Mo, 20. August 2018

Privatbank gerettet

18.10.2008 08:52

Fünf Banken übernehmen Constantia Privatbank

Die Constantia Privatbank (CPB) wird aufgrund eines "drohenden Liquiditätsengpasses" von fünf heimischen Banken komplett übernommen. UniCredit Bank Austria, die Erste Group, die Raiffeisen Zentralbank, die Österreichischen Volksbanken und die BAWAG-P.S.K. AG übernehmen um kolportierte 400 Millionen Euro 100 Prozent der Constantia. Weitere 50 Millionen Euro kommen von der Österreichischen Nationalbank. Die Republik Österreich haftet im Rahmen des derzeit als Regierungsvorlage vorliegenden und im Parlament zu beschließenden Finanzmarktstabilitätsgesetzes. Wie am Freitag bekannt wurde, ist das Geldinstitut vor kurzem ins Visier der Staatsanwaltschaft Wien geraten: Es laufen Erhebungen wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation.

Die Constantia Privatbank mit etwa zehn Milliarden Euro Kundenvermögen ist der erste Nutznießerin des noch nicht einmal formal beschlossenen Banken-Pakets.

Als Grund für die kurzfristig bedrohte Existenz des Finanzinstituts nennt CPB-Sprecher Thomas Brey "massive Liquiditätsabflüsse in den vergangenen Tagen". Die wohlhabenden Kunden der Bank hatten ihre Gelder im großen Stil abgezogen. Das genaue Volumen ist nicht bekannt, soll sich aber im Ausmaß der nun zugeschossenen Liquidität - insgesamt 450 Millionen Euro - bewegen. Die Eigenkapitalausstattung der Bank ist an sich gut.

"Rufschädigende Gerüchte"
"Faktum ist, dass die Bank bis vor wenigen Tagen keinerlei Liquiditätsprobleme hatte. Dann kam es zu einer Verbindung der sich weiter verschärfenden Finanzkrise und rufschädigender Gerüchte und in weiterer Folge zum Abfluss von Liquidität", bestätigte Brey am Freitag. Dieses Problem sei nun mit der sehr starken neuen Eigentümerstruktur gelöst. Es habe zuletzt "eine gesunde Bank mit vernünftiger Liquiditätsausstattung gegeben, die erst abgeschmolzen ist, als die Bank ins Gerede gekommen ist", so Brey.

Vertrauensverlust der Kunden
Der Bank das Genick gebrochen hat der Vertrauensverlust der Kunden, den intransparente Zahlungsströme innerhalb der börsenotierten Immobiliengesellschaften Immofinanz und Immoeast unter deren im Oktober zurückgetretenen Chef Karl Petrikovits ausgelöst haben. Für beide Gesellschaften gab es einen Managementvertrag mit der CPB, der gelöst wurde und sich im Prozess der Abspaltung befindet.

An die Staatshaftung seien "keine Bedingungen geknüpft", sagte der Sprecher des Finanzministers, Jürgen Beilein. Die Übernahme der Haftung über 400 Millionen Euro erfolge auf Basis des Gesetzes, das erst in Form eines Entwurfs vorliegt und kommenden Montag beschlossen werden soll. Die von den fünf Banken auf die Beine gestellte Gesellschaft müsse lediglich "ein Haftungsentgelt entrichten, das noch festzusetzen ist", hieß es aus dem Finanzministerium.

Stillschweigen über genaue Aufteilung
Über die genaue Aufteilung des 100-Prozent-Anteils wurde Stillschweigen vereinbart, sie soll aber nach der Größe der fünf beteiligten Banken gestaffelt sein. Die Transaktion erfolgte unter der Federführung der zur italienischen UniCredit gehörenden Bank Austria. Die bisherigen Eigentümer waren im Wesentlichen Stiftungen, die der Tochter des im Jahr 2000 verstorbenen Industrie-Tycoons Herbert Turnauer, Christine de Castelbajac, und ihrer Familie zugerechnet werden.

Über die in Amsterdam ansässige Constantia Packaging B.V.hielt Castelbajac die Anteile sowohl an der Constantia-Packaging-Gruppe als auch der Constantia Privatbank (CPB). Der Constantia Packaging B.V. wurde laut Firmenbuch der überwiegende Anteil an der CPB (90,86 Prozent) zugerechnet. Weitere fünf Prozent gehören der Constantia AG, 4,4 Prozent direkt Christine de Castelbajac.

Staatsanwalt ermittelt wegen Bilanzmanipulation
Wie am Freitag bekannt wurde, ist die Constantia Privatbank vor kurzem ins Visier der Staatsanwaltschaft Wien geraten: Es laufen Erhebungen wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation. Eine entsprechende Anzeige der Finanzmarktaufsicht (FMA) sei vor eineinhalb Wochen eingelangt. "Die Erhebungen haben gerade erst begonnen", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch. Weitere Entwicklungen könnten noch nicht bekanntgegeben werden.

Der Vorstandschef der Privatbank, Karl Petrikovics, der im Oktober auch von seiner Funktion als Chef der Immobiliengesellschaften Immoeast und Immofinanz zurückgetreten ist, ist bei der Constantia per Ende Juni nicht mehr im Amt. Derzeit besteht der Vorstand aus den beiden Mitgliedern Karl Arco und Norbert Gertner. Der Aufsichtsrat der CPB werde demnächst verändert, um den neuen Eigentumsverhältnissen Rechnung zu tragen, so Unternehmenssprecher Thomas Brey. Bis zuletzt war Prinz Michael von und zu Liechtenstein der Vorsitzende.

Immofinanz-Aktien bei Constantia-Töchtern geparkt?
In der Anzeige bei der Staatsanwaltschaft geht angeblich um rund 40 Millionen Immofinanz-Aktien, die bei drei Tochtergesellschaften der Constantia geparkt worden sein sollen. Die Bank habe diese Papiere mit einem Darlehen der Immofinanz erworben. Es gilt die Unschuldsvermutung. Die Gruppe weist die Vorwürfe zurück.

In der Sachverhaltsdarstellung der FMA geht es allgemein um den Vorwurf der Bilanzfälschung (§ 255 Aktiengesetz), die konkreten Personen sind laut Staatsanwaltschaft noch nicht genannt.

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