„Das Spiel stand an der Kippe!“ Die Grazer Polizei zieht Derby-Bilanz und rüstet sich mit einem Großaufgebot für Sturms Europacup-Match am Donnerstag gegen Olympique Marseille. Die UEFA warnt vor dem Hochrisikomatch.
Sportlich war das letzte Grazer Derby mit einem 6:1-Kantersieg von Sturm schnell erklärt und abgehakt, doch die Vorkommnisse abseits des Platzes werden uns wohl noch länger beschäftigen. Wie Stadtpolizeikommandant Thomas Heiland und seine Stellvertreterin und Einsatzleiterin vom Sonntag, Christine Krenn, am Mittwoch auflisteten, gab es insgesamt 133 Anzeigen – 18 davon strafrechtlich relevant, 115 nach Verwaltungsrecht.
Wiederbetätigung und drei Polizisten verletzt
Nur ein paar Beispiele: Drei Polizisten (aus Graz, Kindberg und Mariazell) erlitten vorm Stadion, als Pyrotechnik vom GAK-Fanmarsch in Richtung Sturm-Anhang geworfen wurde, ein Knalltrauma – hier wird also wegen Körperverletzung ermittelt. Diensthunde der Polizei wurden bei dieser äußert unnötigen Aktion übrigens nicht verletzt. Ermittlungen laufen aber auch noch gegen eine unbekannte Frau wegen Raub und gefährlicher Drohung, sie hatte einen Fanschal vom Hals ihres Opfers gerissen. Ein Mann muss sich hingegen nach dem „Hitlergruß“ wegen Wiederbetätigung verantworten.
Dass diesmal auch viele ausländische Fans an den Ausschreitungen beteiligt waren, blieb natürlich auch der Exekutive nicht verborgen: „Wir befinden uns diesbezüglich auch in einem guten Austausch mit unseren europäischen Kollegen – wir können aber unmöglich alle Privat-Pkw etwa aus Marburg an der Grenze kontrollieren“, ist Heiland ehrlich. Unter den angezeigten Personen befinden sich jedenfalls nicht nur „Gäste“ aus dem Ausland, sagt Krenn. „Das gilt für die Gruppe von rund 100 GAK-Fans, die wir nach dem Spiel eingekesselt haben, wie auch für eine Gruppe von Sturm-Fans.“
„Zum Glück ist es etwas besser geworden“
Krenn stellte vor dem Anpfiff gar die Absage des Derbys in den Raum, deshalb kam es auch zu einem Bundesliga-Meeting: „Weil beim Einlass der GAK-Fans sofort pyrotechnische Gegenstände in Richtung der Sturm-Sektoren geworfen wurden. Alle Seiten haben dann aber kalmierend eingewirkt, und zum Glück ist es auch wirklich etwas besser geworden.“ Dennoch wurde erstmals überhaupt der Stufenplan der Bundesliga, an dessen Ende die Absage steht, aktiviert – weil es mit Fortdauer der Partie auch immer wieder zum Abfeuern von pyrotechnischen Gegenständen und Böllern kam.
Kurz war auch die Räumung jenes GAK-Sektors angedacht, aus dem es immer wieder zu Störaktionen kam. „Das ist aber wirklich die Ultima Ratio, und man muss auch immer abwägen, ob das jetzt tatsächlich die beste Lösung ist“, versucht der Stadtpolizeikommandant das Vorgehen der Exekutive zu erklären. Die Polizei gibt sich aber auch offen für Verbesserungen: Etwa, dass es beim Derby künftig eine größere Pufferzone zwischen Schwarz und Rot gibt.
Wasserwerfer empfängt Marseille-Fans
Am Donnerstag ist die Exekutive jedenfalls wieder voll gefordert und mit einem Großaufgebot in der Stadt, auch der Wasserwerfer steht für den Fall der Fälle bereit. Sturm trifft in der Europa League auf den französischen Traditionsverein Olympique Marseille. Die UEFA stuft diese Partie als Hochrisiko-Spiel ein, die OM-Fans gelten als besonders gewaltbereit. 1000 Franzosen werden erwartet. Sie marschieren ab 15.30 Uhr von der Oper über Jakominiplatz, Conrad-von-Hötzendorf-Straße und Münzgrabenstraße zum Stadion. Hier kommt es immer wieder zu Behinderungen, Staus sind quasi garantiert.
Warum die Polizei es immer wieder erlaubt, dass Fans einen Marsch zum Stadion durchführen? „Weil es für uns ein einsatztechnischer Vorteil ist, wenn wir alle Fans im Corteo haben. Hier unterstützen uns auch immer wieder die ausländischen Kollegen, in diesem Fall eben die szenekundigen Beamten aus Frankreich“, erklärt Krenn, die auch am Donnerstag wieder Einsatzleiterin ist. So vermeidet man es laut Heiland auch, dass sich die ausländischen Fans in Kleingruppen über das ganze Stadtgebiet verteilen und so für Wirbel sorgen.
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