Sa, 18. August 2018

24 Stunden im Dienst

18.11.2015 12:02

Digitale Schatten: Die Terror-Informatiker des IS

Die Anschläge von Paris haben einen neuen Aspekt des globalen Terrors aufgezeigt: Die IS-Dschihadisten haben gelernt, wie sie Überwachung im Netz umgehen und unter dem Radar der Behörden operieren. Erschreckend: Die US-Armee hat herausgefunden, dass die Terrororganisation nicht nur einzelne Attentäter schult, sondern über einen professionellen 24-Stunden-Technikdienst und Online-Anleitungen jedes einzelne Mitglied. Die IS-Informatiker machen Dschihadisten zu digitalen Schatten.

Terrorismusexperten der US-Armee haben entdeckt, dass der IS über einen rund um die Uhr mit erfahrenen IT-Experten bemannten Technikdienst verfügt, der Mitgliedern beibringt, wie sie unter dem Radar der Behörden operieren, und konkrete Hilfestellung leistet. Mindestens fünf bis sechs studierte Informatiker sollen für diesen Technikdienst im Einsatz sein - 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.

"Sie haben eine Reihe von Plattformen entwickelt, auf denen sie sich gegenseitig in IT-Sicherheit und im Umgehen geheimdienstlicher oder polizeilicher Überwachung schulen - zum Zweck der Rekrutierung, Propaganda und Operationsplanung", sagt Aaron F. Brantly von der Military Academy der US-Armee zum TV-Sender NBC. Die IS-Informatiker schulen über ihren "Helpdesk" technisch weniger versierte Mitglieder der Terrororganisation. Brantly: "Sie befähigen die gesamte Dschihadistengemeinschaft, am globalen Terror teilzunehmen."

IS-Informatiker erstellen Leitfäden und Tutorials
Die Informatiker des IS - sie arbeiten dezentral und auf der ganzen Welt - operieren am Puls der Zeit, informieren sich laufend über neue Verschlüsselungstechnologien, Kommunikations-Tools und Taktiken, mit denen sie ihren geheimdienstlichen Verfolgern einen Schritt voraus sein können. Sie erstellen Hunderte Seiten umfassende Leitfäden für die IS-Kämpfer, produzieren sogar Schulungsvideos und veröffentlichen diese auf YouTube. Die fünf bis sechs studierten IS-Informatiker, die den 24-Stunden-Notdienst betreuen, sollen dabei nur die Spitze des Eisbergs sein und über Helfer auf der ganzen Welt verfügen.

Für die Ermittler ist das digitale Aufrüsten der Terroristen eine echte Bedrohung. FBI-Boss James Comey erklärte kürzlich, dass er extrem besorgt über die Fähigkeit des IS sei, in den digitalen Untergrund abzutauchen. Er fordert: "Das FBI und alle Strafverfolgungsbehörden müssen die neuesten Kommunikationswerkzeuge verstehen und sich so positionieren, dass sie geplante Terroranschläge in ihrer Heimat identifizieren und verhindern können." Es wird also zum digitalen Wettrüsten zwischen den Terroristen und den Terrorbekämpfern kommen. Die Frage lautet: Wer gewinnt?

Aus dem Video-Archiv: "Anonymous-Hacker schwören Rache für Paris"

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