Harmlos aussehende E-Zigaretten können gefährlich sein: Im schlimmsten Fall landen Konsumenten im Krankenhaus. Berichte über sogenannte Baller-Liquids häufen sich vor allem in Deutschland. Doch auch in Österreich verbreitet sich der gefährliche Wirkstoff.
„Baller-Liquids“ enthalten synthetische Cannabinoide, die die Wirkung von Cannabis nachahmen. Diese sind allerdings deutlich stärker als „herkömmliches“ THC, wie es aus Hanfpflanzen gewonnen wird. Der Wirkstoff wird mit Vape-Flüssigkeit und Aromen vermischt. Deshalb gibt es, wie auch bei herkömmlichen E-Zigaretten, süße Geschmacksrichtungen wie Erdbeere oder Zuckerwatte.
Beim Inhalieren geht der Wirkstoff schnell ins Gehirn. Durch die starke Wirkung kommt es schneller zu Überdosierungen. Diese können unter anderem schwere Vergiftungen, Kreislaufprobleme oder Krampfanfälle auslösen. Im Extremfall kann der Konsum sogar zu akuten psychotischen Zuständen führen.
Viele dieser Stoffe sind kaum erforscht [...] und manche können bereits in geringen Mengen schwere gesundheitliche Folgen haben.
Katharina Sturm, Bereichsleitung Suchtprävention „checkit!“
Besonders gefährlich: Der Drogenmarkt in Österreich verändere sich laufend und sei „absolut unreguliert“, erklärt Katharina Sturm, Leiterin der Suchtprävention „checkit!“. „Das heißt, dass Konsument:innen nie wirklich sicher sein können, was in einer Substanz genau drinnen ist und in welcher Menge.“
Viele der synthetischen Cannabinoide seien zudem kaum erforscht. Ihre Wirkung bzw. mögliche Wechselwirkungen sind schwer voraussehbar. „Manche können bereits in geringen Mengen schwere gesundheitliche Folgen haben“, so Sturm.
Synthetische Cannabinoide – wie sie in „Baller-Liquids“ vorhanden sind – sind verschiedene chemisch synthetisierte Verbindungen, die ähnliche wirken, wie Tetrahydrocannabinol (THC), dem aktiven Wirkstoff von Hanf. Es gibt sie in verschiedener Form: als Kristalle, Pulver oder Flüssigkeit.
Die chemische Struktur der einzelnen Substanzen kann sehr unterschiedlich sein. Auch die Potenz variiert. Die meisten Verbindungen sind um ein Vielfaches stärker als THC und werden oft in Reinform angeboten, wodurch es leicht zu unabsichtlichen Überdosierungen mit starken Nebenwirkungen kommen kann.
Häufig sind die synthetischen Inhaltsstoffe auf den Packungen nicht angegeben oder die Mischungen werden fälschlicherweise als „rein pflanzlich“ angeboten.
Substanz auch in Wien verbreitet
Besonders problematisch sei, dass Konsumentinnen und Konsumenten ohne Drug Checking gar nicht wüssten, welche Substanzen in welchen Mengen sie tatsächlich zu sich nehmen. Auch wenn sie nicht unter dem Namen „Baller-Liquids“ kursieren, verbreiten sich auch in Österreich Drogen mit demselben Wirkstoff. „Unsere aktuellen Substanzanalysen bei ,checkit!‘ zeigen, dass auch in Wien immer wieder Substanzen mit gesundheitlich besonders bedenklichen oder unerwarteten Inhaltsstoffe nachgewiesen werden.“
„Es gibt keinen risikofreien Konsum“
Das Team von „checkit!“ berät Konsumentinnen und Konsumenten von illegalen Drogen wie Cannabis, Ecstasy oder Speed. Gemeinsam mit dem AKH Wien erforscht es aktuelle Konsumtrends und testet chemische Substanzen. So könnten „unerwartete und gesundheitlich besonders bedenkliche Substanzen“ identifiziert und frühzeitig davor gewarnt werden. Generell betont Katharina Sturm: „Einen risikofreien Substanzkonsum gibt es nicht.“
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