PV-Boom geht weiter

Sonnenstrom vom Acker: Immer mehr und größer

Oberösterreich
18.10.2026 10:00

Die Sommerhitze ließ die Felder teils vertrocknen, doch auf immer mehr Äckern sprießen Photovoltaik-Anlagen. Die Devise: immer mehr, immer größer. Es gibt auch Kritik, doch nicht aus den Kreisen der Stromerzeuger und der Landwirte – letztere laufen der Kammer mit Anfragen förmlich die Türen ein. Die „Krone“ hat sich die Lage in OÖ genauer angeschaut.

Dieses Jahr wird in die Sonnenstromgeschichte eingehen, weil die Sonne so oft und lange vom Himmel schien und auch im Herbst sich derzeit nur selten hinter Nebel versteckt. Und das treibt die Ausbaupläne voran. Vor allem auf den Feldern scheinen die Paneele förmlich zu wachsen. Zuletzt wurden von den ÖBB in Enns 37.764 Paneele ans Bahnstromnetz genommen, die jährlich Strom für 8000 Railjet-Fahrten von Linz nach Wien generieren sollen. Und diese Anlage steht auf 20 Hektar Feldern und Wiesen.

Jede Woche drei Anfragen
„Wir haben jede Woche sicher drei Anfragen von Landwirten, die eine Beratung brauchen, weil Sonnenstromanbieter bei ihnen angeklopft haben, ob sie sich vorstellen können, Flächen zu verpachten“, heißt es bei der Landwirtschaftskammer Oberösterreich. Hier steht man dieser Entwicklung durchaus positiv gegenüber. „Der Bodenverbrauch ist minimal und die Anlagen können problemlos und rückstandsfrei rückgebaut werden.“ 

Blühstreifen unter Paneelen
80 Prozent des Ackers kann auch weiterhin für den Anbau von Getreide und Co. verwendet werden. Die Abstände zwischen den schwenkbaren Paneelen sind so groß, dass Traktor und Mähdrescher durchfahren können. Direkte unter den Paneelen gibt‘s unbearbeitete Blühstreifen, die bei üblichen Äckern meist rar sind. In Pischelsdorf am Engelbach, wo Mitte 2025 die damals größte Anlage der Energie AG mit 4,6 Megawatt-Spitzen ans Netz ging, muss der Landwirt regelmäßig vorführen, dass er seine Flächen auch weiter bewirtschaften kann. Inzwischen wird von der Energie AG in Pennewang an der nunmehr größten Acker-PV-Anlage gebaut: 22.200 Module bringen 14,43 Megawatt-Peak. Das ist Strom für 5400 Haushalte.

Bis zu 10.000 Euro Pacht
Über die Pacht schweigen sich Verpächter und Pächter gerne aus, die Landwirtschaftskammer Steiermark spricht von 3000 bis 5000 Euro je Hektar und Jahr, bei Gunstflächen werden auch bis zu 10.000 Euro bezahlt. Die Spezialisten der Kammer mahnen Bauern aber zur Vorsicht. Wenn durch die PV-Nutzung der landwirtschaftliche Hautcharakter der Flächen verloren geht, können diese steuerlich anders gesehen werden als die günstige Einheitswertberechnung. „Alibi-Schafe unter den Paneelen gelten nicht“, heißt es da.

Mikroklima unter Paneelen
In der Landwirtschaftskammer OÖ spricht man durchaus von einer Win-win-Situation. Unter den Paneelen würde die Verdunstung geringer sein und es bildet sich auch ein Mikroklima mit mehr Tau. Der Schatten würde sich gerade in Jahren mit extrem viel Sonnenschein und Hitze positiv auf die Pflanzen auswirken. Gegenargumente des Bodenverbrauchs und des Zubauens sieht man nicht gegeben.

Soviel Sonnenstrom fließt in OÖ

Laut den zahlen des Energiesparverbandes OÖ gibt es in Oberösterreich derzeit etwa 140.000 PV-Anlagen, die mehr als 2300 Megawatt-Peak liefern können. Alleine im Jahr 2025 wurden 15.000 Anlagen mit 300 MWp neu angeschlossen. In Oberösterreich wurden damit ein Viertel der bundesweit neu ans Netz gegangenen Anlagen errichtet. 

27 große Freiflächen-PV-Anlagen
Derzeit gibt es in Oberösterreich übrigens 27 Betriebe, die PV-Freiflächen mit mehr als einem Megawatt-Peak (das ist die Grenze für elektrizitätsrechtliche Bewilligungen) mit einer Gesamt-Höchstleistung von 131 Megawatt-Peak. Von diesen sind 17 Agri-PV-Anlagen, die es derzeit insgesamt auf 86 Megawatt-Peak bringen. Und es geht munter weiter. Alleine die Energie AG will jedes Jahr PV-Anlage in Betrieb nehmen, die rechnerisch 10.000 Haushalte versorgen können. Bis 2035 sollen dafür 300 Millionen Euro investiert werden. Und es gibt noch mehr Stromerzeuger, die Paneele auf Feldern „anbauen“ wollen.

Kommentar
Keine Schönheit, aber sinnvoll

Na gut, so riesige PV-Anlagen auf der grünen Wiese sind nicht gerade optisch gelungene Hingucker. Sind aber auch so manche Siedlungen oder Firmenareale, die auf wertvollen Ackerböden gewidmet werden, auch nicht.

(Bild: Krone KREATIV/Alexander Schwarzl, Markus Wenzel)

Doch der ökologische Schaden der PV-Farmen scheint geringer, um nicht zu sagen nicht vorhanden. Regen kann versickern, die Bauern können ernten oder ihre Tiere grasen lassen, die Blühstreifen zwischen den bewirtschaftbaren „Gassen“ könnten sich zum Zufluchtsort von Wildtieren, Vögeln und Insekten entwickeln. Und nebenbei wird Energie produziert. Scheint also durchaus sinnvoll zu sein. An den Anblick kann man sich gewöhnen.

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