Mo, 19. Februar 2018

Fans als Kiebitze

05.04.2011 13:02

Stimmung wie im Fußballstadion beim Kartnig-Prozess

Nach zwei Wochen Pause ist der Prozess gegen Hannes Kartnig am Dienstag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden. Am mittlerweile achten Verhandlungstag stand aber nicht die Anklage gegen den Ex-Präsidenten von Sturm Graz und seine sieben Mitbeschuldigten im Vordergrund, sondern ein Disput zwischen Verteidiger, Staatsanwalt und Richter.

Die ersten sieben Verhandlungstage waren - abgesehen von einigen lautstarken Auftritten von Hannes Kartnig - großteils ruhig verlaufen. Und eigentlich hätte die Befragung des siebenten Angeklagten am Dienstag nicht gerade viel Zündstoff geboten, doch ausgerechnet bei ihm kippte die Stimmung.

Alles begann ganz harmlos
Zunächst begann es harmlos, das frühere Vorstandsmitglied bekannte sich ebenfalls nicht schuldig und schob alle Verantwortung auf Kartnig. Er sei ein "Sonnenkönig" gewesen, alle anderen neben ihm nur "Marionetten". Er selbst habe in den finanziellen Bereich des Vereins keinen Einblick gehabt, betonte der Angeklagte. Von Schwarzzahlungen wusste er laut eigenen Angaben nichts.

Wilde Debatte wegen simpler Frage
An der simplen Frage, ob er an einer Stelle von Schilling oder Euro gesprochen hatte, entzündete sich schließlich eine heftige Auseinandersetzung. Verteidiger Richard Soyer wollte diese Passage vom Verhandlungsmitschnitt vorspielen lassen, doch Richter Karl Buchgraber erklärte, das ginge nicht, da erst alles auf CD gebrannt werden müsse. Doch Soyer bestand wiederholt darauf - und handelte sich damit eine Verweisdrohung des Richters ein. Staatsanwalt Johannes Winklhofer mischte sich sichtlich genervt ein und befragte einfach den Angeklagten ein zweites Mal, was dem Verteidiger aber ebenfalls missfiel.

Fans feiern den Richter
Als der Richter die strittige Passage dann auf seinem Diktiergerät vorspielte, brach das Publikum, das offenbar hauptsächlich aus Sturm-Fans bestand, in lautes Klatschen aus. Nicht nur, dass der Richter dem keinen Einhalt gebot, er legte auch noch ein paar launige Bemerkungen nach, die ihm wiederum Applaus eintrugen. Schließlich wurde es Verteidiger Soyer zu viel und er bat um Protokollierung der Tatsache, dass der Richter diese Beifallskundgebungen zugelassen hatte. "Was soll ich protokollieren, es gibt ja keinen geraden Satz", meinte der Richter, was wiederum Applaus nach sich zog und den Anwalt nachhaltig verstimmte.

Über der ungezügelten Fußballstadion-Stimmung wurde fast auf die weitere Befragung des Angeklagten vergessen. Am Mittwoch wird der Prozess fortgesetzt.

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