Mercedes ohne Stern

Infiniti Q30: Die bessere und schönere A-Klasse?

Motor
14.03.2016 11:28

Infiniti kennt man eigentlich, wenn man so will, vom Nicht-Erkennen. Zu unscharf und unbekannt ist die Marke, zu selten sieht man ihre Fahrzeuge, zu sehr sieht etwa der Infiniti Q50 nach anderen Marken wie Mazda aus. Doch nun hat sich Nissans edle Ableger-Marke in die Kompaktklasse gewagt: Mit gelungenem Design und viel Feinarbeit haben die Japaner die Mercedes-A-Klasse verfeinert und als Infiniti Q30 auf den Markt gebracht.

(Bild: kmm)

Kein Mensch würde von außen darauf kommen, dass er technisch gesehen vor einer A-Klasse steht. Wo der Original-Mercedes (bzw. der Betrachter) ein wenig mit Langeweile zu kämpfen hat, zeigt der Infiniti, wie schnittig man einen Kompaktwagen zeichnen kann, ohne es zu übertreiben. Überhaupt sind Linien und Proportionen ein optischer Genuss, die flachen Seitenfenster mit dem zackigen Schwung hinten unterstreichen die sportliche Erscheinung.

Doch schon der Autoschlüssel verrät den Spender, ebenso Bedienelemente wie der Aufbau des Multifunktionslenkrads, die (auch hier zu hoch angebrachte) Blinkerbetätigung, die Schalterei in den Türen bis hin zur Tachoeinheit samt ihrer kompletten Logik. Der Innenraum an sich ist hingegen eigenständig, daher findet man auch das viel kritisierte aufgesetzte Display hier nicht. Stattdessen hat der Infiniti, was die A-Klasse nicht hat: einen Touchscreen, und der ist auch noch stimmig ins Armaturenbrett integriert. Was drauf zu sehen ist, hat Infiniti beigesteuert, das "Comand"-System bleibt der Marke Mercedes vorbehalten. Ein wenig ungewöhnlich, wie das im Q30 aufgebaut ist, aber nicht unübersichtlich. Mit dabei ist auch das Surround-View-System von Infiniti.

Die Sitzposition ist angenehm, etwas höher als in der A-Klasse, aber tiefer als im GLA, dessen Ableger als QX30 auch noch zu erwarten ist. Auf der Rückbank geht es sehr eng zu, vor allem im Kopfbereich.

Von wegen A-Klasse in neuem Gewand
Der Hersteller legt Wert darauf, dass man nicht einfach nur eine andere Karosserie auf die A-Klasse-Basis gesetzt hat, sondern mit den zugelieferten Komponenten etwas Eigenes kreiert hat. Das kann man auch bei kritischer Betrachtung so stehen lassen. Infiniti dürfte ausgesprochen viel Zeit auf Detailarbeit verwendet haben.

Subjektiv fühlt sich alles eine Spur souveräner an, eigentlich eine Mercedes-Domäne. Das Fahrwerk ist geschmeidig, der Q30 liegt satt auf der Straße, gleichermaßen sportlich wie komfortabel. Das Lenkgefühl ist solide und vertrauenerweckend und das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe arbeitet sanfter als im Original.

Fünf Vierzylinder-Turbo-Motoren zur Wahl
Bei den Motoren hat man nicht alle aus dem Daimler-Regal übernommen (wer braucht schon Basismotoren), es gibt einen 1,6-Liter-Benziner mit 122 und 156 PS, einen Zweiliter-Benziner mit 211 PS, einen 1,5-Liter-Diesel mit 109 PS sowie den im allradgetriebenen Testwagen verbauten 2,1-Liter-Diesel mit 170 PS (im Benz sind es 7 PS mehr). Infiniti schreib als Hubraumangabe 2,2 Liter aufs Auto, was bei 2143 cm³ aber etwas übertrieben ist. Im Test genehmigte sich der 1,6-Tonner 8,0 l/100 km (Normverbrauch 4,9 l/100 km), bietet aber auch durchaus ansprechende Fahrleistungen, in 8,5 Sekunden ist Tempo 100 erreicht.

Wenn der Selbstzünder mal warm ist, zeigt er gute Manieren und mit 350 Nm ab 1400/min. auch guten Durchzug. Im kalten Zustand dürfte er etwas zurückhaltender sein, schließlich schreibt Infiniti dem Q30 dick und fett Premium auf die Fahnen - und er wird bei den World Car Awards sogar in die Kategorie "World Luxury Car" eingeordnet (hat allerdings nicht die Top 5 erreicht).

Angetrieben werden grundsätzlich die Vorderräder, im stärksten Benziner ist Allrad obligatorisch, im starken Diesel optional.

Zur Sache der Kooperation
Ein Nissan ist ein Mercedes, weil ein Renault ein Mercedes wurde und ein Nissan ein Mercedes werden soll. Klar? Kurz: Der Mercedes Citan ist eigentlich ein Renault Kangoo und aus dem neuen Nissan Navara schnitzen sie beim Daimler gerade den ersten Pick-up. So arbeitet man über die Baureihen hinweg zusammen, so dass unterm Strich für alle was Gutes dabei herauskommt.

Die Preisfrage
Was darf eine japanische A-Klasse mit Premiumanspruch kosten? Nicht zu wenig auf jeden Fall, wenn das Konzept aufgehen soll und der Status Glaubwürdigkeit erhält. So liegen Infinitis Einstiegspreise leicht unter denen bei Mercedes. Je höher die Ausstattungsstufe, desto größer wird der Preisvorteil im Q30. Im Vergleich der eurasiatischen Brüder lassen sich aber auch noch jede Menge anderer Gründe für den Infiniti finden. Nur eines bekommt man hier nicht für Geld und gute Worte: einen Mercedesstern.

Warum?

  • Mutiges, frisches Design
  • Geschmeidig weiterentwickelt

Warum nicht?

  • Unbekannte Marke mit nur einem einzigen Händler in Österreich

Oder vielleicht …

… Mercedes A/GLA, BMW 1er, Audi A3

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(Bild: kmm)



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