23.04.2009 15:16 |

Verwirrend schnell

Ducati GP9 ohne Rahmen, aber der ist aus Carbon

MotoGP-Motorräder gehören zum Ärgsten, was auf zwei Rädern (im Kreis) herumfährt. Das Geheimnis der Ducati GP9 ist ein total Spezialisches: Die MotoGP-Desmosedici hat keinen Rahmen, aber der ist aus Carbonfaser. Klingt komisch, ist aber so.
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Ducati spricht von Carbonfaser-Monocoque-Rahmen, nimmt das aber gleich wieder zurück, denn tatsächlich hat die GP9 keinen Rahmen im herkömmlichen Sinne. Braucht sie auch nicht, weil im Prinzip der Motor dessen Aufgabe übernimmt. Er ist das zentral Element, in dem die Elemente Hauptrahmen, Heckrahmen und Schwinge verankert sind.

Der Motor und seine Rahmenhandlung
Bereits bei der GP3 war die Schwinge im Motorblock gelagert. Schwingenlager, Dämpfer und Umlenkung waren ausschließlich am Motor befestigt, kein Rahmenteil hatte etwas zu tragen. Haupt- und Heckrahmen waren allerdings tragend miteinander verbunden.

Bei der GP7 war der Hauptrahmen erstmals vollkommen vom Heckrahmen getrennt, der Motor diente nun als zentrales tragendes Element. Der Hauptrahmen lieferte nur die Verbindung von Motor und Steuerkopf. Der Heckrahmen verband den Motor mit Schwinge, Sitzbank und Fußrasten. Die beiden Rahmen konnten auf diese Weise kleiner und leichter ausfallen.

Rahmen? Wer braucht einen Rahmen?
Bei der GP9 ist der Hauptrahmen nun erstmals aus Carbon, existiert aber eigentlich nicht einmal, sondern ist in Wahrheit der Luftfilterkasten (Airbox), also ein gewaltiger, steif dimensionierter Hohlkörper, weshalb es zur Bezeichnung Monocoque kommt (der Hohlkörper ist natürlich nicht so groß wie in einem Formel-1-Auto, aber da muss ja auch der Fahrer reinpassen). Diese Lösung macht nicht nur den Rahmen noch leichter, sondern erlaubt auch eine strömungstechnisch und in Bezug aufs Volumen besonders effiziente Airbox, die nun nicht mehr durch Rahmenteile konstruktiv begrenzt wird.

Der besondere Clou besteht aber darin, dass es durch die Carbonfaser-Technologie möglich ist, verschiedene Airboxen mit unterschiedlichen Steifigkeits- und Torsionswerten anzufertigen und zwar einzig und allen durch die Qualität, die Menge und die Ausrichtung der verwendeten Rohfasern. Alles auf ein und demselben Fertigungswerkzeug und daher zu verhältnismäßig sehr geringen Kosten. Übrigens ist auch die Schwinge inzwischen eine komplette Carbon-Konstruktion und unterliegt denselben Gestaltungs-Möglichkeiten.

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