So, 19. August 2018

„Truly Wireless“

11.02.2018 08:35

BeoPlay E8: Wahrhaftig kabellose Ohrhörer im Test

Nicht bloß kabellos, sondern wirklich und wahrhaftig kabellos: Sogenannte Truly oder True Wireless Earphones liegen voll im Trend, wie die Consumer Electronic Show in Las Vegas erst unlängst gezeigt hat. Hat das Kopfhörerkabel damit ein für alle Mal ausgedient? krone.at-Redakteur Sebastian Räuchle hat die Probe aufs Exempel gemacht und den absolut kabellosen BeoPlay E8 von Bang & Olufsen getestet.

Zugegeben: Kabel sind keine sonderlich praktische Sache. Im Laufe meiner nun schon einige Jährchen währenden Musikhör-Karriere habe ich zahlreiche Kopfhörer verschlissen. Nachdem ich sie mehrmals täglich entknotet hatte, ließ der Kabelbruch zumeist nicht lange auf sich warten. Auch die Buchsen von anfangs Walk-, später Discman und schließlich MP3-Player litten unter dem stetigen Ein- und Ausstöpseln des Kopfhörers. Bis es irgendwann unschön in der "Leitung" zu knistern begann.

Dank Bluetooth gehören derlei Probleme inzwischen der Vergangenheit an. Andere, neue sind dafür hinzugekommen - gelegentliche Aussetzer bei der Übertragung beispielsweise, weil man gerade sich und sein Wiedergabegerät zu viel bewegt/geschüttelt hat. Ganz zu schweigen von der Herausforderung, den Kopfhörer regelmäßig mit Strom zu versorgen, um etwa nicht plötzlich in der Wiener U6 ohne Musik dazusitzen und dem Wahnsinn ungefiltert ausgeliefert zu sein.

Zumindest Nutzer großer Drahtlos-Bügelkopfhörer haben für den diesen Fall immer noch ein Ass im Ärmel: Sie können in der Regel jederzeit von Drahtlos- auf Kabel-Betrieb umschalten und ihren Kopfhörer passiv nutzen. Das Fehlen jeglicher Anschlussmöglichkeiten für ein Kabel wie bei den BeoPlay E8 von Bang & Olufsen hat mich als Pendler, der jeden Tag zwei Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln verbringt, daher entsprechend skeptisch gemacht.

Hier geht‘s zum Produkt. 

Knackpunkt Akkulaufzeit
Tatsächlich ist die Akkulaufzeit der dänischen Stöpsel mit bis zu vier Stunden eher enttäuschend. Immerhin bis zu zwölf Stunden sind drin, wenn man von der Ladeschale Gebrauch macht, die zugleich als Transportcase dient. Die verfügt nämlich über einen integrierten Akku. Wer die Stöpsel also gerade nicht braucht, packt sie ins Case, wo sie magnetisch an Ort und Stelle gehalten werden, und kann sie während des Transports aufladen. 20 Minuten im Case entsprechen laut Bang & Olufen ca. einer Stunde Wiedergabezeit. Nach zwei Stunden soll der Kopfhörer vollständig geladen sein.

Und dennoch: Im Vergleich zu "normalen" Drahtlos-Stöpseln, die per Kabel oder Bügel miteinander verbunden sind und mitunter auf über 20 Stunden Laufzeit kommen, bleibt die geringe Laufzeit des wahrhaftig drahtlosen BeoPlay E8 konstruktionsbedingt zweifelsohne ein Manko. Die Stöpsel haben dafür andere Qualitäten. Erwartungsgemäß hoch ist die Verarbeitungsqualität; das von Leder, Aluminium und Edelstahl geprägte Design skandinavisch schlicht, aber elegant.

Touch-Bedienung
Auch der Tragekomfort überzeugt: Nicht zuletzt dank vier beiliegender, verschieden großer Passstücke, sitzen die Stöpsel fest im Ohr. Beim Sporteln würde ich sie dennoch nicht tragen – zu groß wäre die Angst, die jeweils lediglich rund sieben Gramm schweren Ohrhörer zu verlieren. Die Bedienung per Geste auf den Touch-Ohrmuscheln bedarf einer gewissen Eingewöhnung, geht dann aber leicht von der Hand – manchmal zu leicht. Denn ob Play/Pause, Skip, lauter (rechten Stöpsel gedrückt halten), leiser (linken Stöpsel gedrückt halten) oder das Annehmen bzw. Abweisen eines Anrufs: Der BeoPlay E8 reagiert sehr sensibel auf Eingaben, sodass man nicht selten über das eigentliche Ziel hinausschießt.

Mitunter wäre irgendeine Form des Feedbacks - haptisch oder auditiv - daher wünschenswert, um zu wissen, was man da eigentlich gerade drückt. Bis heute habe ich nicht herausgefunden, wie sich die Stöpsel eigentlich ausschalten lassen. Oder ob. Ich gehe davon aus, dass das Zurücklegen ins Case einem Ausschalten gleichkommt, die tatsächliche Gewissheit darüber, wie sie mir ein physischer Schalter geben würde, habe ich aber nicht. Eine Status-LED gibt es zwar, doch die ist nicht gerade prominent platziert.

Guter Klang, verbesserungswürdige App
Beim Wesentlichen, dem Klang, kann der BeoPlay E8 dagegen punkten. Für ein Paar In-Ears liefert er einen erstaunlich dynamischen Klang, der gleichermaßen satt wie differenziert ist und damit unterschiedlichste Genres stilsicher meistert. Wer dennoch nicht zufrieden ist, kann den Klang über die dazugehörige BeoPlay-App anpassen und zwischen den Spannungspolen "Warm", "Hell", "Entspannt" und "Aufregend" verschieben. Zumindest theoretisch. Denn die Änderungen sind derart subtil, dass sie kaum ins Gewicht bzw. Gehör fallen.

Auch ein Firmware-Update wollte nicht gelingen. Die Verbindung vom Smartphone zu den Stöpseln wurde jedes Mal vor dem Installationsversuch unterbrochen. Hier herrscht also definitiv noch Nachholbedarf.

Der sogenannte Transparency-Modus macht dagegen, was er verspricht: Er lässt auf Knopf- bzw. Ohrmuscheldruck Umweltgeräusche durch. Wie stark der Filter wirkt, lässt sich ebenfalls per App definieren. So lässt die Einstellung "Social" beispielsweise zu gleichen Teilen Musik und Geräusche von außen ans Ohr, während das Pendler-Preset den Träger akustisch abschottet.

Fazit
In puncto Klang, Design, Verarbeitung und Tragekomfort kann der BeoPlay E8 voll und ganz überzeugen. Akkulaufzeit, Bedienung und App bieten dagegen Verbesserungspotenzial, zumal die wirklich und wahrhaftig drahtlosen Stöpsel mit einer UVP von 299 Euro beileibe kein Schnäppchen sind. Angesichts dieses Preises stellt sich denn auch die Frage, worin der Vorteil der kabellosen Bauweise eigentlich liegt. Sofern Größe und Gewicht nicht ausschlaggebend sind, würde ich fürs gleiche Geld beispielsweise dem Bluettooth-Bügelkopfhörer H4 von Bang & Olufsen den Vorzug geben. Der hat den besseren Klang und liefert im Drahtlos-Betrieb bis zu 19 Stunden Musikunterhaltung am Stück. Danach kann er ganz klassisch weiterbetrieben werden – per Kabel.

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle

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