürbar buntere, „südlichere“ Prägung geben als den Österreich-nahen Stränden zwischen Venedig und Triest: Diese Zahlen zeigen, dass es in der Emilia Romagna für jeden Urlaubsgeschmack etwas gibt.

Cesenatico
Dieser Touristenort etwa verbindet das bunte Treiben eines modernen Urlaubsortes perfekt mit Geschichte und Tradition einer Seefahrer-Stadt. Am von Leonardo da Vinci entworfenen Hafenkanal liegen historische Fischkutter, die Altstadt ist wie ein lebendig pulsierendes Freilichtmuseum. Vor dem Schifffahrtsmuseum liegen zehn für die mittlere und obere Adria typische Schiffe und hissen noch immer ihre mit bunten Wappen geschmückten Rutensegel, auf dem Bug stellen sie ehemals zur Abwehr von Unglück eingesetzte Symbole zur Schau. Gelegentlich kommen die Prunkstücke bei Regatten zum Einsatz. Zudem hat sich Cesenatico durch das seit 1971 existierende Amateurrennen Nove Colli als Radfahrerhochburg etabliert. Jedes Jahr im Mai strampeln mehr als 13.000 Teilnehmer 205 Kilometer von der Küste über neun steile Hügel im Hinterland - sechs Monate im Jahr bieten spezialisierte Hotels wie das Lungomare Bike Hotel ihren Gästen geführte Radtouren aller Schwierigkeitsgrade, von gemütlich bis supersportlich.

Comacchio
Der nördlichste Badeort der Romagna, Comacchio, schließlich punktet durch seine Lage auf 13 kleinen von engen Kanälen begrenzten Inseln im Mündungsgebiet des Po. Ein romantisches Klein-Venedig neben einem relativ naturbelassenen Strand, hier gibt es nur wenige Liegestuhlreihen im Vergleich zu den riesigen „Bagnos“ weiter südlich. Für welchen Ort und welche Urlaubsart, vom Campingplatz über die Familienpension bis zum Vier-Sterne-Komforthotel, Sie sich auch entscheiden, ein Ausflug ins nahe Ravenna sollte nicht fehlen. Die acht Kilometer von der Küste entfernte Stadt war ursprünglich eine Inselgruppe im Po-Delta und wurde als Flottenstützpunkt für 250 Schiffe unter Kaiser Augustus im 1. Jh. nach Christus erbaut. 402 wurde Ravenna schließlich Kaiserstadt, hatte 160.000 Einwohner (genauso viele wie heute), dadurch kam es zu reger Bautätigkeit. Die frühchristlichen Bauten bestehen heute noch und sind durch wunderbare Mosaike einmalig.

Ravenna
Ravenna zählt stolze acht UNESCO-Weltkulturerbestätten, besonders prächtig mit Mosaiken geschmückt sind die Mausoleen der Galla Placidia und des Theoderich sowie die Basilika Sant’Apollinare in Classe. Die Lichtberechnung lässt die kleinen bunten, perlmutterfarbigen und goldenen Steine, die raffiniert in verschiedenen Winkeln zueinander angeordnet sind, seit Jahrhunderten lebendig erscheinen, die Bildwirkung verändert sich je nach Perspektive. Bis heute wird die Kunst des Mosaiklegens in Ravenna gepflegt, in Werkstätten wie bei Anna Fietta können Urlauber sogar Schnupperstunden nehmen und ein kleines Mosaik für daheim legen. Einen Bilderrahmen zum Beispiel, für ein Urlaubsfoto. Als schöne und mahnende Erinnerung, bald wiederzukommen. Vielleicht mit ein bisschen mehr Zeit im Gepäck, fürs Adria-Dolce-Vita wie früher

Brigitte Egger, Kronen Zeitung

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