Verschiedene Auslöser

Hinter Ihrem Hunger steckt selten ein leerer Magen

Wussten Sie, dass es nicht nur einen „Hunger“ gibt, sondern gleich zwölf Arten davon? Vom sogenannten Augenhunger bis zum emotional ausgelösten Herzenshunger. Abnehmcoach Ursula Vybiral erklärt die Unterschiede. Erkennen Sie, wann Sie wirklich Nahrung brauchen – oder ob Ihr Körper etwas ganz anderes verlangt!

Hunger ist nicht gleich Hunger. In vielen Fällen ist es nicht der leere Magen, der zum Essen treibt, sondern eine Vielzahl anderer Auslöser: Sinneseindrücke, Emotionen, Gewohnheiten oder hormonelle Schwankungen. In einer modernen Essumgebung, in der Nahrung jederzeit verfügbar ist und permanent präsent gemacht wird, verschwimmen die Grenzen zwischen echtem Hunger und Appetit besonders leicht. Essen wird dadurch weniger von körperlichem Bedarf gesteuert als von äußeren Reizen und inneren Zuständen.

„Wer Essverhalten langfristig verstehen und regulieren möchte, profitiert davon, diese Unterschiede zu kennen. Insgesamt lassen sich zwölf verschiedene Hungerformen unterscheiden“, betont Ursula Vybiral. „Nur eine davon ist echter körperlicher Hunger. Die übrigen können sich ebenso überzeugend anfühlen, beruhen jedoch auf anderen Mechanismen und führen nicht selten zu Essen, das der Körper in diesem Moment eigentlich nicht benötigt.“

1. Augenhunger
Augenhunger entsteht durch visuelle Reize: Schaufenster, Vitrinen, Food-Fotografie, Werbebilder oder perfekt angerichtete Teller. Allein der Anblick von Essen kann Appetit auslösen, obwohl der Magen nicht leer ist. Der Körper reagiert dabei nicht auf Bedarf, sondern auf Attraktivität und Erwartung. Evolutionsbiologisch ist das nachvollziehbar – attraktive Nahrung versprach Überleben. In der heutigen Überfülle führt dieser Mechanismus jedoch häufig zu zusätzlichem Essen ohne Bedarf und schließlich zu Übergewicht.
Lösung: Visuelle Reize bewusst unterbrechen. Entscheidungen über Essen nicht im Vorübergehen treffen, sondern zeitlich verschieben und an geplante Mahlzeiten koppeln.

2. Nasenhunger
Gerüche wirken direkt auf das emotionale Gehirn. Der Duft von frischem Brot, Vanille oder gebratenen Speisen kann intensive Esslust erzeugen – unabhängig davon, ob tatsächlich Hunger besteht. Gerüche sind eng mit Erinnerungen verknüpft und können unbewusst Appetit auslösen.
Lösung: Abstand zum Reiz schaffen. Lüften, den Ort wechseln oder weitergehen – der Impuls ist meist kurzlebig.

3. Kopfhunger
Beim Kopfhunger kreisen die Gedanken immer wieder um ein bestimmtes Lebensmittel. Das Verlangen wird mental verstärkt, oft begleitet von innerem Druck. Besonders häufig entsteht Kopfhunger durch Verbote oder rigide Ernährungsregeln.
Lösung: Dem Wunsch bewusst einen späteren, passenden Zeitpunkt zuweisen. Planung reduziert gedankliche Dauerpräsenz.

4. Mundhunger
Mundhunger richtet sich weniger auf Nahrung als auf sensorische Reize. Knusprig, cremig, salzig, süß oder kalt – der Mund verlangt nach Abwechslung, Textur oder Intensität. Dieses Bedürfnis ist häufig unabhängig vom Sättigungsgrad.
Lösung: Mahlzeiten abwechslungsreich gestalten: unterschiedliche Konsistenzen, Gewürze, Kräuter und Texturen reduzieren das Bedürfnis nach zusätzlichem Essen.

5. Dursthunger
Durst wird häufig als Hunger fehlinterpretiert. Der Impuls zu essen entsteht, obwohl dem Körper Flüssigkeit fehlt. Besonders nach Stress, Sport oder langen Konzentrationsphasen ist diese Verwechslung verbreitet.
Lösung: Zuerst trinken, dann einige Minuten warten und das Körpergefühl neu einordnen.

6. Gewohnheitshunger (konditionierter Hunger)
Gewohnheitshunger folgt festen Abläufen, Uhrzeiten oder sozialen Regeln. Gegessen wird, weil es „dazugehört“, weil andere essen oder weil es erwartet wird. Der Körper meldet dabei häufig keinen realen Bedarf.
Lösung: Vorab bewusst entscheiden, ob gegessen werden soll, und Auswahl sowie Portionsgröße aktiv bestimmen.

7. Magenhunger – der echte Hunger
Magenhunger ist der einzige eindeutig körperliche Hunger. Er äußert sich durch Leeregefühl, Magenknurren, sinkende Energie, Zittern oder Konzentrationsschwierigkeiten. Er signalisiert klaren Nährstoffbedarf.
Lösung: Magenhunger ernst nehmen und zeitnah mit nahrhaftem, sättigendem Essen beantworten.

8. Zellhunger (Bedarfshunger)
Zellhunger ist leise, gezielt und spezifisch. Der Körper verlangt nicht nach „irgendetwas“, sondern nach bestimmten Lebensmitteln oder Geschmacksrichtungen (z.B. nach Fleisch, Milchprodukten, Gemüse).
Oft steckt ein Bedarf an Energie, Eiweiß oder Mikronährstoffen dahinter.
Lösung: Auf Qualität achten und dem Bedürfnis nach echten, möglichst unverarbeiteten Lebensmitteln folgen.

9. Heißhunger
Heißhunger tritt plötzlich, intensiv und mit hoher Dringlichkeit auf. Häufige Auslöser sind lange Esspausen, unausgewogene Mahlzeiten, Zucker, Alkohol oder starke Blutzuckerschwankungen.
Lösung: Regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten zur Vorbeugung; im Akutfall Ablenkung oder Bewegung, um den Impuls zu unterbrechen.

10. Hormonhunger
Hormonelle Veränderungen beeinflussen Appetit und Essverhalten deutlich. Besonders Frauen erleben hormonbedingten Hunger im Zyklus, vor der Menstruation oder in den Wechseljahren.
Lösung: Struktur beibehalten und bewusst kleine Genussmomente einplanen, statt strikten Verzicht zu praktizieren.

11. Emotionaler Hunger
Emotionen wie Stress, Traurigkeit, Einsamkeit oder Überforderung können Essimpulse auslösen. Essen dient dann als kurzfristige Regulation von Gefühlen.
Lösung: Emotionen erkennen, benennen und alternative Bewältigungsstrategien einsetzen, etwa Bewegung oder soziale Kontakte.

12. Herzenshunger
Herzenshunger geht über emotionalen Hunger hinaus. Er entsteht aus innerer Leere, unerfüllten Bedürfnissen oder anhaltender Unzufriedenheit. Essen wird zum Trost oder Ersatz, ohne nachhaltig zu sättigen.
Lösung: Eigene Bedürfnisse reflektieren, Veränderungen zulassen und Unterstützung im persönlichen oder professionellen Umfeld suchen.

Nicht jedes Hungergefühl bedeutet also, dass Nahrung gebraucht wird. Hunger ist ein komplexes Zusammenspiel aus Körper, Psyche, Sinneseindrücken und Gewohnheiten. Wer diese Signale differenziert wahrnimmt, gewinnt Klarheit über das eigene Essverhalten – eine zentrale Voraussetzung für bewusste Entscheidungen und eine entspannte Beziehung zum Essen. Essen ist unser Freund, nicht unser Feind!

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