Mo, 23. Juli 2018

„Krone“-Interview

23.06.2018 09:00

Mit Zivilcourage gegen den Müll in der Natur

Einweggriller, Bierdosen und Plastikverpackungen: Die Natur wird in der Grillsaison immer öfter zum Müllplatz. Aber warum lassen Menschen ihren Abfall einfach liegen - und kann man Erwachsene noch „erziehen“? Verhaltensökonom Loukas Balafoutas von der Universität Innsbruck sagt: Ja das geht. 

Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft. Warum bleibt dennoch Müll liegen?
Jede Gesellschaft hat soziale Normen - die meisten sind fördernd für den Zusammenhalt. Der Mensch hat eine starke Kooperationsbereitschaft. Wir arbeiten in Teams oder helfen in der Nachbarschaft. Gibt es aber individuelle Anreize, die gegen das soziale Wohlbefinden arbeiten, funktioniert das System nicht mehr.

Was kann Anreiz sein, seinen Müll nicht wegzuwerfen?
Das kann Faulheit sein, wenn der Mülleimer zu weit weg ist. Oder der Nutzen wird nicht gesehen - Desinteresse an der Umwelt. Es kann auch sein, dass man die sozialen Normen nicht kennt, weil man einen anderen kulturellen Hintergrund hat. Bei Jugendlichen kann es auch eine Rebellion gegen das System sein. Das heißt im Umkehrschluss, Erziehung, Bildung, Selbstachtung, Gewissen, eigener Nutzen und ein persönliches Anliegen führen dazu, dass ich mich an die sozialen Normen halte.

Kann man denn Erwachsene noch „erziehen“?
Ja, ich denke schon, dass das geht - nämlich durch Bestrafung. Da gibt es zwei Möglichkeiten: Sanktionen können vom Staat kommen oder von den Mitmenschen. Würden am Grillplatz Polizisten patrouillieren, würde es funktionieren. Aber der Staat kann natürlich nicht omnipräsent sein. Deshalb ist der zweite wichtige Faktor Zivilcourage.

Das heißt man soll Leute einfach darauf ansprechen?
Das ist sehr wirksam, um sich die sozialen Normen bewusster zu machen oder neue zu erlernen. Man kann auch Vorbild sein - Menschen imitieren gern.

Aber wenn ich einen anderen anspreche, könnte es für mich unangenehm werden...
Ja, das ist wahr. Deshalb sollte Zivilcourage belohnt und gefördert werden. Man hat ja auch was davon: Der Ort bleibt sauber, die Selbstverwaltung hat funktioniert. Das hat aber auch Grenzen, sobald es um Straftaten geht brauchen wir die Polizei. Wir haben dazu Experimente gemacht und gesehen, dass Menschen ihren Müll weniger oft liegen lassen, wenn es das Risiko gibt, darauf angesprochen zu werden. Das heißt, wenn nur ein paar Menschen mutig sind und was sagen, kann das einen sehr großen positiven und auch nachhaltigen Effekt haben. 

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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