Di, 21. August 2018

Wenn Hormone fehlen

06.05.2018 06:00

Männerproblem Testosteronmangel...

Alternde Männer können an verschiedensten Beschwerden leiden - ein Defizit an Hormonen ist allerdings häufig nicht der alleinige Grund für sexuelle Unlust,  Leistungsabbau, Gereiztheit oder Depressionen        

Sexuelle Unlust, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen oder Gereiztheit ohne ersichtlichen Grund sind Beschwerden, die bei älteren Männern auf ein Defizit an Testosteron hindeuten. Allerdings erfüllt sich diese Hoffnung in den meisten Fällen nicht. Wieso Hoffnung? Deshalb, weil es wesentlich unangenehmere Ursachen für die genannten Zustände gibt! Zum Beispiel schlecht eingestellter Diabetes, Fehlfunktionen der Schilddrüse oder Herzerkrankungen. Sowie Übergewicht, dessen Abbau bekanntlich fast immer ein schwieriges Unterfangen darstellt.

Ein Rückgang der Testosteronproduktion ist an sich eine natürliche Entwicklung. Hormonelle Veränderungen treten, wie wir wissen, bei beiden Geschlechtern im Zuge von Alterungsprozessen auf. Während die Funktion der Eierstöcke mit der Menopause endet, liegt es auf der Hand, nach einem Pendant für den Mann zu suchen. Ein solches gibt es aber nicht. Es kommt zwar zu einer langsamen, stetigen Abnahme der Erzeugung des männlichen Sexualhormones etwa ab dem 45. Lebensjahr, der Hoden behält jedoch seine Funktion als Samenzell- und Testosteronerzeuger grundsätzlich lebenslänglich.

Freilich kann die Verringerung der Laborwerte um ein bis zwei Prozent pro Jahr zu Beschwerden führen. Allerdings sind diese sehr allgemein. An eine gezielte Behandlung sollte daher nur gedacht werden, wenn ein Mangel an Gesamttestosteron im Blut zweifelsfrei nachgewiesen ist und gleichzeitig Beschwerden vorliegen.

Eine einmalige Bestimmung des Wertes genügt dabei nachweislich nicht. Das Testosteron unterliegt nämlich Schwankungen. Die Ausschüttung des Hormones erfolgt zum Beispiel auch abhängig von der Tageszeit. Daher muss der Wert mindestens zweimal laut Befund erniedrigt sein, ehe man eine Therapie in Angriff nimmt. Eines ist jedoch unbedingt zu berücksichtigen: Zwar kann die Krankheit auch durch eine alleinige Testosterontherapie positiv beeinflusst werden, aber ohne entsprechende Umstellung der Lebensgewohnheiten (Rauchen, Alkohol, Übergewicht) und mehr körperliche Aktivität wird sich der Erfolg in Grenzen halten.

In unseren Breiten leiden knapp 8 Prozent der Männer unter 50 an Testosterondefizit, rund 20 Prozent der unter 65-Jährigen und etwa die Hälfte aller über 80-Jährigen. Vor und während einer allfälligen Therapie ist die urologische Kontrolle unerlässlich. Weiters muss das Blutbild überprüft werden, da es zum Anstieg der roten Blutkörperchen kommen kann. In Österreich sind drei Medikamente für die Behandlung zugelassen, wovon zwei regelmäßig verordnet werden. Die Verabreichung erfolgt entweder durch Auftragen eines Gels auf Schulter bzw. Oberarme oder durch Injektion des Hormones in den Gesäßmuskel. Bitte keine Präparate über das Internet besorgen, sondern mittels Rezept in der Apotheke beziehen! Nebenbemerkung: Das Ziel muss ausschließlich eine Normalisierung der Blutwerte sein! Die Behebung des Mangels bei bestehenden Beschwerden ist keinesfalls eine Lifestyle-Angelegenheit!

Prim. Univ.-Doz. Dr. Eugen Plas*. Redaktion: Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

*Abteilungsvorstand der Urologie im Hanusch-Krankenhaus der WGKK.
Infos:www.wgkk.at/gesundheitsverbund

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