Fr, 17. August 2018

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09.08.2018 09:00

Gehört auf die Baustelle: Wärmebild-Handy Cat S61

Auf der Baustelle gelten andere Standards als im Salon: Smartphone-Schönlinge sind hier fehl am Platz, stattdessen braucht es robustes und ausdauerndes Gerät. Die britische Bullit Group hat hier ihre Nische gefunden und baut mit dem gleichnamigen Baumaschinenhersteller Handys der Marke Cat. Wir haben das neueste Modell S61 mit Wärmebildkamera und Laser-Entfernungsmesser ausprobiert.

Für 830 Euro bietet das Cat S61 Technik, die man in konventionellen Smartphones teilweise schon in der Mittelklasse finden würde. Den verbauten Chip beispielsweise findet man auch in Geräten der 300-Euro-Klasse. Statt einer Doppelkamera gibt es eine einzelne 16-Megapixel-Cam.

Daneben bietet das S61 allerdings auch Technologien, die man in keinem anderen Smartphone findet. Dazu zählen einerseits die auch im Vorgängermodell schon vorhandene FLIR-Wärmebildkamera, ein Luftsensor, Thermo- und Barometer sowie ein Laser-Entfernungsmesser. Alles ziemlich praktische Features auf der Baustelle - zumindest in der Theorie.

Was sonst noch im Cat S61 steckt, erfahren Sie hier:

Cat S61

CPU

Snapdragon 630: 8 x 2,2 GHz

RAM

4 GB

Diagonale

5,2 Zoll

Auflösung

1920 x 1080 Pixel

Speicher

64 GB

microSD-Slot

bis 128 GB

Hauptkamera

16 Megapixel: Phase-Detection-Autofokus, LED-Blitz

Frontkamera

8 Megapixel

Funk

LTE, N-WLAN, Bluetooth 5.0, NFC, GPS, GLONASS, Galileo, QZSS

Maße

163 x 78 x 13 Millimeter; 250 Gramm

Akku

4500 mAh

Extras

FLIR-Wärmebildkamera
Laser-Entfernungsmesser
Barometer, Thermometer, Hygrometer, VOC-Luftsensor
Stoß- und wasserfest (IP68, MIL-STD-810G)

Software

Android 8

Preis

ab ca. 840 Euro

Die gebotene Rechenleistung sollte für den Alltag der allermeisten Nutzer völlig ausreichen, sie ist aber nicht enorm hoch. Der Snapdragon-630-Chip gewährleistet zwar eine flüssige Bedienung und ausreichend schnelle App-Starts, macht auch beim Multi-Tasken keine Probleme. Ausgerechnet bei manchen der vorinstallierten Apps - etwa der Wärmebildkamera - erschien er uns im Test aber nicht übermäßig flott, was auch an der Komplexität dieser Spezialhardware liegen mag.

In Zahlen gesprochen erreicht der Chip im AnTuTu-Belastungstest bei geringer Wärmeentwicklung ein Rating von 90.000. Das ist per se nicht wenig und in der Mittelklasse üblich, Smartphones der 800-Euro-Klasse schaffen heute aber durchaus das Dreifache.

Saubere Verarbeitung, angenehmes Handling
Beim Cat S61, das muss man ihm zugestehen, geht es aber weniger um CPU-Power und mehr um praktische Dinge. Und die findet man am Gehäuse überall. Sei es der programmierbare Hardware-Button an der linken Geräteseite, seien es die physischen Home-, Zurück- und Menü-Buttons, der ausladende geriffelte Entsperrknopf oder die gummierte und strukturierte Rückseite, die für sicheren Grip sorgt. So viel sei gesagt: in puncto Handling und Verarbeitung ist das Cat S61 das, was wir uns unter einem Baustellen-Smartphone vorstellen. Einige seiner Tugenden dürften durchaus auch im Outdoor-Bereich nützlich sein.

16-Megapixel-Kamera spielt im gehobenen Mittelfeld
Die Kamera entpuppte sich im Test als zweckmäßig. Sie stellt bei gutem Licht schnell und zuverlässig scharf, überzeugt mit flotter Auslösezeit und solider Bildqualität mit scharfen und detailreichen Fotos. In Innenräumen kommt es auf homogenen Flächen bisweilen ein wenig zu Bildrauschen, das sich bei schlechteren Lichtverhältnissen noch einmal verstärkt. Aber auch hier bietet die Kamera in Summe solide Bildqualität, mit der sich das S61 durchaus im guten Mittelfeld der Smartphone-Kameras positionieren kann. Selbiges gilt auch für die Frontkamera, die bisweilen ein wenig überbelichtete, aber durchaus attraktive Selfies liefert.

Wärmebildkamera: Coole Spielerei mit träger App
Das Highlight des Cat S61 ist aber klar eine andere Kamera: die FLIR-Wärmebildkamera, die hier fix verbaut wurde. Die auch als Nachrüstlösung für andere Smartphones verfügbare Technologie hat trotz einer recht trägen App viel Potenzial. Im Test lieferte sie zwar keine totalen Temperaturzahlen der fotografierten und gefilmten Oberflächen, sie ist aber sehr wohl dazu imstande, zuverlässig größere und kleinere Temperaturunterschiede zu visualisieren. Das kann immer wieder mal praktisch sein, vor allem wenn man möglicherweise beruflich mit Wärmeisolierungen zu tun hat.

Laser und Luftmessgerät eher unzuverlässig
Der Laser-Entfernungsmesser wäre prinzipiell auch ein feines Gadget auf der Baustelle, in der Praxis hat er uns aber nicht überzeugt. Die zugehörige App ist noch träger als jene der Wärmebildkamera, überdies erschien sie uns weder in der Bedienung noch in der Genauigkeit zuverlässig genug, um sich wirklich auf ihre Messungen verlassen zu können. Bei kürzeren Distanzen greift man da wohl lieber zum Maßband, bei weiteren Distanzen erkennt das System oft seinen eigenen Laser nicht mehr. Prädikat: Verbesserungswürdig.

Allzu große Präzision sollte man sich wohl auch vom Luftqualitätsmessgerät und Thermometer des Cat S61 nicht erwarten. Die zugehörige App ist zwar zuverlässig, die gemessenen Werte erschienen uns aber um zwei bis drei Grad zu hoch - möglicherweise, weil der Temperaturfühler durch die Smartphone-Komponenten aufgeheizt wird. Die Messung der Luftqualität ist ein nettes Feature und klappt unserer Einschätzung nach vergleichsweise zuverlässig. Schlechte Luft würde man vermutlich aber auch ohne ein spezielles Messgerät bemerken, wenn man ihr ausgesetzt ist.

Veraltetes WLAN, gutes Display, laute Boxen
An der Ausstattung des Cat S61 haben wir nur wenig auszusetzen - konkret etwa an dem veralteten WLAN-Standard und dem ob des gehobenen Preises etwas schwachen Prozessor. Erfreulich ist die Anwesenheit eines Speicherkarten-Slots und einer Kopfhörerklinke.

Ebenfalls positiv: Das Display - scharf dank Full-HD und seitlich gut ablesbar dank IPS - ist reflexionsarm und ausgesprochen hell, sollte also auch im Freien gut ablesbar sein. Auf der Baustelle und im Outdoor-Einsatz praktisch: Die Lautsprecher des S61 sind ausgesprochen laut - deutlich lauter als beim Durchschnitts-Smartphone.

Ausgesprochen dicker Akku, mittelprächtige Software
Und dann wäre da naturgemäß noch der überdurchschnittlich dicke Akku, der in Kombination mit dem sparsamen Prozessor und dem kompakten Display durchaus auch mal zwei Tage fernab der Steckdose durchhält und selbst von Intensivnutzern kaum an nur einem Tag kleinzukriegen ist.

Keinen so tollen Eindruck hinterließ die Software. Wie bereits angedeutet, arbeiten ausgerechnet die Begleit-Apps zur Wärmebildkamera und zum Laser-Messgerät träge und nicht so zuverlässig, wie man es sich von einem potenziellen Arbeitstier erwarten würde. Android selbst ist am Cat S61 aufgeräumt und arm an Bloatware, dürfte aber mangels Direkt-Updates von Google in Zukunft stets eine Weile auf das jeweils neueste Android-System warten.

Fazit: Das Cat S61 wäre in vielerlei Hinsicht ein traumhaftes Smartphone-Arbeitstier. Handling und Robustheit sind seine Stärke, hier operiert es nah am Optimum. Der ausdauernde Akku, die solide Kamera, das gute Display und die hohe Lautstärke seien ebenfalls lobend erwähnt. Leider überzeugt es in seiner Kerndisziplin als Baustellengerät nicht ganz. Und das ist vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Spezialausstattung in der Praxis nur teilweise hält, was sie verspricht.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger

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