Mo, 20. November 2017

Chronische Urtikaria

06.11.2017 16:05

„Die Quaddeln juckten unerträglich …“

Stefanie Karlovits litt zwölf Jahre an immer wiederkehrendem, plötzlichem Nesselausschlag, der ihr Leben massiv beeinträchtigte. Dank eines neuen Arzneimittels ist sie nun seit fast sechs Monaten beschwerdefrei.

"Ich war 15 Jahre alt, da habe ich ganz plötzlich stark juckende Quaddeln an den Oberschenkeln bekommen. Mein damaliger Hautarzt hat vermutet, dass ich Orangensaft nicht vertragen hätte", erzählt Stefanie Karlovits. Irgendwann war der Ausschlag wieder verschwunden, dann tauchte er erneut völlig unvermutet auf. Verschriebene Cremen (ohne Cortison) brachten keinen Erfolg. Von da an nahm sie im Akutfall immer Antihistaminika (Arzneistoffe, welche die Wirkung des körpereigenen Botenstoffs Histamin abschwächen oder aufheben). "Mit 18 Jahren, kurz nach der Matura, hatte ich plötzlich einen ganz schlimmen Anfall. Dieses Mal traten die Ödeme auch noch am Hals und im Gesicht sowie am ganzen Körper auf. In einem großen Spital verschrieben sie mir andere Antihistaminika, die ich viermal pro Tag nahm, aber es tat sich nichts", berichtet die Südburgenländerin.

Schwierige Studienzeit
Die ersten Monate als Jus-Studentin waren dann ein ständiges Pendeln zwischen der Uni und dem Spital. "In den Vorlesungen wurde ich zum Teil angestarrt, weil meine Haut so komisch aussah, auch meine Lippen wurden oft bamstig. Und dazu noch der Juckreiz...", erinnert sich die heute 27-Jährige, die aufgrund der Umstände nach zwei Jahren auf ein berufsbegleitendes BWL-Studium umstieg. Auch abends wegzugehen machte ihr nur wenige Freude, aus Angst, der Ausschlag würde wieder spontan auftreten. Schließlich vermutete man eine Allergie auf ein bestimmtes Medikament, was sich aber als falsch herausstellte, außerdem suchte man in ihrem Körper nach möglichen Entzündungsherden. Auch die - ohnehin durch Angina angegriffenen - Mandeln wurden entfernt. Nichts half wirklich und andauernd. "Ihre immer wiederkehrenden Ausschläge sind psychischer Natur", sagten ihr die Ärzte schließlich. "Ab diesem Augenblick waren Antihistaminika meine ständigen Begleiter, wenn ich außer Haus ging", so Stefanie Karlovits. "Ich bekam direkt Panik, wenn ich diese zufällig nicht dabei hatte. Kein schönes Gefühl." Außerdem probierte sie einige alternativmedizinische Behandlungen aus - alle ohne Erfolg. Ihre Lebensqualität wurde immer schlechter.

Die folgenden Jahre waren geprägt von viermal täglicher Antihistaminika-Einnahme und bekannten Nebenwirkungen wie starker Müdigkeit. Trotzdem traten zwei- bis dreimal pro Woche erneut Quaddeln und Juckreiz auf. "Zwischen 2013 und 2015 gab die Erkrankung schließlich etwas Ruhe", schöpfte die Hobby-Reiterin Hoffnung. Immer wieder wurden Allergien und Intoleranzen ausgetestet, die genaue Ursache ihrer "chronisch spontanen Urtikaria" blieb aber unentdeckt. Im Dezember 2016 kam es wieder zu einem starken Anfall, tagelang quälten sie juckende Ausschläge. Im Spital bekam sie zum ersten Mal Cortison verabreicht. Ab diesem Zeitpunkt schluckte sie fünf Monate lang dreimal täglich Cortisontabletten in hoher Dosierung. "Bald war mein Gesicht total aufgeschwemmt, außerdem habe ich 11 Kilo zugenommen", erzählt die Angestellte der burgenländischen Landesregierung. Jeder Versuch, das starke Medikament wieder abzusetzen, scheiterte aufgrund der unangenehmen Folgen.

Endlich beschwerdefrei!
Diesen Frühling hat sie ihr Hausarzt auf ein neues Medikament aus der Gruppe der Biologika aufmerksam gemacht. Dann ging alles schnell: Die Betroffene suchte die Wiener Hautärztin Univ.-Prof. Dr. Tamara Kopp auf, die an der Studie beteiligt war. "Nach eingehender Untersuchung und Beratung war klar, dass Stefanie Karlovits für die Therapie infrage kommt", so die Fachärztin. Etwa drei Wochen wartete die Patientin dann noch "mit klopfendem Herzen" darauf, dass der Chefarzt die Behandlung auf Kassenkosten genehmigt. Dann war es endlich so weit: "Bereits vier Tage nach der ersten Injektion hatte ich keine Symptome mehr. Das ist jetzt fast sechs Monate her", freut sich die 27-Jährige. Sie ist erleichtert, kein Cortison mehr einnehmen zu müssen. Seitdem kommt sie einmal pro Monat zur Kontrolle und Behandlung - pro Besuch erhält sie zwei Injektionen - zu Prof. Kopp. "Bald steht ein Auslassversuch an. Dann testen wir, ob die Patientin in Zukunft ohne das Biologikum auskommt", so die Expertin.

Mag. Monika Kotasek-Rissel, Kronen Zeitung

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