Seinem neuen Spitznamen ist Domen Prevc bei der Vierschanzentournee mehr als gerecht geworden. Der slowenische „Domenator“ sprang seiner Konkurrenz phasenweise um Skisprung-Welten davon und sorgte auch bei den ÖSV-Adlern für Rätselraten. Was ist nur das Geheimnis des Großschanzen-Weltmeisters? Auf die allgegenwärtige Frage beim Schanzen-Spektakel in Deutschland und Österreich hatte der 26-Jährige, der sich überlegen die Tournee-Krone aufsetzte, eine ganz einfache Antwort.
„Mein Geheimnis ist, dass ich den ganzen Sommer über konstant, ausdauernd und hart gearbeitet habe. Von April bis zum ersten Tag im Winter“, sagte Prevc. Damit wird er sich aber nicht vom restlichen Skisprung-Zirkus unterscheiden, es steckt definitiv mehr dahinter. „Körperlich muss er wahnsinnig beweglich sein, vor allem bei den Sprunggelenken, damit er so eine Technik springen kann“, erklärte Ex-Tourneesieger Andreas Goldberger. „Er hat eine Gabe, dass er das so machen kann. Wie eine Gummiwurst. Ein körperliches Talent – aber du musst es auch umsetzen.“
Prevc war lange „Kamikaze-Flieger“
Den Kopf zwischen den Skiern, volles Risiko und keine Angst vor Stürzen: Prevc galt lange als „Kamikaze“-Flieger, diesen Titel hatte er einmal von seinem Bruder Peter umgehängt bekommen. Schon als Teenager eroberte Domen mit jugendlichem Leichtsinn den Weltcup, feierte als 17-Jähriger seinen ersten Weltcupsieg. Mit dem Gelben Trikot reiste er 2016/17 zur Vierschanzentournee – und kam nicht über den neunten Gesamtrang hinaus
„Er hat sehr viel Lehrgeld bezahlt. Er hatte oft Blackouts und viele Ausreißer nach unten“, sagte Goldberger. Nun sei der 16-fache Weltcupsieger gefestigt und gereift, springe technisch sauberer. Und seine ganze Karriere schon mit weichen und alten Skisprungschuhen, anders als seine Kollegen. „Er wirkt auch nicht überheblich und angeberisch, sondern bescheiden und ruhig“, betonte der zweimalige Tourneesieger. Neben der Schanze ist der ausgebildete Polizist oft in der Sauna zu finden, auch für Autos kann sich der im kleinen Dörfchen Dolenja Vas aufgewachsene Flug-Akrobatiker begeistern.
Private Nachrichten an ÖSV-Adler
ÖSV-Überflieger Jan Hörl beschrieb Prevc als „sehr fokussierten“ Menschen. Im Gespräch mit den Österreichern frage er aber sehr viel und interessiert nach. „In Wisla hat er Tschofe und mich gefragt, warum der Ski von Tschofe eigentlich Van Deer heißt. Es war ein bissl lustig, wir haben es ihm dann erklärt“, erzählte Hörl eine Anekdote. „Van“, weil Marcel Hirscher für die Niederlande startet und Deer wegen der englischen Übersetzung von Hirsch.
Vor dem Bergiselspringen meldete sich Prevc auch persönlich bei Hörl und Stephan Embacher, seinen beiden Hauptkonkurrenten bei der Tournee. „Er hat eine private Nachricht auf Instagram geschickt. Das Wort Innsbruck und ein Raketen-Emoji“, offenbarte der Pongauer vor dem Bewerb am Bergisel. „Da wusste ich nicht, ob er mich nervös machen wollte oder er nervös ist.“
Prevc-Familie als Skisprung-Dynastie
Prevc hier, Prevc da: Am Namen Prevc kommt im Schanzen-Kontext derzeit jedenfalls niemand vorbei. Denn Domen stammt aus einer wahren Skisprung-Dynastie. Seine jüngere Schwester Nika prägt das Frauen-Skispringen seit längerer Zeit und dominiert aktuell ebenfalls den Weltcup. Domens ältester Bruder Peter gewann die Tournee vor zehn Jahren und arbeitet derzeit als Chef der Materialentwicklung im slowenischen Team. Sein anderer Bruder Cene holte Olympia-Silber in Peking 2022 mit der slowenischen Mannschaft
„Die Familie Prevc hat irgendwas, was fürs Skispringen gut ist“, sagte Goldberger und lachte. Nur die jüngste Schwester der Prevc-Geschwister, Ema, entschied sich als einzige gegen die Skisprungschanze und für Ballett. In der Familie liegen auch zwei spezielle Bestmarken: Domen hält seit März 2025 den Skiflug-Weltrekord bei den Männern (254,5 m/Planica), genauso wie Nika bei den Frauen (236 m/Vikersund). Nun wanderte auch der goldene Adler zum zweiten Mal in die slowenische Skisprung-Familie, die in der Heimat Helden-Status genießt.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.