Polnischer Minister:

„USA gaben seit 2025 keinen Cent für Ukraine aus“

Außenpolitik
17.10.2026 12:01

Der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski übt heftige Kritik an der US-Regierung und behauptet, seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump hätten die USA „keinen Cent“ mehr für die Ukraine geleistet. Wegen der Verbindungsprobleme der ukrainischen Armee mit dem Satelliten-Kommunikationssystem Starlink kritisiert Sikorski rügte er wiederum SpaceX-Chef Elon Musk.

„Seit Jänner letzten Jahres – also seit mehr als anderthalb Jahren – haben die USA keinen Cent mehr für die Verteidigung der Ukraine und die Aufrechterhaltung des ukrainischen Staates bereitgestellt. Das tun wir jetzt, Europa“, merkte Sikorski vor wenigen Tagen in einem Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera an (siehe Telegram-Posting unten). Zudem wies der liberale Politiker darauf hin, dass die Ukraine derzeit nicht nur von den USA, sondern auch aus anderen Quellen mit Geheimdienstinformationen versorgt wird.

Bereits unter Biden bewilligte Zahlungen fließen weiter
Ein Blick auf die verfügbaren Zahlen zeigt, dass Sikorskis Aussage zumindest erklärungsbedürftig ist. Laut einer Übersicht des US-Thinktanks Council on Foreign Relations (CFR) waren bis Ende März 2026 insgesamt 59 Prozent der rund 195 Milliarden Dollar an US-Ausgaben im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ausgezahlt worden. Diese Summe umfasst allerdings nicht nur direkte Zahlungen an Kiew, sondern auch andere kriegsbezogene Ausgaben der Vereinigten Staaten. Zudem wurden Waffenlieferungen aus bereits unter Biden bewilligten Hilfsprogrammen auch nach Trumps Amtsantritt weiter abgewickelt. Die Zahlen belegen daher zwar einen politischen Kurswechsel in Washington, nicht aber, dass die USA seit Jänner 2025 keinerlei Unterstützung mehr geleistet hätten.

Tatsächlich hat Trump die milliardenschwere Unterstützung seines Vorgängers Joe Biden grundlegend verändert. Neue umfangreiche Hilfspakete wurden seit seinem Amtsantritt nicht mehr beschlossen. Doch das bedeutet nicht, dass aus den USA überhaupt kein Geld mehr fließt. Allerdings bezahlen die europäischen Verbündeten nun für US-Waffen.

Zwischen den USA und der Ukraine knirscht es derzeit gewaltig. Was Washington als „technische Störung“ der Starlink-Satelliten bezeichnet, sieht der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj als Erpressungsversuch Washingtons, ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien zu unterbinden. Tech-Milliardär Musk, dessen Unternehmen SpaceX den Satelliten-Kommunikationsdienst betreibt, hat sich nun ebenfalls in den Streit eingemischt und den Rücktritt Selenskyjs gefordert. „Das Massaker geht weiter. Es ist Zeit für Selenskyj, zu gehen“, schrieb der Multimilliardär am Donnerstag in seinem Onlinedienst X.

Trump weist Verantwortung für Starlink-Ausfälle von sich
Sikorski hatte zuvor via X mit einem Seitenhieb auf Musk gefragt: „Hey, Elon Musk, großer Mann, spielst du schon wieder Politik mit deinen Produkten?“ Das von Musks Unternehmen SpaceX betriebene Satellitennetz spielt eine wichtige Rolle bei der Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte an der Front. Nach Angaben aus Kiew ist das Satellitennetz auch für die Steuerung von Drohnen und für die Drohnenabwehr wichtig. Nach ukrainischen Angaben war Starlink in der Nacht zum Mittwoch stark eingeschränkt worden. Dies habe ukrainische Angriffe scheitern lassen. Nach einem Appell von Präsident Selenskyj an den US-Milliardär meldete die Ukraine dann eine Verbesserung der Verbindungen.

Trump bestritt eine Verantwortung seiner Regierung oder des Tech-Unternehmers für den eingeschränkten Zugriff der Ukraine auf das Satelliten-Netzwerk Starlink. Weder er noch Musk seien dafür verantwortlich, dass die Ukraine den vollen Zugriff eingebüßt habe, sagte Trump am Freitag vor Journalisten am Weißen Haus vor einer Reise in den Bundesstaat Georgia.

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