Di, 12. Dezember 2017

Fußball-Krieg

06.06.2008 09:10

Polnische Zeitung köpft Ballack und Löw

Wenige Tage vor dem EM-Spiel Deutschland gegen Polen sorgt eine geschmacklose Fotomontage der polnischen Boulevardzeitung "Super Express" für helle Empörung bei unseren Nachbarn. Das Bild auf dem Titelblatt zeigt die abgeschlagenen Köpfe von Kapitän Michael Ballack und Trainer Joachim Löw in den Händen des polnischen Trainers Leo Beenhakker. Doch der "Super Express" ist hinsichtlich Geschmacklosigkeit nicht alleine: Eine weitere Montage, die die Zeitung "Fakt" abdruckte, stellt Ballack als Soldat aus dem Ersten Weltkrieg dar...

Leo Beenhakker hat sich von den Bilder umgehend distanziert. "Das zeigt, dass es überall auf der Welt kranke Leute gibt", so der niederländische Trainer der Polen. Auch Politiker sind entsetzt: "Ein einziger Skandal, absolut unterirdisch", sagte der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestags, Peter Danckert. "Ich hoffe, dass die polnische Regierung angemessen darauf reagiert", forderte Danckert. Der FDP-Sportpolitiker Detlef Parr sagte, er werde die "Geschmacklosigkeit" beim Besuch des Sportausschusses am 10. Juni in Warschau zur Sprache bringen.

Die Zeitung "Fakt" zeigte Beenhakker in Anspielung auf die Schlacht in Grunwald, als ein polnisches Heer 1410 den deutschen Ritter-Orden schlug, mit einem Schwert bewaffnet auf Ballack losgehend. Auch Polens Ex-Teamchef Zbigniew Boniek preschte in der polnischen Ausgabe der "Times" vor: "Die polnischen Spieler sind 16 Mal intelligenter als die deutschen". Sollte das polnische Team gewinnen, werde er vor Freude eine Runde um den Häuserblock laufen, kündigte der WM-Dritte von 1982 an.

Unverständnis bei der UEFA
Die ungustiöse Berichterstattung stößt auch bei der UEFA auf Unverständnis. "Das ist sicherlich nicht etwas, was wir begrüßen. Die Leute sollten über das Turnier und über Fußball reden. Wir wussten seit der Auslosung, dass diese Begegnung eine gewisse Brisanz mit sich bringt. Aber es gibt eine Grenze bei der Rivalität. Wir hoffen, dass das Geschehen auf dem Platz im Mittelpunkt stehen wird", sagte UEFA-Sprecher Robert Faulkner am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Basel.

Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Sonntagabend in ihrem ersten Spiel der EURO 2008 in Klagenfurt auf die Polen. Für Polen wäre ein Erfolg gegen Deutschland eine Premiere. In 15 Spielen setzte es bisher elf Niederlagen und nur vier Remis. Nach dem letzten Vergleich, einer durch ein Tor von Oliver Neuville in der 93. Minute besiegelten 0:1-Niederlage in Dortmund, verabschiedete sich die "Kadra" 2006 endgültig aus dem WM-Turnier.

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