Mit angespannter Vorfreude sind Österreichs Abfahrer Vincent Kriechmayr und Daniel Hemetsberger nach Bormio aufgebrochen. Dass die Piste mutmaßlich weniger eisig sein dürfte, ist Kriechmayr laut eigener Aussage „komplett egal. Ich habe genug ‘Salzlettn-Rennen‘ auch schon gewonnen und es oft auf eisigen Pisten verkackt.“
„Ich bin gespannt, wie die Atmosphäre während der Olympischen Spiele dort ist. Ich kenne es aus dem Weltcup im Dezember nach Weihnachten, da rührt sich nicht so viel“, sagte Kriechmayr. Ob der Zeitplan mit drei Trainings ab Mittwoch und der Abfahrt am Samstag hält, ist angesichts von prognostizierten Schneefällen fraglich.
Auch unabhängig von der Wetterlage gehört die Piste „Stelvio“ zu den schwierigsten Strecken im Weltcup, sie lebt von einem brutalen Rhythmus, der wenig Zeit zum Durchatmen bietet. „Wir gehen alle davon aus, dass die Lichtverhältnisse viel besser sind, was die Stelvio schätzungsweise ein bisschen entschärfen wird. Weil das ‘Nix-Sehen‘ macht es ganz schön zach“, sagte Hemetsberger.
Österreichs Top-Duo rechnet sich anhand der Strecken-Charakteristik einiges aus auf der Klassiker-Strecke. „Wir verlieren eher in den flacheren Passagen die Zeit, nicht in den schweren“, erinnerte Hemetsberger. Ein längeres, klassisches Gleitstück gibt es auf der Stelvio nicht. Seit 2018 schaffte es an jedem Bormio-Wochenende zumindest ein ÖSV-Athlet in Super-G oder Abfahrt auch aufs Podest.
Kriechmayr noch ohne Olympia-Medaille
Kriechmayr geht bei seinen dritten Winterspielen auf seine erste Olympia-Medaille los. Bisher stehen die Ränge 5, 6 (Super-G), 7 und 8 (Abfahrt) zu Buche. Nach dem verpatzten Kitzbühel-Wochenende sah der Teamleader keine Veranlassung zur Euphorie. Er versuchte zuletzt beim Training in der Heimat, sich das Vertrauen zurückzuarbeiten, um wieder „voll attackieren“ zu können. Im Wohnzimmer des Südtirolers Dominik Paris (7 Bormio-Siege, 6 allein in der Abfahrt) stand der 33-Jährige bereits sechsmal am Weltcup-Podest.
Begleitet wird er auf der letzten olympischen Mission vom Fanclub und der Familie seiner Frau Michaela. Viel Interaktion wird es vorerst aber nicht geben. „Ich werde nicht viel Zeit haben für die Leute, der Fokus ist ein anderer. Es geht ja ziemlich schnell zur Sache“, sagte Kriechmayr. Die Abfahrt am Samstag (11.30 Uhr/live im sportkrone.at-Ticker) eröffnet die olympischen Bewerbe in der Sparte Ski alpin. Der Super-G ist für Mittwoch (11. Februar) angesetzt.
Ich werde nicht viel Zeit haben für die Leute, der Fokus ist ein anderer. Es geht ja ziemlich schnell zur Sache.
Vincent Kriechmayr
„Von meiner Familie wird keiner antanzen“, erklärte Hemetsberger angesichts von saftigen Ticketpreisen. Seine Vorfreude auf seinen zweiten Olympia-Einsatz schmälert das nicht. „Ich hatte natürlich das Glück, schon in Peking dabei zu sein. Aber es war mitten in Corona, viel Zeitverschiebung, die meisten Bewerbe waren von den Fernsehzeiten her in der Nacht.“ Das ist nun völlig anders. „Mitteleuropäische Zeit, kein Jetlag, Essen super – ich freue mich einfach nur.“
Hemetsberger will es einfach halten
In Peking 2022 wurde Hemetsberger Abfahrts-21. „Wenn du dich darauf fokussierst, dass es die Chance ist, die nur alle vier Jahre kommt, dann lädst du dir selbst sehr viel Druck auf. Ich werde versuchen, es runterzubrechen. Was habe ich zu tun an diesem Tag? Dann Vollgas und hoffentlich ein guter Erfolg bei Olympia“, sagte Hemetsberger. „Wir freuen uns und ich glaube, dass wir als Team schon mitspielen um die Goldmedaille.“ Bei der Generalprobe in Crans-Montana kam er über Platz 14 nicht hinaus. „Das Skifahren hätte ganz gut gepasst. Ich hoffe, dass es in Bormio etwas mehr zur Sache geht. Dass es glatter oder zumindest härter ist.“
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