Mercedes bringt zum zweiten Mal ein Facelift des GLE. Um die Baureihe bis zum Ende ihrer Produktion konkurrenzfähig zu halten, schärfen die Stuttgarter SUV und Coupé noch einmal grundlegend. Der GLE steht dabei im Spannungsfeld zwischen politischem Richtungswechsel und wirtschaftlicher Realität.
Mercedes geht es wie den meisten Herstellern in diesen Tagen: Ihr Navigationssystem ist gestört. Der eingeschlagene Weg von gestern hat heute seine Richtung verloren. Geänderte Spielregeln erfordern manchmal Spurwechsel. Wie jetzt beim GLE. Statt den Goldesel unter den SUVs auf Sicht zugunsten des vollelektrischen EQE langsam auslaufen zu lassen, verlängert Mercedes den Lebenszyklus um ein weiteres Facelift. Aus wirtschaftlicher Vorsicht und wegen geopolitischer Unsicherheiten geht der große Wagen noch einmal aufwendig überarbeitet in die Verlängerung. Und nicht zuletzt, weil in wichtigen Absatzmärkten die Nachfrage nach elektrifizierten Verbrennern deutlich positiver ausfällt als zuletzt prognostiziert.
Gerade in den USA – dem größten Markt für den GLE – hat sich das politische Klima spürbar verschoben. Förderprogramme für batterieelektrische Fahrzeuge wurden hier nahezu gestrichen, Investitionsentscheidungen grundlegend überdacht. Für Hersteller wie Mercedes bedeutet das, langfristige Strategien neu zu bewerten und gegebenenfalls anzupassen. Genau deshalb positioniert sich der modellgepflegte GLE als ein Fahrzeug, das bewusst nicht radikal auf eine einzige Technologie setzt, sondern als Puzzleteil zwischen den neuen Mobilitätswelten agiert.
Mit rund 3000 neuen oder überarbeiteten Bauteilen geht der GLE allerdings deutlich über eine klassische Modellpflege hinaus. So wurden alle Verbrenner – Diesel und Benziner – tiefgreifend überarbeitet und für die verschärfte Euro-7-Abgasnorm vorbereitet, die voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingeführt wird. Insgesamt bietet Mercedes für den GLE fünf Motorvarianten von 286 PS bis 537 PS an. Und on top den AMG 53 GLE mit 633 PS. Zu uns kommen nur die Sechszylinder-Reihenmotoren und V8-Aggregate. In einigen Märkten bietet Mercedes den GLE zusätzlich auch mit Vierzylinder-Motoren an. Ebenfalls mit einem deutlichen technischen Update.
Alle Verbrenner mit etwas oder etwas mehr Strom
Ab Herbst, wenn der GLE kommt, werden alle Motoren elektrifiziert sein. Sie arbeiten dann mit integrierten Starter-Generatoren zusammen, die im 48-Volt-System zusätzliche Leistung bereitstellen und gleichzeitig den Verbrauch senken sollen. Funktionen wie Rekuperation, Segeln und ein kurzfristiger, künftig um 2 kW erhöhter Boost, sind Bestandteil eines Gesamtsystems, das den GLE laut Mercedes deutlich effizienter und sauberer durch den Alltag bringen soll.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Plug-in-Hybrid 450e, der im Vergleich zum Vorgänger eine um 55 kW höhere Systemleistung hat und eine rein elektrische Reichweite von 106 Kilometern schafft. Da bieten einige chinesische Hersteller bereits deutlich mehr. Doch konzeptionell gab die GLE-Plattform nicht mehr her. „Für Europa ist die Reichweite in den meisten Fällen völlig okay“ sagt Entwicklungschef Jörg Burzer, „und für den chinesischen Markt planen wir, den GLE zu lokalisieren und eventuell eine verlängerte Version mit dann auch größerer Reichweite anzubieten.“ Wurden Plug-in-Hybride lange Zeit als Brückentechnologie kritisch beäugt, übertreffen sie gerade in China momentan die Zuwachsraten reiner Elektroautos (BEV). Offensichtlich sind sie die richtige Antwort auf eine Welt, in der politische Rahmenbedingungen und Kundenbedürfnisse zunehmend auseinanderdriften.
Digital alles auf neuestem Stand
Neben dem Antrieb hat Mercedes die Digitalisierung des Fahrzeugs grundlegend weiterentwickelt. Das neue, im Haus entwickelte Betriebssystem MB.OS wurde von der S-Klasse in den GLE verpflanzt, angepasst und fungiert hier als Supercomputer, der sämtliche Funktionen integriert und kontinuierlich über Over-the-Air-Updates aktualisiert. Künstliche Intelligenz spielt dabei eine immer größere Rolle, etwa bei der Verarbeitung von Sensordaten oder in der Interaktion mit dem Nutzer. Der virtuelle Assistent wird zum digitalen Begleiter, der nicht nur Befehle ausführt, sondern Kontexte versteht, von den Gewohnheiten des Fahrers lernt und vorausdenken kann.
Im Innenraum ist die neue digitalisierte GLE-Welt nicht zu übersehen. Der serienmäßige MBUX-Superscreen erstreckt sich jetzt über die gesamte Breite des Cockpits und vereint drei Displays von jeweils 31,2 Zentimetern Länge zu einer nahtlosen Einheit. Informationen, Unterhaltung und Fahrzeugfunktionen verschmelzen auf der riesigen Glasscheibe zu einer Oberfläche, die individuell konfigurierbar ist und sich den Bedürfnissen der Insassen anpasst. Der fast einen Meter breite Hyperscreen bleibt dem völlig neuen GLC vorbehalten.
Hoher Komfort, hochwertige Materialien und jede Menge traditioneller Luxus gehören weiterhin zu den Argumenten, mit denen der modellgepflegte GLE seine Kundschaft überzeugen möchte. Dazu zählt auch das große Glaspanoramadach, das künftig zum Serienstandard gehören wird. Wie lange der GLE seine wertekonservative Auffrischung gegen immer digitaler auftrumpfende Chinesen verteidigen kann, wird sich zeigen.
Cloudbasierte Dämpferregelung kommt
Beim Fahrwerk sehen wir ebenfalls, wie sehr Mercedes die Fahrzeugentwicklung in Richtung Vernetzung verschiebt. Systeme wie „E-Active Body Control“ analysieren die Fahrsituation in Echtzeit und passen Federung sowie Dämpfung in Bruchteilen von Sekunden individuell an jedes Rad an. Ergänzt wird dies durch eine cloudbasierte Dämpferregelung, die Informationen über Straßenzustände aus dem Netzwerk anderer Fahrzeuge nutzt. Der Effekt soll ein Fahrgefühl sein, das Unebenheiten wie von Zauberhand nahezu verschwinden lässt und gleichzeitig ein hohes Maß an Kontrolle vermittelt. Komfort und Dynamik – so Mercedes – werden durch intelligente Regelungssysteme miteinander verbunden. Spätestens beim ersten Fahrtermin werden wir das überprüfen.
Optik sanft überarbeitet
Gestalterisch bleibt der GLE seiner Linie treu. Im Detail geschärft, aber nicht übermotiviert modern. Die Front wirkt präsenter, die Stoßfänger überarbeitet, der Kühlergrill größer, der Zentralstern und die Kühlerumrandung sind – je nach Ausstattung – beleuchtet. Neue Lichtsignaturen mit Stern-Elementen sorgen für Modernität und Wiedererkennbarkeit, das Digital Light der neuesten Generation erzeugt ein rund 40 Prozent größeres Beleuchtungsfeld und soll bis zu 50 Prozent weniger Energie verbrauchen. Hinten sehen wir nun ein durchgehendes Lichtband, ähnlich dem des neuen GLC. Ansonsten setzt die Evolution des GLE auch beim zweiten Facelift bewusst auf Kontinuität.
Selbstredend gibt es auch wieder ein Coupé vom GLE, das bei Mercedes zuletzt immerhin einen Modell-Anteil von rund 30 Prozent erreichte. Der viertürige, sportlicher positionierte Ableger interpretiert die Grundidee des GLE emotionaler. Mit seiner abfallenden Dachlinie, den betonten Proportionen und der stärker auf Fahrdynamik ausgelegten Abstimmung richtet sich das Coupé an eine mehr extrovertierte Zielgruppe, die gerne zeigt, was sie fährt. Während hier die Rückleuchten weiterhin getrennt auftreten, profitiert das Coupé technisch von den gleichen Fortschritten wie das SUV.
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