01.07.2014 14:33 |

Drogba und Co.

Afrika im WM-Viertelfinale wieder nur Zaungast

Afrikas Fußball ist nach den Achtelfinalspielen der WM in Brasilien wieder einmal nur Zaungast. Mit Algerien und Nigeria verabschiedeten sich am Montag die beiden letzten Vertreter des Kontinents aus dem Turnier. Beide lieferten gegen die favorisierten europäischen Großmächte Deutschland und Frankreich zwar respektable Leistungen ab, der Viertelfinaleinzug – wie ihn zuletzt Ghana 2010 geschafft hatte – blieb ihnen aber verwehrt.
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Die Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun hatten sich schon nach der Gruppenphase verabschiedet. Mit den Nord- und Westafrikanern waren immerhin erstmals zwei Teams aus Afrika ins Achtelfinale vorgestoßen. Dennoch bleibt der große Wurf trotz immer wieder hochgeschraubter Erwartungen in Afrika weiter aus. Nigerias Trainer Stephen Keshi schien nach dem 0:2 gegen Frankreich ratlos, als er die Frage beantworten sollte, warum denn Afrika nicht mehr aus dem Talent seiner Spieler mache. "Ich weiß nicht, warum es früh passiert ist", sagte Keshi. "Vielleicht sind wir nicht stark genug, vielleicht sind wir nicht fokussiert genug."

Immer wieder interne Streitigkeiten
Letzteres könnte ein wesentlicher Grund sein. Denn das Muster ist oft ähnlich. Streitigkeiten um Prämien, damit verbundene Trainingsboykotte und Politiker, die sich einmischen - auch Brasilien 2014 machte da keine Ausnahme. Bei den Nigerianern gab es ebenfalls die fast schon traditionellen Begleitumstände, nachdem bereits die Ghanaer an internen Streits gescheitert waren. Ghanas Kwesi Appiah hatte sichtlich Mühe, als er das Dauerproblem erklären sollte. "Das System in Afrika ist anders als in Europa", sagte der Teamchef am Tag vor dem Ausscheiden seines Teams. In einer spektakulären Aktion waren geschätzte drei Millionen Euro nach Brasilien eingeflogen und in bar an die Spieler verteilt worden. Fast verzweifelt erläuterte Appiah: "Wir kommen aus unterschiedlichen Regionen, Sie müssen das verstehen."

Tatsächlich fürchten die afrikanischen Kicker wohl um ihren Anteil an den Millionen, die die FIFA an alle Teilnehmer ausschüttet. Sie haben Angst, dass das erst nach der WM fließende Geld in den Verbänden ihrer Länder versickert und von korrupten Funktionären in die eigenen Taschen umgeleitet wird. Hilfreich für den Sport sind die Debatten um Prämien mit Sicherheit nicht. Dazu kommen bei Endrunden immer wieder gezeigte Undiszipliniertheiten, die der Widerlegung der üblichen Stereotype nicht gerade zuträglich sind. Bei Ghana wurden Kevin-Prince Boateng und Sulley Muntari nach Disputen mit Trainern und Funktionären vorzeitig nach Hause geschickt. Kamerun machte durch einen Kopfstoß von Benoit Assou-Ekotto gegen Mitspieler Benjamin Moukandjo beim 0:4 gegen Kroatien Schlagzeilen. Dass die Partie nun unter Manipulationsverdacht steht, passt ins Bild, dass der Viertelfinalist von 1990 in Brasilien abgab.

Chronische Selbstüberschätzung
Bei der Elfenbeinküste erklärte der Franzose Sabri Lamouchi nach dem WM-Aus seinen Abgang. Der Ex-Profi mit tunesischen Wurzeln soll auch über Dissonanzen mit Schlüsselspielern gestolpert sein. Die goldene Generation der "Elefanten" war in den vergangenen Jahren bei Großevents stets hochgehandelt worden. 2006 und 2010 startete sie gar als Geheimfavorit in die WM, kam nun aber zum dritten Mal nicht über die Gruppenphase hinaus. Vollmundige Ankündigungen vor der WM machen ein weiteres Problem deutlich: die chronische Selbstüberschätzung. Die meisten afrikanischen Teams haben große Stars in ihren Reihen wie Didier Drogba bei der Elfenbeinküste oder Samuel Eto'o bei Kamerun. Dass die Leitwölfe mit Unterstützung der ihnen wohl gestimmten Medien ihren Status mitunter für taktische Vorgaben an ihre Teamchefs nutzen, ist dem Teamgefüge jedoch nicht unbedingt zuträglich.

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