Mo, 10. Dezember 2018

Uruguay zu schwach

06.07.2018 20:01

Frankreich im Halbfinale - auch dank Pannen-Goalie

Vive la France, adios Uruguay - der erste Halbfinalist der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 heißt Frankreich! Im Duell des Weltmeisters von 1998 mit jenem von 1930 und 1950 setzten sich „Les Bleus“ in Nischni Nowgorod vor rund 43.500 Zuschauern mit 2:0 durch. Dank eines Kopfball-Treffers von Raphael Varane (40.) und eines schlimmen Patzers von Uruguay-Goalie Fernando Muslera, der einen harmlosen Schuss von Antoine Griezmann ins eigene Gehäuse abfälschte (61.).

Ein vorsichtiges Abtasten? Nein! Ein bedächtiger Spielaufbau hüben wie drüben? Keineswegs! Eine Atmosphäre schaumgebremster Emotionen? Mitnichten! Sowohl die Kicker von Uruguay als auch jene von Frankreich waren in der Anfangsphase des ersten Viertelfinales dieser WM sichtlich darauf aus, vom Start weg ihre Claims abzustecken: Zweikämpfe wurden gesucht und auch oft gefunden, je fünf Fouls nach lediglich knapp zehn (!) Minuten zeugten von einer doch sehr ordentlichen Intensität in dem Duell. Die Franzosen mochten darüber hinaus die feinere Klinge im Repertoire haben, zunächst hielt die von ihrem auf Krücken angewiesenen Teamchef Oscar Tabarez wie gewohnt in einem 4-4-2 aufgestellte „Celeste“ die starke und vor allem sehr bewegliche französische Offensive aber gut in Schach. Sogar die ersten beiden gefährlicheren Tor-Annäherungen gelangen den Südamerikanern - doch Christian Stuani, Ersatzmann für den verletzten Edinson Cavani, blieb beide Male glücklos (4., 6.).

Tief stehen, zeitweise früh attackieren und bissig kontern - mit dieser Spielweise versuchte Uruguay die Offensiv-Maschinerie von „Les Bleus“ nicht ins Laufen kommen zu lassen. Zumindest optisch gewannen Griezmann und Co. aber spätestens ab Minute 20 immer mehr Übergewicht. Echte Chancen blieben aber Mangelware, wie etwa bei einer „Kopfball-Bogenlampe“ von Turbo Kylian Mbappe (16.) oder einem Pogba-Weitschuss (19.). Eigentlich logisch: Ohne Freiräume konnten auch die schnellen Super-Techniker aufseiten Frankreichs nicht allzuviel ausrichten. Wenig überraschend bedurfte es eines Standards, um die „Tor-Sperre“ im ersten WM-Viertelfinale zu brechen. Ein Brutalo-Foul von Rodrigo Betancur an Bayern-Mann Corentin Tolisso sanktionierte der argentinische Schiri Nestor Pitana zurecht mit einem Freistoß. Diesen zwirbelte Griezmann anschließend aus 23 Metern Entfernung genau auf den Kopf von Varane und von dort ging der Ball zum 1:0 für Frankreich ins Netz (40.) - das erst zweite Gegentor der „Celeste“ bei dieser WM! Weil Frankreich-Keeper Hugo Lloris wenig später einen Kopfball von Martin Caceres in Weltklasse-Manier entschärfte (44.) blieb es zur Halbzeit auch beim 1:0.

Der erste Aufreger in Halbzeit zwei ging dann auf das Konto von Uruguay-Tormann Muslera - sein Patzer beim Versuch, den auf ihn zulaufenden Franzosen-Stürmer Olivier Giroud aussteigen zu lassen, misslang nach Strich und Faden. Immerhin ging der Abpraller deutlich neben das Gehäuse des „Celeste“-Goalies (48.) - ein böses Omen sollte die Aktion aber allemal darstellen. Denn knapp zwölf Minuten später unterlief Muslera sein nächster Fehler - und diesmal sollte er kein Glück im Unglück mehr haben. Ausgerechnet ein völlig harmloser - weil viel zu mittiger - Schuss des für seine Uruguay-Liebe bekannten Griezmann flutschte dem im zivilen Leben für Galatasaray zwischen den Pfosten hechtenden Goalie durch die Finger (61.). Kurios: Weder der schamerfüllte Muslera (logisch!) noch Torschütze Griezmann (weniger logisch!) schienen sonderlich erfreut über den Treffer. Bitter aus Sicht der Südamerikaner: Ausgerechnet in einer Phase, in der sie deutlich stärker wurden, kassierten sie diesen französischen Nackenschlag.

Ein 0:2 gegen Frankreich aufholen? Die bisher vor allem durch ihre starke Defensive aufgefallenen „Urus“ standen nun vor dem Dilemma, endlich auch ihre eigene Offensive ins Rollen bringen zu müssen. Und - man kann es vorwegnehmen - sie sollten daran scheitern! Immer deutlicher machte sich das Fehlen von Stürmer Cavani bemerkbar, Barca-Goalgetter Luis Suarez kam kaum zu gefährlichen Szenen: Frankreichs Defensive hatte zwar im Achtelfinale gegen Argentinien drei Gegentreffer hinnehmen müssen, beim nächsten Aufeinandertreffen mit einem südamerikanischen Ex-Weltmeister hielten Varane, Pogba und Co. hinten aber die Null. Ein 25-Meter-Weitschuss von Christian Rodriguez (64.) stellte für Uruguay wohl noch am ehesten so etwas wie die Chance auf ein Comeback dar - aber auch dieser Versuch ging daneben. Ansonsten hatte die Tabarez-Elf den offensiv nicht mehr sehr ambitionierten Franzosen nichts entgegenzusetzen. Und nachdem ein paar Weitschüsse hüben wie drüben zumeist teils weit drüber gegangen waren, war es fix: Frankreich steht erstmals seit 2006 wieder in einem WM-Halbfinale!

Das Ergebnis:
Uruguay - Frankreich 0:2 (0:1)
Nischni-Nowgorod-Stadion, 43.319 Zuschauer, SR Pitana (ARG)
Tore: 0:1 (40.) Varane, 0:2 (61.) Griezmann
Gelbe Karten: Bentancur, Rodriguez bzw. Hernandez, Mbappe
Uruguay: Muslera - Caceres, Gimenez, Godin, Laxalt - Nandez (73. Arrascaeta), Torreira, Vecino, Bentancur (59. Rodriguez) - Suarez, Stuani (59. Gomez)
Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Umtiti, Hernandez - Kante, Pogba - Mbappe (88. Dembele), Griezmann (83. Fekir), Tolisso (80. Nzonzi) - Giroud

Hannes Maierhofer
Hannes Maierhofer

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