Sa, 18. November 2017

„Gegner unwichtig“

23.06.2008 15:28

Die Spanier wollen jetzt ins Finale

Irgendwo im Happel-Stadion saß verdattert das kleine Gespenst. Eigentlich hätte das "Fantasma des Viertelfinales" ja am Sonntagabend wieder den Spaniern zu fast mitternächtlicher Stunde den Weg nach Hause weisen wollen, dann aber wurde es von Tormann Iker Casillas verscheucht. Nach dem 4:2 im Elferschießen in ihrem EM-Viertelfinalspiel gegen Italien in Wien war im Lager der Spanier die Erleichterung spürbar. Das Match gegen den Fluch des 22. Juni (Spanien schied an diesem Tag bereits dreimal bei EM- oder WM-Turnieren im Elferschießen aus) wurde gewonnen und Teamchef Luis Aragones ist davon überzeugt, dass seine Mannschaft ins Finale kommt.

Aragones wollte nach dem ersten Einzug in ein EM-Halbfinale seit 1984 (das Finale ging damals 0:2 gegen Gastgeber Frankreich verloren) nichts beschönigen: "Wir haben keinen großartigen Fußball geboten, aber die Italiener auch nicht. Das Tempo war eher niedrig, wenn wir schneller gespielt hätten, hätten wir mehr Chancen erarbeitet. Italien hat nur mit hohen Bällen operiert. Aber wir hatten drei, vier Möglichkeiten. Wir waren ein wenig frischer, aber sind nicht schnell genug mit dem Ball gewesen und haben ihn einige Male auch leichtfertig verloren."

Tatsächlich schien es, als hätten sich Italien und Spanien im Prater tempomäßig an das dort gemeinhin übliche Niveau angepasst. Allerdings steckt die EURO den Teams nunmehr bereits ein wenig in den Knochen. Daher sieht Aragones auch den Halbfinalgegner Russland wegen des dortigen Meisterschaftsrhythmus' leicht im Vorteil: "Für Russlands Fußball ist das die bisher beste Zeit. Die Spieler stehen derzeit in ihrer Saison am Höhepunkt. Gegen die Niederlande waren sie in der Verlängerung überragend."

Mehr Erholung für die Russen
Zudem genießt diesmal die Mannschaft des niederländischen Trainers Guus Hiddink den Vorteil, vor dem Halbfinale am Donnerstag, das wieder in Wien stattfinden wird, einen Tag mehr Erholungspause zu haben. Gegen die Italiener war dies den Spaniern beschieden gewesen. Aragones jedenfalls wurde bereits am Sonntagabend nicht müde, vor dem Semifinalgegner zu warnen. Selbst wenn dieser in der Gruppenphase in Innsbruck bereits einmal 4:1 abserviert worden war. "Viele meinen, es wird einfach. Aber es wird sehr schwer für uns werden."

Allerdings ist Aragones auch vom Siegeswillen seiner Truppe überzeugt: "Dieses Team will ins Finale und dort auch gewinnen." Das soll auch weiterhin mit den bisher erfolgreichen Mitteln geschehen: "Wir haben unsere Art und Weise zu spielen und die wird sich nicht ändern. Der Gegner ist nicht so wichtig. Man muss nur herausfinden, wie man ihn stoppen kann."

Kein Glückstaumel bei Aragones
Er selbst aber verfalle nun wegen des Aufstiegs nicht in einen Glückstaumel, stellte Aragones klar: "Ich mache nur meine Arbeit und das ist, zu gewinnen. Für Spanien ist das wichtig. Ich bin nicht depressiv, wenn wir verlieren und nicht euphorisch, wenn wir gewinnen. Ich bin glücklich für mein Land, für meine Spieler und auch für mich, weil das meine Profession ist."

Seinen Job erledigte am Sonntag auch Iker Casillas, Spaniens Held im Penalty-Schießen: "Ich hatte gute und schlechte Erinnerungen an Elfmeterschießen. Ich habe mich erinnert, dass wir bei der WM 2002 Irland ausgeschaltet, und danach gegen Südkorea verloren haben. Diesmal hatten wir wieder Glück." Dass dieses aber ein Vogerl ist, das einmal hier und dann wieder dorthin fliegt, wissen die Spanier ohnehin am besten...

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