Do, 13. Dezember 2018

Konzert:

14.07.2018 07:50

„Komplimente machen es nur härter“

Juan Diego Flórez gibt am 21. Juli ein Gastspiel in der Gasteiner Alpenarena. Im Interview verrät er u.a. warum er selbst sein strengster Kritiker ist und arme Kids in Peru unterstützt

Herr Flórez, Sie stehen in den größten Opernhäusern der Welt von Wien bis New York auf der Bühne. Am 21. Juli gastieren Sie nun in der Gasteiner Alpenarena?

Ich freue mich sehr auf diesen Auftritt, zudem ich in solchen Locations auch ein Publikum abseits der Opernbühne erreichen kann. Außerdem ist Gastein ein bezaubernder Ort.

Ist Ihnen der Kurort vertraut, zudem Sie in Salzburg ja auch schon mehrfach bei den Festspielen aufgetreten sind. Oder waren Sie vielleicht sogar schon einmal dort zum Skifahren?

Ich kenne Gastein leider nicht. Und Skifahren habe ich zwar als kleiner Junge gelernt, beherrsche es aber nicht wirklich gut. Aber meine Kinder lieben es.

Sie werden bei ihrem Konzert von Elisabeth Fuchs’ Philharmonie Salzburg begleitet. In welcher Beziehung stehen Sie zum Orchester bzw. gab es schon gemeinsame Auftritte?

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, das Orchester hat mich schon bei einem meiner Konzerte bei den Salzburger Festspielen begleitet.

Am Pult steht der amerikanische Dirigent Christopher Franklin, mit dem Sie zuletzt auch ein Benefizkonzert im Wiener Musikverein gestalteten. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Ich habe mit ihm schon mehrfach gearbeitet, zuletzt eben in der semikonzertanten Aufführung der Rossini Oper „Il viaggio a Reims“ im Musikverein. Er ist ein hervorragender Dirigent. Uns verbindet aber nicht nur die Arbeit, wir sind auch gute Freunde, was ein großer Pluspunkt ist, schließlich soll man ja auch Spaß an dem haben, was man macht.

In Gastein stehen berühmte Komponisten wie Mozart, Verdi, Puccini und Massenet am Programm. Sie werden populäre Arien aus Opern wie La Bohème, Zauberflöte, La Traviata und Werther zum Besten geben, aber auch weltberühmte Stücke wie Nessun Dorma und Granada sind zu hören.

Das Programm zeigt die ganze Palette an Komponisten, denen ich mich in den letzten Jahren widmete bzw. noch widmen werde. Verdis La Traviata werde ich z.B. im Dezember an der Met in N.Y. singen. Und an Mozart führt in Salzburg ohnehin kein Weg vorbei. Außerdem habe ich mich mit diesem großartigen Komponisten auf meiner letzten CD auseinandergesetzt. Er begleitet mich seit meinen Anfängen und ist eine entscheidende Inspirationsquelle für mich.

Sie gelten als der führende Belcanto-Tenor. Pavarotti hat Sie einst als würdigen Nachfolger und Domingo als einen der größten lyrischen Tenöre aller Zeiten bezeichnet. Wie gehen Sie mit solchen Komplimenten um?

Das macht die Arbeit nur noch härter, schließlich will man so große Erwartungen ja nicht enttäuschen. Allerdings war es mir immer schon wichtig, hart an meiner Stimme zu arbeiten. Ich bin auch selbst mein strengster Kritiker. Ich habe keinen Gesangslehrer und nehme alle meine Proben auf, um zu sehen, was ich besser machen kann.

Sie widmen sich einem der schwierigsten Fächer, dennoch bewältigen Sie jeden Auftritt mit Bravour und gelten als Meister des Hohen C. Sind diese hohen Töne, gerade in großen Stadien nicht eine enorme Herausforderung?

Als Belcato-Sänger muss man mit seiner Stimme sehr, sehr behutsam umgehen. Während ich z.B. in der Royale Albert Hall vor 7000 Menschen ohne Mikrofon singe, benutze ich in großen Stadien mit 30.000 bis 50.000 Leuten natürlich eines. Würde ich das nicht tun und meine Stimme überstrapazieren, würde ich riskieren, sie für immer zu ruinieren.

Sie leben mit ihrer Frau Julia und den beiden Kindern in Wien. Sprechen Sie zu Hause über ihren Beruf?

Natürlich ist der Beruf allgegenwärtig, schließlich ist er ein ganz wesentlicher Teil meines Lebens. Allerdings versuche ich soviel Zeit wie möglich mit meiner Familie zu verbringen. Ich konzentriere mich bei meinen Auftritten hauptsächlich auf Europa, und genieße es sehr, wenn ich zu Hause in Wien arbeite und zwischen den Proben schnell zum Mittagessen vorbeischauen kann.

Sind Ihre Kinder auch musikalisch?

Leandro spielt Geige und Lucia Klavier. Sie sind wirklich begabt, und ich würde mich freuen, wenn sie auch Musiker werden. Wenn nicht, hab ich aber auch nichts dagegen.

Sie unterstützen mit dem Jugendmusikprojekt „Sinfonía por el Perú“ benachteiligte Kinder, die aus den ärmsten teilen des Landes kommen.

Mit diesem Projekt möchte ich den Kindern Selbstvertrauen und auch Hoffnung für ihr zukünftiges Leben geben. Musik ist für mich das beste Mittel dafür.

Sehen wir Sie auch bald wieder bei den Salzburger Festspielen?

2020 komme ich für ein Konzert, und 2021 werde ich hier meine erste Oper inszenieren, welche das sein wird, darf ich natürlich noch nicht verraten.

Tina Laske
Tina Laske

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