01.09.2014 10:08 |

Straff muss sein

Mercedes GLA: Ein sehr gelungenes Missverständnis

Zunächst einmal gehört ein Missverständnis um den Mercedes GLA ausgeräumt: Der GLA ist kein SUV, auch wenn Daimler das so kommuniziert. Wer ein solches erwartet, wird von dem kompakten (auf Wunsch) Allradler enttäuscht sein. Wer jedoch ein echt cooles Lifestyle-Mobil sucht, der könnte sich in den GLA glatt verlieben.

In der Basisversion findet sich zwar die Design-Andeutung eines Unterfahrschutzes und die Radhäuser sind immer mit Kunststoff eingefasst, die Merkmale des Testwagens – ein GLA 250 mit AMG-Exklusivpaket – sind aber eher sportlich, als dass sie zum Abbiegen ins Gelände einladen. Das glänzend schwarze Kunststoffteil hinten wirkt eher wie ein Diffusor, die Frontschürze ist weit heruntergezogen und beherbergt riesige Lufteinlässe.

Die ganze Erscheinung ist sportlich, straff und eng geschnitten, das Sportfahrwerk, mit dem ich in dem 211 PS starken Flitzer unterwegs bin, ist wie maßgeschneidert für diesen Blickfang. Ja, Blickfang: Der GLA ist einer, nach dem man sich umdreht. Es ist selten, dass ich ausschließlich positives Feedback auf einen Testwagen bekomme, beim Bruder CLA war das ganz anders. Auch beim Stammhalter A-Klasse.

Gemeinhin bauen SUVs ja eher hoch – der GLA hingegen überragt beispielsweise einen VW Golf um gerade mal vier Zentimeter; BMW X1 und Audi Q3 sind deutlich höher. Sechs Zentimeter sind es im Vergleich zur A-Klasse, das Plus von zwölf Zentimetern in der Länge streckt die Erscheinung ungemein. In den Unterlagen findet sich nicht mal eine Angabe bezüglich der Bodenfreiheit (lediglich der Verweis auf ein aufpreispflichtiges Spezialfahrwerks mit drei Zentimeter mehr Platz unterm Boden), dafür aber auf den vorbildlichen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,29.

Nichts für Langweiler
So spritzig, wie er aussieht, fährt er sich auch, der Mercedes GLA. Wendig sticht er um die Ecke, die Sitze bieten dabei angemessenen Seitenhalt. So straff wie das Fahrwerk ist auch das Platzangebot gehalten. Das riesige Glaspanorama-/Schiebedach sorgt aber für ein luftiges Gefühl, auch wenn es die Kopffreiheit hinten einschränkt. Der Kofferraum geht mit 421 bis 1.235 Liter okay.

Der temperamentvolle Vierzylinder beschleunigt mit Nachdruck, vor allem im unteren und mittleren Drehzahlbereich. Ab 1.200/min. liegen bereits aller Ehren werte 350 Nm an. Lediglich die (bei Allradantrieb immer serienmäßige) Siebengang-Automatik dürfte gerne etwas dynamischer zur Sache gehen. Der vollvariable Allradantrieb 4matic lässt jedoch keine Wünsche offen. Und der Verbrauch? Bei Testende zeigte der Bordcomputer 9,1 l/100 km (Normverbrauch 6-6 l/100 km).

Der GLA 250 ist mit seinem Zweilitermotor extrem stimmig motorisiert, es gibt aber auch noch andere Optionen. Einstiegsbenziner ist die 156-PS-Version des Zweiliter-Vierzylinders (ab 32.140 Euro), außerdem gibt es einen 1,5-Liter-Diesel mit 109 PS (ab 30.719 Euro, Normverbrauch nur 4,0 l/100 km) und den bekannten 2,1-Liter Diesel mit 136 oder 170 PS. Die beiden Einstiegsmotoren gibt es ausschließlich mit Frontantrieb.

Das Ende der Fahnenstange bildet der GLA 45 AMG mit 360-PS-Vierzylinder ab 64.470 Euro. Das ist übrigens exakt 291,95 Euro weniger als der Preis des sehr gut ausgestatteten Testwagens.

Man kann schon fast von einem neuen Segment sprechen, das Mercedes hier einführt: im Vergleich zur Basis deutlich eigenständiger als etwa die Cross-Versionen von VW; sportlicher und flacher als ein SUV, dennoch mit Allradoption und der Möglichkeit, ein drei Zentimeter höheres Fahrwerk zu bestellen; dazu eine Optik, die anmacht – und wer unbedingt will, kann auch SUV dazu sagen.

Warum?

Sehr stimmiger Lifestyler

Warum nicht?

Ein SUV ist er eigentlich nicht

Oder vielleicht ...

... BMW X1, Audi Q3

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