Längster Sedimentkern

Forscher bohren in Rekordtiefe unter Antarktis-Eis

Wissen
18.02.2026 10:43
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein internationales Forschungsteam hat mit einer Bohrung den bislang mit Abstand längsten Sedimentkern aus Ablagerungen unter einem Eisschild hervorgeholt. Der Kern belege die Klimaveränderungen für Millionen von Jahren und helfe, den Verlust des westantarktischen Eisschilds durch die Klimaerwärmung vorherzusagen, berichtet die EHT Zürich.

An dem Bohrkern, der 228 Meter lang ist, wollen die Forschenden daran ablesen, bei welcher Temperatur das antarktische Eisschild schmilzt. Das 29-köpfige Forschungsteam aus zehn Ländern verbrachte für die Forschung zehn Wochen in einem abgelegenen Camp auf dem sogenannten Ross-Schelfeis, rund 700 Kilometer von der nächsten Forschungsstation entfernt.

Frühere Bohrversuche scheiterten
Um an die schwer zugänglichen Sedimente zu gelangen, schmolz das Team zunächst ein Loch durch das 523 Meter dicke Eis. Anschließend bohrten sie 228 Meter weiter in den Grund der Westantarktis. Die zuvor tiefste Bohrung war kürzer als zehn Meter. Zwei frühere Bohrversuche nach diesem längsten Bohrkern waren laut der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) gescheitert.

Die Forscher bohrten unter dem 523 Meter dicken Eis 228 Meter tief in den Grund der ...
Die Forscher bohrten unter dem 523 Meter dicken Eis 228 Meter tief in den Grund der Westantarktis.(Bild: SWAIS2C/Ana Tovey)

Der Bohrkern gilt als Klimaarchiv, das die Umweltbedingungen aus früheren Zeiten festhält. Erste Anzeichen deuten laut der ETH darauf hin, dass die Sedimentschichten im Kern bis zu 23 Millionen Jahre zurückreichen. Diese Zeitspanne schließt auch Perioden ein, in denen die globale Durchschnittstemperatur deutlich höher als heute lag.

Wann schmilzt der Eisschild?
Schmilzt das westantarktische Eisschild komplett, würde der globale Meeresspiegel Berechnungen zufolge um vier bis fünf Meter steigen. Das Ross-Schelfeis spielt bei der Frage nach der Erhöhung des Meeresspiegels eine Schlüsselrolle: Es stabilisiert laut den Wissenschaftlern wie eine Art „Türstopper“ die dahinterliegenden Gletscher. Schmilzt es, könnte das Eis der Westantarktis ungehindert ins Meer fließen.

Die Forschenden wollen nun klären, bei welchen Bedingungen das Eisschild in der Vergangenheit instabil wurde. Zentral ist die Frage, ob ein Rückzug bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau droht.

Laboranalysen in Neuseeland
Der Bohrkern wurde vor Ort gekühlt und zur neuseeländischen Scott Base geflogen. Von dort wird er per Schiff nach Neuseeland transportiert, wo die detaillierte Laboranalyse beginnt. Das Forschungsprojekt trägt den Namen SWAIS2C (Sensitivity of the West Antarctic Ice Sheet to 2°C).

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