Sa, 18. November 2017

Schock in Hainburg

06.05.2011 16:51

„Die Sperre der Zigarettenfabrik ist uns unbegreiflich!“

Einst der Stolz der Gemeinde, bald eine Industrieruine - mit einem Federstrich haben die Manager eines japanischen Großkonzerns die Zigarettenproduktion in Hainburg eingestellt. 240 Jobs sind damit Geschichte. Bürgermeister Karl Kindl ist erschüttert: "Zu den Problemen der betroffenen Familien kommt noch, dass wir um eine halbe Million Euro Kommunalsteuer umfallen werden." Er kündigte ein Krisengespräch mit der Landesregierung an. Die "Krone" hörte sich vor Ort um.

Johann Ring, Pensionist: "Hier geht es doch nur um Gewinnoptimierung, für die der kleine Mann wieder einmal die Zeche zahlt. Zigaretten werden immer gefragt sein, daran besteht doch kein Zweifel. Für mich gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum sich die Firma aus Hainburg zurückzieht. Ich hoffe, dass die Mitarbeiter schnell neue Jobs finden."

Ewald Bergmann, Gemeindeangestellter: "Diese Entscheidung hat schwere Auswirkungen auf die ganze Region. Durch die drohende Absiedlung des Betriebes geht einerseits eine Menge an Kaufkraft verloren. Andererseits ist zu erwarten, dass viele der Betroffenen die Stadt leider komplett verlassen, wenn sie sich einen neuen Arbeitsplatz suchen."

Ingeborg Elsner, Pensionistin: "Ein harter Schlag für unser Hainburg! Als Anrainerin habe ich zwar schon sehr unter dem Lärm der Lastwagen gelitten. Jetzt tun mir aber die vielen jungen Leute leid, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Da sind viele Existenzen gefährdet – und das nur, weil ein riesiger Konzern seinen Gewinn noch vergrößern möchte."

Eva Baur, Trafikantin: "Mein Sohn ist seit 9 Jahren in der Austria Tabak beschäftigt, ich mache mir Sorgen um ihn. Unser Problem in der Region ist, dass viele in Bratislava Billig-Zigaretten einkaufen."

Josef Sovka, Pensionist: "Ich war zehn Jahre im Werk beschäftigt und bin erschüttert. Wahrscheinlich kassierten die Besitzer auch noch Förderungen, ehe sie sich jetzt nach Polen verabschieden."

Kronen Zeitung

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