„Stimme Österreichs“

Die vielen Sündenfälle des ORF: Und was jetzt?

Unterhaltung
02.04.2026 16:00

Es ist eine bittere Karwoche am Küniglberg. Der Öffentlich-Rechtliche ist in eine tiefe Krise geschlittert – doch wie soll die Buße aussehen? Was fordern die Zwangsgebühren-Zahler vom ORF, damit sie neues Vertrauen fassen können? Diskutieren Sie mit uns als „Stimme Österreichs“.

Friedliche Osterfeiertage stehen für die neue Generaldirektorin des ORF sicher nicht an. Ingrid Thurnher hat von ihrem Vorgänger ein langes Sündenregister übernommen. Niemand konnte ahnen, dass Roland Weißmanns Rücktritt wegen Vorwürfen einer Mitarbeiterin erst der Anfang war – seitdem geriet nicht nur sein Kontrahent Pius Strobl mit seiner Klagsdrohung wegen 2,4 Millionen Euro Pension, sondern auch der Stiftungsrat selbst nach einigen beraterischen Ungereimtheiten in die Kritik.

Generaldirektorin Ingrid Thurnher muss nach den vielen Sündenfällen im ORF Ruhe in den Rundfunk ...
Generaldirektorin Ingrid Thurnher muss nach den vielen Sündenfällen im ORF Ruhe in den Rundfunk bringen.(Bild: Krone KREATIV/Helmut Fohringer/APA/picturedesk.com, stock.adobe.com)

Kurz darauf folgten zudem schwere Missbrauchsvorwürfe mehrerer Frauen gegen einen Ex-Mitarbeiter. Und diese Woche setzte die jährliche Gagenkaiser-Liste, die ausgerechnet von den größten Problemfällen im Konzern angeführt wird, einen – vorläufigen – Schlusspunkt in der aktuellen Misere.

Rücktritt
Erst drei Wochen ist es her, dass die Bombe platzte: Roland Weißmann gab seinen Rücktritt als Generaldirektor des ORF bekannt. Eine Mitarbeiterin wirft ihm sexuelle Belästigung vor, was er bis heute bestreitet. Es habe sich aus seiner Sicht um eine einvernehmliche Beziehung gehandelt. Der Fall wird wohl noch die Gerichte beschäftigen. Als vorläufige Nachfolgerin wurde Ingrid Thurnher eingesetzt, die Aufklärung versprach. Doch jetzt geht erst das Gerangel um den Chefposten los – denn im August wird neu gewählt.

Weißmann musste nach Vorwürfen zurücktreten.
Weißmann musste nach Vorwürfen zurücktreten.(Bild: APA/EVA MANHART)

Missbrauch
Die „Krone“ machte vor wenigen Tagen die Vorwürfe einer heute 54-jährigen Frau publik: Sie schilderte, wie sie im Alter von nur 13 Jahren von einem damaligen ORF-Mitarbeiter missbraucht worden sei. Seitdem meldeten sich weitere mutmaßliche Opfer. Der ORF erklärte bereits, an der Aufklärung mitwirken zu wollen. An sich hat der ORF eigene Stellen, an die sich Mitarbeiter wenden können. Doch selbst am Küniglberg musste man mittlerweile eingestehen, dass Opfer sich diesen kaum anvertrauen.

In der „Krone“ berichtet eine Frau davon, als 13-Jährige (kl. Bild) missbraucht worden zu sein.
In der „Krone“ berichtet eine Frau davon, als 13-Jährige (kl. Bild) missbraucht worden zu sein.(Bild: APA/privat, Krone KREATIV)

Gehälter
Einmal im Jahr muss der ORF seine Gagenkaiser veröffentlichen. Die Top 3: Allesamt Problemfälle. Auf Platz 1 liegt heuer Sicherheitsbeauftragter Pius Strobl mit 468.856 Euro Jahresbruttogehalt. Er will zudem 2,4 Millionen Pension einklagen, wenn er 2027 in Ruhestand geht. Dahinter folgt der zurückgetretene Weißmann mit 427.500 Euro und Ex-Sportchef Johannes Aigelsreiter, dem der unrühmliche Abschied mit einem Jahresgehalt von 339.824 Euro versüßt wurde.

Stiftungsrat
Nachdem Weißmann das Vorgehen des Stiftungsrats im Zuge seines Rücktritts kritisiert hatte, geriet auch dieser in den Fokus. Der Rat ist weiterhin politisch durchdrungen, was alleine schon vielen Kritikern sauer aufstößt. Dass etwa bei einer Veranstaltung von Stiftungsrat Gregor Schütze drei ORF-Firmen als Sponsoren an Bord waren oder dass der Vorsitzende Heinz Lederer in den Benko-Akten auftaucht, brachte ihnen Schlagzeilen ein. Alle Tätigkeiten sind auf Vereinbarkeit geprüft, beteuern beide.

Auch die Stiftungsratsvorsitzenden gerieten im Zuge der ORF-Krise in die Kritik.
Auch die Stiftungsratsvorsitzenden gerieten im Zuge der ORF-Krise in die Kritik.(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Gebühren
Früher musste man dem „GIS-Mann“ nur glaubhaft versichern, keine ORF-Produkte zu konsumieren, um der Gebühr zu entkommen. Seit 2024 muss jeder Haushalt verpflichtend 15,30 Euro pro Monat bezahlen. Freilich gab es auch in der neuen ORF-Beitragstochter OBS bereits Stunk: Nach einer Beschwerdeflut der Bürger gegen OBS-Bescheide musste der Geschäftsführer Alexander Hirschbeck schon wieder den Hut nehmen. Er wurde letzten Sommer von Bettina Parschalk abgelöst.

Abgang
„Unternehmensschädigendes Verhalten“ warf der ORF dem Sportchef Hannes Aigelsreiter vor und trennte sich im Oktober 2025 von ihm. Sein Verhältnis sowohl zu Vorgesetzten als auch zu Kollegen wie Rainer Pariasek soll, gelinde gesagt, schwierig gewesen sein. Ein nicht genehmigtes Interview brachte dann das Fass zum Überlaufen. Doch der Abgang kostet den ORF einiges, wie man an Aigelsreiters um 114.968 Euro erhöhtes Jahresgehalt erkennen kann ...

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Kein Wunder, dass da die Volksseele kocht. Schließlich kann man sich spätestens seit Einführung der verpflichtenden Haushaltsgebühr nicht einmal mehr dagegen wehren, diese Missstände mitzufinanzieren.

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Was sagt die „Stimme Österreichs“ dazu? Die „Krone“ will von Ihnen wissen: Was muss getan werden, damit auch Sie wieder Vertrauen in den ORF fassen? Was wünschen Sie sich vom Küniglberg? Schon im August steht zudem die neue Generaldirektors-Wahl an – wenn Sie entscheiden könnten, wer sollte über den wichtigen Posten bestimmen? Weiterhin der Stiftungsrat, lieber Experten oder die Gebührenzahler selbst? Sagen Sie uns Ihre Meinung – hier auf krone.at oder per Mail unter leser@kronenzeitung.at.

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